FILM REVIEW | Sweeney Todd - Der teuflische Barbier aus der Fleet Street
Sweeney Todd - Der teuflische Barbier aus der Fleet Street
Thriller,
Drama,
Musical,
Krimi
| Großbritannien / USA 2007
| INHALTSANGABE
Der glückliche Barbier Benjamin Barker wird zum Opfer seiner menschenfreundlichen Naivität, als sich die gierigen Augen des ehrenwerten Richter Turpin das erste Mal auf seine überaus schöne Frau Lucy richten. Turpins Einfluss reicht weit genug, um den störenden Nebenbuhler loszuwerden, indem er ihn kurzerhand in ein Gefängnis am anderen Ende der Welt einsperren lässt.
Doch fünfzehn Jahre später kehrt Benjamin Barker, der sich nun Sweeney Todd nennt, zurück ins düstere London, auf der Suche nach seiner Frau und seiner Tochter und dem brennenden Wunsch nach Rache. In seinem alten Haus trifft er auf Mrs. Nellie Lovett, der wohl schlechtesten Fleischpastetenbäckerin der Stadt, die in Mr. Todd recht schnell den verstoßenen Barbier erkennt. Von ihr erfährt Mr. Todd auch, dass seine Frau sich – nachdem sie von Richter Turpin missbraucht wurde – vergiftet hat und seine Tochter seitdem ein Leben als Gefangene in Turpins Haus führen muss.
Um die Aufmerksam Richter Turpins und seines Handlangers Beadle Bamford auf sich zu ziehen, provoziert Mr. Todd den bislang besten Barbier der Stadt, Signor Adolfo Pirelli, zu einer öffentlichen Wettrasur. Er gewinnt die Wette und lädt Beadle Bamford, der bei dem Wettkampf als Schiedsrichter fungiert hatte, in seinen Frisiersalon ein. Doch nicht Beadle, sondern Pirelli ist es, der Sweeney Todd als erstes dort aufsucht. Nachdem er ihm enthüllt hat, dass er Mr. Todds wahre Identität kennt und droht, dieses Geheimnis aufzudecken, bekommt er schnell die Schärfe von Sweeneys silbernen Rasiermessern zu spüren.
Einmal Blut geleckt kennen die Rachegelüste Sweeney Todds keine Grenzen mehr. Um die Menschheit für seinen Schmerz zu bestrafen ist ihm der alleinige Tod Beadles und Richter Turpins nicht mehr genug. Die praktisch denkende Mrs. Lovett sieht schnell das geschäftliche Potential, das in Mr. Todds Gefühlen schlummert. Immerhin ist Fleisch teuer und ihre aus Katzen und Ratten hergestellten Pasteten locken schon lange keine Kunden mehr ins Geschäft. Und so beginnt ihre blutige Komplizenschaft. Doch in seiner rasenden Mordlust droht Sweeney Todd sein eigentliches Ziel aus den Augen zu verlieren, dabei nähert sich die größte Gefahr aus ganz unerwarteter Richtung.
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| FILMKRITIK
Tim Burton erfindet sich in jedem seiner Filme neu. Seine Handschrift ist dabei jedoch so einzigartig, dass man sie auch dieses Mal nach nur wenigen Filmsekunden erkennt, ohne gleichartiges je gesehen zu haben. Das betrifft vor allem auch die unglaubliche visuelle Ästhetik des Films. Die Handlung spielt in einem hoffnungslos-düsteren London, einem bodenlosen Abgrund, hasserfüllt, romantisch, blutig und zärtlich zugleich.
Das gleichermaßen morbide wie tragische Broadway-Musical von Stephen Sondheim scheint für eine Verfilmung durch Tim Burton wie geschaffen zu sein. Dabei ist es wohl die bislang düsterste Geschichte, die dieser bislang in Szene setzte. Denn dem Zuschauer wird jeder Hoffnungsschimmer auf bleibendes Glück spätestens dann genommen, wenn Barkers Tochter Johanna ihrem naiv-jugendlichen Liebhaber deutlich macht, dass einmal heraufgezogene Schatten niemals wieder verschwinden werden. Und die Schatten, die sich über die Protagonisten dieses Schauermärchens legen, sind undurchdringlich.
Dass sich Burton dafür entschied, nicht mit ausgebildeten Sängern zu arbeiten, sondern durch Johnny Depp und Helena Bonham Carter auf seine gewohnte Besetzung zurückzugreifen, lässt sich leicht nachvollziehen, wenn man eben diese Darsteller das erste Mal singend erlebt. Zu einem schmerzerfüllten und verbitterten Helden hätte in der Tat keine klar modulierte Stimme gepasst. Und so spiegelt gerade die laienhaft gebrochene, monotone Stimme Johnny Depps den seelischen Zustand seiner Rolle passend wider.
Ähnlich klingt das bei der vom Leben enttäuschten Mrs. Lovett, deren sehnsüchtige Liebe an Mr. Todd abprallt wie an einer Mauer aus Eis. Doch anstatt zu verzweifeln wählt Mrs. Lovett den Weg ausgeprägter Coolness und so darf sie auch die mit Abstand unterhaltsamsten Dialogzeilen zum Besten geben. Erwähnung finden muss an dieser Stelle selbstverständlich auch Richter Turpin, der mit Alan Rickman idealbesetzt wurde. Mit verführerischer Arroganz mimt er Sweeneys Gegenspieler. Dass die Grenzen von Gut und Böse angesichts eines solchen Figurenensembles aufweichen macht diese Auseinandersetzung besonders interessant.
Neben all der Tragik sollte man selbstverständlich die Komik nicht aus den Augen verlieren. Denn auch hiervon gibt es reichlich. Es handelt sich hierbei um Humor der schwärzesten Art, der – mal derb mal feinfühlig – den Film überaus kurzweilig macht. Dass es sich hier um ein Musical handelt, dessen Gesangsstücke die gesprochenen Dialoge bei weitem überwiegen, dürfte für viele Zuschauer zumindest anfänglich ungewohnt sein. Doch da man sich einen Film von Tim Burton ohne weites immer und immer wieder anschauen kann, wird man sich auch daran schnell gewöhnt haben.
| FAZIT
Ein blutiges und düsteres Musical-Märchen, von Tim Burton meisterhaft in Szene gesetzt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung