Hank Deerfield erhält einen Anruf vom Militärstützpunkt Fort Rudd in New Mexico: Sein Sohn Mike ist wenige Tage nach seiner Rückkehr aus dem Irakkrieg verschwunden. Der Vietnamveteran Hank Deerfield, ein ehemaliger Militärpolizist, fährt nach New Mexico, um nach seinem Sohn zu suchen. Er und seine Frau Joan finden es seltsam, dass Mike sich nach seiner Rückkehr nicht zu Hause gemeldet hat.
Hank findet in der Kaserne das Handy seines Sohnes, das er heimlich mitgehen lässt. Darauf sind halb zerstörte Filmschnipsel von Patrouillenfahrten im Irak zu sehen, auf denen Hank nicht viel erkennen kann. Die anderen Soldaten seiner Einheit loben Mike als guten Mann, wissen aber auch nicht, warum er plötzlich verschwunden ist.
Dann werden verbrannte Leichenteile auf einem Feld gefunden und als die Überreste von Mike identifiziert. Zunächst gibt die Polizei den Fall gerne an das Militär ab, weil das Feld der Army gehört, doch dann beginnt außer Hank auch noch die junge Polizistin Emily Sanders nachzuforschen. War Mike ein Drogendealer, wie die Militärpolizei vermutet, oder gibt es einen anderen Grund für seinen grausamen Tod?
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| FILMKRITIK
Nach „L.A. Crash“ ist „In the Valley of Elah“ die zweite Regiearbeit von Drehbuchautor Paul Haggis. Außer auf den Handybildern und in den bruchstückhaften Erzählungen der Kameraden von Mike spielt das Drama über den Irakkrieg an gottverlassenen amerikanischen Schauplätzen, an denen der alternde Patriot und Vater Hank die Wahrheit sucht. Oder besser gesagt, an denen die Kamera Tommy Lee Jones um Rat fragt, wo es hier langgeht, als hinge das Verstehen der Umgebung von seiner Bewertung ab.
Hank Deerfield, Vietnamveteran und ehemaliger Militärpolizist, ist nämlich eine moralische Instanz. Wenn dieser Mann, der seine Schuhe jeden Tag poliert und sein Bett im Motel morgens so macht, als erwarte er militärische Zimmerkontrolle, den Stützpunkt in New Mexico betritt, dann weiß man schon, er wird sein Ziel erreichen. Da ist dieser Blick in Jones’ Augen, dieser Trotz um seinen Mund, der aus dem Pflichtbewusstsein kommt und der dem Gegenüber sagt, spiel lieber nicht den Schlaumeier!
Hank Deerfield also glaubt an zweierlei: an seinen Sohn, für den er offensichtlich ein großes Vorbild war. Nicht nur eiferte Mike seiner militärischen Laufbahn nach, er benutzte sogar bis zum Schluss den Seesack seines Vaters. Und Hank glaubt an das Militär, in dem Sinne, dass er weiß, wie die Soldaten denken, welches ihre Ehrbegriffe sind und auch ihre Nöte. Gerne, und mit der nötigen Härte und Neugier ausgestattet, spielt er wieder einmal nach langen Jahren den Militärdetektiv, den Ermittler am Tatort, diesmal im wichtigsten Fall seines Lebens.
Es gibt Szenen zuhauf, in denen Tommy Lee Jones’ Schauspiel verblüfft, und dem Darsteller wird von Paul Haggis auch einiges zugemutet: Schwer vorzustellen, jemand anderer als Jones würde im Leichenschauhaus fragen, wie viele Messerstiche auf den Körperteilen von Mike gezählt wurden, oder mit dieser fast reglosen Miene die vielen anderen Ungeheuerlichkeiten ertragen, die er schrittweise ans Licht zerrt. In anderen Szenen gibt er Kostproben seines trockenen Humors, zum Beispiel, als er dem kleinen Sohn der Polizistin eine Gutenachtgeschichte vorlesen soll.
Doch in diesem stillen Film der blassen, blaustichigen Farben und der vielen halbdunklen Aufnahmen steht Hank Deerfield die meiste Zeit in sich gekehrt da, als ein Mann, dem die heutige Welt entgleitet. Von Anfang an ist da dieses unsichere, distanzierte Staunen über die Orte, an denen sich sein Sohn, wie die anderen Soldaten auch, aufhielt: diese Kneipe zum Beispiel, mit den barbusigen Frauen. Und manchmal bekommt Hank Deerfield einen verwundeten Blick, als ahne er, dass die Wahrheit keine Rücksicht kennt.
Haggis hat auch noch andere Trümpfe auf Lager, ein gutes, auf einer wahren Geschichte basierendes Drehbuch und die eindrucksvolle Kamera. Auch in diesem Film bemüht er sich um authentische Darstellung des Lebens: Die junge Polizistin, gespielt von Charlize Theron, etwa wird an ihrem Arbeitsplatz von männlichen Kollegen heftig gemobbt, und auch sonst schleicht sich in die Dialoge hin und wieder eine Aggressivität, die sonst in Filmen gerne zugunsten des roten Fadens herausgefiltert wird. Auch die wenigen Szenen mit Susan Sarandon als Mikes Mutter bereichern den Film. Man kann durchaus geteilter Meinung sein, ob die Geschichte nicht zu drastisch ist, ihre Botschaft nicht zu dick aufgetragen wird. Aber da fällt der Blick wieder auf diesen alten Mann, der die ganze neue Schäbigkeit der Welt auf seinen Schultern trägt und den Film über die aufgerissenen Abgründe.
| FAZIT
Hauptdarsteller Tommy Lee Jones trägt diesen leisen, verstörenden Anti-Kriegsfilm ganz allein.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung