Juno ist ein sechzehnjähriges Mädchen mit Schnodderschnauze. Aus Langeweile entjungfert sie eines Nachmittags ihren Kumpel Bleeker – und wird ungeplant schwanger. Die Frauenhilfe hilft nicht viel, dort sitzt eine doofe gepiercte Teenagerin mit losem Mundwerk am Empfang – also beschließt Juno auf Abtreibung zu verzichten, die Eltern einzuweihen, das Kind auszutragen und dann zur Adoption freizugeben. Die perfekten Adoptiveltern hat sie auch schon gefunden: Mark und Vanessa sind reich und ganz wild nach einem Baby. Vor allem mit Mark schließt Juno Freundschaft, sie sehen zusammen Horrorvideos, hören Musik – und langsam zeigen sich Risse in der vermeintlichen Vorzeigeehe von Mark und Vanessa… Dabei wollte Juno ihr Kind doch in perfekte Verhältnisse abgeben!
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| FILMKRITIK
Ständig bekämpft die miese deutsche Synchronisation den Film mit ihrem künstlichen Jugendsprech; und dass viele Gags verbal nochmal wiederholt werden, mag vielleicht gar nicht an einer Redundanz des Drehbuchs, sondern vielmehr an einer unbeholfenen, nachlässigen deutschen Fassung liegen. Freilich nicht nur deswegen ist das erste Drittel des Films etwas zäh, in dem eine derartige Menge unkonventioneller Figuren vorgestellt werden, dass die liebevolle Schrägheit von „Juno“ zunächst etwas forciert und aufgesetzt wirkt. Was sich aber gottseidank auflockert, wie auch die deutsch synchronisierte Schnodderschnauze der Titelfigur irgendwann flüssiger fließt, die charmant ihre Bosheiten und Sarkasmen loslässt und schlagfertig, intelligent und frappant offen ihre Umwelt kommentiert.
An Juno und ihre Darstellerin Ellen Page hängt viel in diesem Film; und mehr und mehr merkt man, wie präzise sie und ihre Teenagersicht auf die Welt beschrieben sind. Die Drehbuchautorin, die sich den schönen Namen Diablo Cody gegeben hat, hatte zuvor ihre Memoiren über ihre Zeit als Vollzeitstripperin veröffentlicht; der Produzent des Films wurde wegen ihres witzigen Internetblogs auf sie aufmerksam – offenbar versteht sie also etwas davon, Schräges sehr offenherzig auszusprechen.
Freilich macht auch in der Figurencharakterisierung der Film Fehler, es klafft eine Lücke zwischen der Erzählweise und dem inhaltlich Erzählten: immer wieder schwärmt Juno von Iggy und den Stooges, von Patty Smith, vom großen Punk-Jahr 1977 – von all dem findet sich auf dem Soundtrack freilich kein einziges Lied. Der besteht aus Gitarren-Feelgoodsongs mit ironischen Texten, die die Handlung fein gesetzt kommentieren, eine schöne Liedauswahl, die freilich wenig mit der Filmfigur zu tun hat.
In „Juno“ geht es als eine Art Leitmotiv beständig um die Suche nach einem Lebensgleichgewicht zwischen Spießertum und Andere-vor-den-Kopf-Stoßen; so ist es ja häufig im Coming of Age-Film. Hier ist es Juno, die ungewolltes Leben in ihrem dicker werdenden Bauch austrägt, die noch ihre jugendliche Unreife auskosten will, die über alles Bescheid weiß und das auch auf erfrischende und rotzige Art sagt: „Hallo, ich möchte gerne eine Express-Abtreibung erwerben.“ Das hat sie vom Vater, einem liebenden Brummbär; und vielleicht auch von der Stiefmutter, die die Ultraschalltechnikerin krass runterputzt.
Gegenüber steht das Vorstadt-Vorzeigeehepaar mit Vanessa und Mark, die designierten Adoptionseltern von Junos Kind. Vanessa lebt die neuerwachten Muttergefühle aktivistisch aus – mit Mark aber findet Juno über trockenen Humor, seine Gibson-E-Gitarren und einen Lehrgang über die Gore-Welten von Herschell Gordon Lewis – wo eimerweise Blut fließt und aus jeder Ecke Gehirn quillt – eine gemeinsame Basis. Er, das stellt sich allmählich heraus, trauert seiner vergangenen Coolness nach, ist auf der Suche nach der verlorenen Jugendzeit – will Distanz halten zur drohenden Spießerwelt von Vaterschaft und Erwachsensein.
Sehr locker, sehr lustig und mit ungemein witzigen Dialogen spielt „Juno“ seine Situationen durch, dekliniert die Härten von Jugend und Erwachsensein schön schräg aus; ist ansprechend unkonventionell (ohne wirklich quer zum allgemeinen Geschmack zu stehen, ohne wirklich weh zu tun); ein Film, auf den man sich trotz seiner kleineren Schwächen einigen kann an einem lustigen Abend, und den man nicht bereuen wird.
| FAZIT
Schräge Independent-Komödie über eine Teenager-Mutter mit witzig-offenherzigen Dialogen. Dennoch hat man immer wieder das Gefühl, dass alles noch ein bisschen weiter hätte getrieben werden können.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung