Sonntag | 27. Mai 2012 | 09:56 Uhr
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  • FILM REVIEW | Helden der Nacht
  • Helden der Nacht

    Thriller, Drama | USA 2006
  • | INHALTSANGABE

  • Zwei Brüder mit komplett unterschiedlichen Weltanschauungen, der eine wie schon sein Vater ein New Yorker Cop, angesehen, ehrgeizig, gerade zum Captain befördert, der andere Manager in einem Nachtclub, Sex, Drogen, kein Rock`n`Roll, denn es sind die späten 1980er Jahre. Bobby Green (Joaquin Phoenix) ist das schwarze Schaaf der Familie, jemand, der zwar pflichtschuldig die Feierlichkeiten zur Beförderung seines Bruders Joseph (Mark Wahlberg) besucht, dort jedoch nicht gerade willkommen ist. Schon vor Jahren hatte er den Namen seiner Mutter angenommen, Green, um sich von seinem Vater, Deputy Chief Burt Grusinsky (Robert Duvall), zu distanzieren – wenn man Menschen den Ort zur Verfügung stellt, an dem sie ausschweifende Partys feiern können, verliert man schnell an Glaubwürdigkeit, wenn man sich als Sohn des stellvertretenden Polizeichefs zu erkennen gibt.

    In Brooklyn betreibt Bobby die Diskothek „El Caribe“ und lebt eine leidenschaftliche Beziehung mit der Puerto Ricanerin Amada Juarez (Eva Mendes). Er führt ein Leben zwischen lauter Musik und grellem Licht, schwerem Rauch und weißem Pulver, schönen Frauen und dicken Geldbündeln, eines, das ebenso aufregend wie gefährlich ist, denn Bobbys Laden gilt als Umschlagplatz für Drogen.

    Als eine von seinem Bruder angeführte Polizeieinheit gegen einen Dealer ermittelt, der vom „El Caribe“ aus operiert, gerät Bobby zwischen die Fronten: auf der einen Seite seine Familie, Law and Order, auf der anderen das Leben, für das er sich entschieden hat, der Nachtclub, die Partys, und besagter Dealer, der ausgerechnet der Neffe des Clubbesitzers ist, für den Bobby arbeitet.
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      • | FILMKRITIK

      • „We Own The Night“, der Originaltitel des Films, war ein Motto der New Yorker Polizei, die sich Ende der 1980er Jahre einer Welle von Gewalt und Drogen auf den Straßen der Metropole gegenüber sah. Obwohl „Helden der Nacht“ also in den 80ern spielt, ist er so ziemlich das Gegenteil von Neon – und nach strahlenden Helden sucht man hier ebenfalls vergeblich. Regisseur James Gray, Mark Wahlberg und Joaquin Phoenix, die beiden Hauptdarsteller, die den Film auch produzierten, haben ein ausgesprochen ernsthaftes, kein bisschen üppiges Gangster-Drama inszeniert, dem auch Eva Mendes nichts Glamouröses zu verleihen vermag. Ein langsamer, stellenweise schwermütiger Film, in dem nicht Effekte – und leider auch nicht ein ausgeklügelter Plot – im Mittelpunkt stehen, sondern die Figuren und das Drama um die Polizistenfamilie Grusinsky.

        Es ist ja eigentlich nur konsequent, dass nach einer langen Tradition von Filmen über Gangsterfamilien, die den Fokus auch immer auf das Privatleben der Verbrecher richten, nun die Familien der Polizisten im Mittelpunkt eines Genrevertreters stehen. Sicher gibt es immer wieder Polizeifilme, aber „Helden der Nacht“ kommt daher wie ein typischer Gangsterfilm, in dem wir lediglich die Verbrecher ungefähr so gut kennen lernen, wie sonst die Familien der antagonistischen Ordnungshüter. Der Film spielt in einem Milieu, das im Genre zwar immer eine notwendige Nebenrolle spielt, aber eben nur selten die Hauptrolle.

        Umso erstaunlicher ist es, welches Bild der Film von der New Yorker Polizei zeichnet: hart, emotionslos, uniformiert – eine große, unbarmherzige Familie. In den Gangsterfamilien ging es herzlicher zu, und an ihren aufregenden Leben teilzuhaben machte einfach mehr Spaß! Robert Duvall wirkt als Bobbys Vater verbittert, als Deputy Chief ausgebrannt, und wenn das beabsichtigt war, macht er seine Sache richtig gut. Allerdings ist er einer dieser Protagonisten, mit denen man sich als Zuschauer nicht eben identifizieren möchte. Ebenso wenig ist Mark Wahlberg als Joseph Grusinsky eine geeignete Identifikationsfigur, und im Gegensatz zu Robert Duvall spielt er diese Figur noch nicht einmal besonders gut. Wahlberg hat unbestritten eine starke physische Präsenz auf der Leinwand, aber seine Mimik ist gerade in einem Charakterdrama wie „Helden der Nacht“ frappierend überfordert. Der gewohnt tadellose Joaquin Phoenix schließlich wirkt als Bobby irgendwie, als würde er jeden Moment in den schwarzen Anzug schlüpfen und ein Konzert im Knast geben – aber wahrscheinlich kann man einem Schauspieler eine hervorragende Rolle in seiner Vergangenheit nicht zum Vorwurf machen.

        Überhaupt würde man „Helden der Nacht“ unrecht tun, bezeichnete man ihn als schlechten Film; gerade technisch ist er gelungen, Photographie, Montage und Mischung, das alles stimmt. Doch ausgerechnet in der Disziplin, auf die die Filmemacher offenbar ihren Schwerpunkt gelegt haben, zeigt „Helden der Nacht“ Schwächen: er erzählt eine Geschichte, die man nicht unbedingt hören muss, über Leute, die man eigentlich gar nicht kennen lernen möchte. Dennoch werden zumindest Genre-Fans die ungewöhnlich Variation der Erzählperspektive interessant finden. Und einige starke Szenen hat der Film immerhin zu bieten, was nicht zuletzt der Kamera von Joaquin Baca-Asay zu verdanken ist.
      • | FAZIT

      • Interessante Variation des klassischen Gangsterfilms, die den Fokus der Erzählung auf das Leben einer leider allzu unsympathischen Polizistenfamilie richtet.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Alexander Praxl

      • | Userwertung

      Wertung: 8.0/10 (22 votes)

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