Sonntag | 27. Mai 2012 | 12:37 Uhr
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  • FILM REVIEW | Trip to Asia: Die Suche nach dem Einklang
  • Trip to Asia: Die Suche nach dem Einklang

    Musik, Dokumentation, Konzert | Deutschland 2006
  • | INHALTSANGABE

  • Der Dokumentarfilm "Trip to Asia" begleitet die Berliner Philharmonie auf ihrer Tournee quer durch Asien. Die Musiker und ihr Dirigent Sir Simon Rattle machen dabei Station in Bejing, Seoul, Shanghai, Hong Kong, Taipei und Tokyo. Zu hören bekommt man Thomas Adès "Asyla", Beethovens "Eroica" und Richard Strauss' "Heldenleben".

    Doch der Film bietet wesentlich mehr als nur einen Eindruck in die musikalische Arbeit eines der besten Orchester der Welt. Weit elementarer beleuchtet Regisseur Thomas Grube das Innenleben der Musiker selbst. Vor allem bietet er der Frage Raum, wie es Menschen mit so starken und eigenwilligen Persönlichkeiten schaffen können, einerseits ihr jeweiliges Instrument auf höchstem Niveau zu beherrschen und sich andererseits derart in die Gruppe des Orchesters unter- und einzuordnen, dass ein gemeinsamer musikalischer Einklang möglich ist.

    Die Reise selbst verlangt von den Menschen einiges ab. Einerseits liegt der ungeheure Druck der hohen Erwartung auf ihnen und ihrem Können. Andererseits müssen hier Menschen, die einen sehr großen Teil ihres Lebens alleine mit sich und ihrem Instrument verbracht haben, über mehrere Wochen hinweg auf engstem Raum miteinander auskommen. Zwischen diesen Reibeflächen werden vor allen Dingen die jungen Musiker zerrieben, die sich während der Dreharbeiten in der Probezeit für eine mögliche Aufnahme in die Philharmonie befinden.
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      • | FILMKRITIK

      • Der Filmemacher Thomas Grube hatte sich in seinem Film "Rhythm is it" schon einmal in die Gesellschaft Sir Simon Rattles und der Berliner Philharmonie begeben. Nun begleitet er die Gruppe auf ihrer Tournee durch sechs asiatische Metropolen. Dort präsentieren sie sich und ihr Können einem Publikum, das teilweise seit 26 Jahren auf ihren Besuch gewartet hat. Der Druck, der besonders auf den Neulingen lastet, die ohnehin bereits damit zu kämpfen haben, sich in die Gruppe einzugliedern, ist enorm.

        Schnell wird dem Zuschauer klar, dass es sich bei der Berliner Philharmonie um eine ganz eigene Art der sozialen Gemeinschaft handelt, deren Zusammenleben einzig und allein von dem höheren Ziel des musikalischen Einklangs bestimmt wird. Nur so lässt sich erklären, wie es überhaupt möglich ist, dass derart unterschiedliche Menschen eine harmonische Einheit bilden. Dass es sich ausgerechnet um Menschen handelt, die aufgrund ihres Berufs und aufgrund ihrer Lebensgeschichte oft eher Einzelgänger sind, macht die Zusammenarbeit nicht leichter.

        Als Kommunikationsmittel dient ihnen das jeweilige Instrument. Um es auf derart hohem Niveau zu beherrschen, wie das bei diesen Musikern der Fall ist, muss man nicht nur mit Isolation und Einsamkeit zurechtkommen, sondern auch besonders hart an sich arbeiten. Gleichzeitig aber muss man bereit sein, sich während des Zusammenspiels gänzlich dem Orchester und der Musik unterzuordnen. Denn während der Dirigent Sir Simon Rattle als Einzelperson im Rampenlicht steht, lösen sich die Individuen des Orchesters im Kollektiv auf.

        Um sich seinem Thema anzunähern, lässt Thomas Grube nicht nur die Musiker zu Wort kommen, sondern bietet seinen Zuschauern auch immer wieder meditativ anmutende Einblicke in Länder, die das Orchester auf seiner Tournee bereist hat. Inmitten der Masse der Metropolen scheinen diese Menschen auf natürliche Weise in sich zu ruhen und mit der Welt im Einklang zu stehen. Fast sieht es so aus, als hätten sie längst das gefunden, wonach die Musiker so vehement auf der Suche sind.

        "Trip to Asia" entwickelt geradezu eine Sogwirkung, ist jedoch nicht nur inhaltlich ein spannender Film. Auch rein formal überzeugt er. Allem voran ist er sehr gut aufgebaut. Thomas Grube umkreist sein Thema bis es beinahe kosmische Ausmaße annimmt. Man bekommt wirklich den Eindruck, einen ungeahnt tiefen Einblick in das Innenleben der gezeigten Menschen zu erhalten. Dabei ist es völlig unerheblich, ob man sich für klassische Musik interessiert oder nicht. Einmal fällt der Satz "Kunst soll erleuchten und aufklären". In diesem Sinne kann man auch den Film als Kunst bezeichnen.
      • | FAZIT

      • In seinem überaus gelungenen Dokumentarfilm über die Berliner Philharmonie begibt sich Thomas Grube auf eine Reise durch Asien und in das Innenleben der Musiker.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Anke Hermann

      • | Userwertung

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