Als der US-Präsident (William Hurt) im spanischen Salamanca eine Rede halten will, wird er niedergeschossen. Kurz darauf explodiert eine Bombe. Die TV-Producerin Rex Brooks verfolgt alles aus dem Übertragungswagen, die Secret-Service-Beamten – der junge Taylor (Matthew Fox) und der alternde Barnes (Dennis Quaid) – versuchen den Täter zu schnappen, während wiederum ein spanischer Polizist eine dubiose Rolle spielt und der Tourist Howard (Forest Whitaker) (fast) alles mit der Videokamera aus der Menge gefilmt hat.
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| FILMKRITIK
Die Kernidee von "8 Blickwinkel" ist nicht die schiere Handlung, sondern das "Wie" des Erzählens. Die Minuten vor, während und nach dem Anschlag präsentiert der Film aus unterschiedlichen Perspektiven – angefangen aus der Sicht der TV-Zentrale, was (noch) hoch effektiv, packend und als Ausgangspunkt logisch gewitzt ist. Nur schafft es Regisseur Peter Travis und Drehbuchautor Barry L. Levy nicht, das durchzuhalten. Das Problem: Der Film krankt an den eignen Regeln, die er nicht recht beherrscht und an die er sich freilich selbst nicht wirklich halten mag. Schließlich: je mehr sich die Geschichte entspinnt, desto doofer wird sie.
Natürlich ist es schwierig, den Plot zu kritisieren, ohne die Wendungen zu verraten. Tatsächlich aber bietet "8 Blickwinkel" letztendlich eine Mischung aus "24" und "Lost", die des einem seine Gehetztheit samt überzogener, unlogischer Wendungen und Ideen mit der Vielseitigkeit des anderen mischt (wofür "Lost"-Star Matthew Fox herhält). Ohne freilich als 90-Minuten-Film keine notwendigen Erzählbedingungen erfüllen zu können.
So fehlt in der Menge der Figuren die Zeit, sie richtig einzuführen und irgendwie interessant zu machen. Einzig bei dem Agenten Barnes kann durch wenigen Strichen und dank der Besetzung mit Dennis Quaid der kaputte Leibwächter halbwegs spannend gemacht werden. Doch schon für Forest Whitaker als Touristen bleiben nur kurzem schwerverdaulich Klischees. Ganz zu schwiegen von den "Bösen". Bisweilen dumme Dialoge erklären dem Zuschauer noch mal extra, was es wie zu verstehen gibt, wie auch das "Zurückspulen" vor jeder neuen Episode wenig Vertrauen in die Intelligenz des Publikums beweist.
Wenn zudem das Komplott sich als wiederum gar kein richtiges erweist, der Film eine Menge lose Enden, Löcher, Übertreibungen und logische Ungereimtheiten aufweist, wartet man lange auf das Puzzle, das einem erst groß angeboten wird und dann doch nur enttäuscht.
Mehr noch wiegt, dass dieses Puzzle nicht wirklich eines ist: Die vielen Blickwinkel ergeben nicht erst zusammengenommen das ganze Bild. Eher spielt der Film nur halbherzig mit verteilten und verzögerten Informationen – und treibt die Handlung bis zur allzu heilen Auflösung beliebig über den eigentlichen Zeitraum der gepriesen Blickwinkel hinaus.
Informationen, was Barnes auf den Bildschirmen des Übertragungswagens so schockierendes entdeckt, bleiben uns vorenthalten (obwohl es doch seine Sicht ist), Sigourney Weaver als Producerin spielt nach dem Auftakt gar keine Rolle mehr, und zuletzt wird ein Blickwinkel auf die Vielzahl der Terroristen verteilt (wobei zeitlich denn auch gar nichts mehr passt). Darüber hinaus krankt es an Enge des schönen Schauplatzes: Schon beim ersten Sehen wird klar, wer sich von den meisten Figuren wo in den tragischen Augenblicke der Attentate aufhält (eine Pointe ausgenommen, die leider zu überbordend ist, um Spaß zu machen). Die Folge ist, dass sich bei den erneuten Durchgängen (von Travis ohnehin allzu gleich und allzu "objektiv" gefilmt) vieles wiederholt.
Damit erweist sich die "8 Blickwinkel" als kaum mehr als das umständliche Erzählen eines überzogenen 08/15-Agenten- und Terroristenthrillers, der – man denke wiederum an "Lost" oder Vergleichbares – in einer (Mini-)Serie seinen eigenen Reiz hätte haben können, z.B. wenn jede Folge einer der Figuren gewidmet wäre.
So bietet "8 Blickwinkel" zwar eine aufregende Autoverfolgungs-Action, die jedoch (wie auch Atli Örvarssons Musik), sehr an die letzten beiden "Bourne"-Filme erinnert. In Gänze bleibt "8 Blickwinkel" aber kaum mehr als nette und gut gemeinte, leider aber fade heiße Luft.
| FAZIT
Der (angeblich) aus 8 Perspektiven erzählte Thriller um einen Präsidentenanschlag entpuppt sich trotz Starbesetzung als überzogener und oberflächlicher "Lost"- und "24"-Verschnitt, der seiner eigenen Idee leider nicht gerecht wird.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung