Fünf Frauen und ein Schönheitssalon in Beirut stehen im Mittelpunkt dieses Films aus dem Libanon. Die hübsche Layale ist die Besitzerin des Ladens, doch weil sie nicht verheiratet ist, lebt sie noch bei ihren Eltern und teilt sich ein Zimmer mit dem kleinen Bruder. Layale ist unglücklich verliebt in einen Mann mit Familie.
Die junge Friseurin Nisrine steht kurz vor ihrer Hochzeit, Rima, die im Salon die Haare wäscht, entdeckt ihre Homosexualität, die verlassene Ehefrau Jamale versucht verzweifelt, attraktiv auszusehen und einen Job als Schauspielerin zu ergattern. Und da ist noch die ältere Schneiderin Rose mit ihrer geistig verwirrten Schwester Lili. Die Frauen unterstützen sich gegenseitig und suchen ihren Weg in der quirligen Stadt zwischen Tradition und Moderne.
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| FILMKRITIK
„Caramel“ ist ein in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlicher Spielfilm. Er kommt aus dem Libanon und ist ausdrücklich der Stadt Beirut gewidmet – ein Ort, den man im Westen schon lange nicht mehr mit Unterhaltung in Verbindung gebracht hat. Er ist das Kinodebüt der Regisseurin Nadine Labaki, die auch das Drehbuch verfasst hat und die Rolle der Layale spielt. Er ist mit Laienschauspielerinnen besetzt. Und schließlich ist er eine farbenfrohe, ungehemmte Liebeserklärung an die Schönheit der Frauen, die zugleich symbolisch den Aufbruch Beiruts zu neuer Lebensfreude darstellen dürfen.
Die junge Layale ist die beste Reklame für ihren Schönheitssalon: Meistens in ärmellose Tops gekleidet, geschminkt, von dunklen Haarsträhnen umspielt, spiegelt sie ihren Kundinnen vor, was sie in ihrer Obhut aus sich machen könnten. Layale führt ein modernes, hektisches Leben, sie fährt Auto, starrt immer auf ihr Handy, denn es könnte ja ein Ruf ihres Geliebten kommen, dem sie auf der Stelle Folge leistet. Es ist eine grausame Prüfung für diese selbstbewusste Frau, als sie ihre Rivalin kennen lernt, die Ehegattin ihres Geliebten – und feststellen muss, dass die Rothaarige nicht nur ebenfalls attraktiv, sondern auch sehr liebenswert ist.
Im Grunde sind alle Frauen dieses Films, der vor Wärme glüht, liebenswert. Egal, ob sie wie Layale Christinnen, oder wie Nisrine Musliminnen sind, ob sie jung oder alt wie Rose oder gar die senile Lili sind. Lili hat die Aufgabe, den skurrilen Running-Gag zu liefern: Sie sammelt Papiere von der Straße auf, weil sie sie für Briefe ihrer Jugendliebe hält. Die Frauen sind allesamt, bis auf Rima, auf Männer fixiert, und der Schönheitssalon dient als Brücke zwischen dem von außen diktierten Werteideal und der Freude der Frauen an ihrer Weiblichkeit.
Während die Charaktere im Salon und in der Stadt ihre Nöte austauschen, Männern begegnen, schließlich Nisrines Hochzeit feiern, konstruiert eine wunderbare Kamera flirrende, erotische Bilder vor dem Hintergrund der lebhaften Stadt mit ihrem Verkehrslärm. Man erfährt nebenbei einiges über die Probleme der Frauen mit starren Traditionen, etwa der Jungfräulichkeit vor der Ehe. Doch der Tonfall ist versöhnlich, weich, ein Fest für die Sinne, etwa wenn Rima auf der Hochzeit von Nisrine ein traditionelles Lied anstimmt.
Die Solidarität und Freundschaft der Frauen untereinander kann Brücken schlagen zwischen den sozialen Gruppen, so der Tenor des Films. Die Protagonistinnen experimentieren noch dazu mit aufregenden eigenen Wegen zwischen Moderne und orientalischen Werten. „Caramel“ bezauberte nicht nur im Libanon das Kinopublikum, und befriedigt auf heitere, unschuldige Weise die pure Lust am Schauen, ohne sich groß um intellektuelle Konventionen zu scheren.
| FAZIT
Bezaubernde, sinnliche Bilder aus dem modernen Beirut huldigen der äußeren und inneren Schönheit der Frauen.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung