Trudi (Hannelore Elsner) erfährt, dass ihr Mann Rudi (Elmar Wepper) schwer krank ist und wahrscheinlich nicht mehr lange zu leben hat. Nach dem Besuch bei Ihrem Arzt beschließt sie, Rudi mit der Diagnose nicht zu belasten und behält diese für sich. Trudi bekommt den Rat, noch einmal etwas Schönes mit ihrem Mann zu unternehmen – leichter gesagt als getan, denn für den Verwaltungsbeamten Rudi gibt es nichts schöneres als seinen Alltagsrhythmus.
Schweren Herzens lässt sich Rudi schließlich überzeugen, die Kinder Klaus (Felix Eitner) und Karolin (Birgit Minichmayr) in Berlin zu besuchen – doch die haben inzwischen ihr eigenes Leben und sind vom unverhofften Besuch der Eltern schnell genervt. Allein Karolins Freundin Franzi (Nadja Uhl) nimmt sich dem Elternpaar an, zeigt ihnen die Stadt und begleitet Trudi beim Besuch einer japanischen Butoh-Tanzperformance.
Da sich die Eltern überflüssig fühlen, beschließen sie, den Besuch bei den Kindern abzubrechen und stattdessen an die Ostsee zu fahren. Das Meer scheint selbst dem nur widerwillig angereisten Rudi allmählich zu gefallen, er möchte sogar eine Strandwanderung unternehmen. Zu dieser Wanderung kommt es allerdings nie, denn am nächsten Morgen ist Trudi tot.
Die schnell angereisten Kinder trauern nur kurz und müssen bald wieder in Ihren Alltag nach
Hause. Rudi bleibt in der bayerischen Provinz allein zurück, nur Franzi kommt aus Berlin und wohnt Trudis Beerdigung bei. Sie erzählt Rudi von den Sehnsüchten, von denen ihr Trudi in Berlin erzählt hat: Dass Trudi selbst einmal gern nach Japan gegangen wäre und Butoh-Tanzunterricht nehmen wollte.
Rudi macht sich Vorwürfe und beginnt, den Träumen seiner verstorbenen Frau nachzuspüren. Er begibt sich auf eine Reise nach Tokio, wo er bei seinem dort arbeitenden Sohn Karl (Maximilian Brückner) lebt. In Japan erlebt er die wunderbare Kirschblütenzeit und lernt die junge Butoh-Tänzerin Yu (Aya Irizuki) kennen. Gemeinsam mit Yu kann Rudi die Welt mit neuen Augen sehen und er beginnt seine Frau zu verstehen. Vielleicht kann er ihr doch noch einen letzten Wunsch erfüllen ... .
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| FILMKRITIK
„Kirschblüten – Hanami“ versucht mit halbdokumentarischen Mitteln und einer sehr offenen Dramaturgie über die Vergänglichkeit zu philosophieren. Die Kirschblüten selbst sind ein Symbol hierfür: So schnell wie sie gekommen sind, sind sie nach einer Woche auch wieder fort. So wie Trudis und Rudis Zeit miteinander einst ewig schien, so wird dieser Illusion mit Trudis Tod ein jähes Ende gesetzt, an dem viele Träume nicht ausgelebt wurden.
Trotz der direkten Machart des Films wirkt dieser nicht oft authentisch und es fehlt der vor sich dahindümpelnden Handlung an Timing und Substanz. Glücklicherweise bessert sich dies, als Rudi nach Japan fliegt und dort einen Blick auf eine andere Welt gewinnt. Das Vorspiel in Deutschland, in dem ewig lange Familienbeziehungen und flache Figuren gezeichnet werden, hätte es allerdings nicht gebraucht.
Doch auch in Japan wird aus „Kirschblüten“ kein „Lost in Translation“. Elmar Wepper ist eben nur halb so Charmant wie Bill Murray. Der Film bleibt trocken – das aber ohne Humor. Dies ist insofern enttäuschend, als dass dem Film oft sehr schöne Ideen zu Grunde liegen, deren Umsetzung jedoch stets an Oberflächlichkeiten scheitert. Generationenkonflikt, Beziehungsalltag und Vergänglichkeit werden mit Schlagzeilenmentalität als Themen nur angeschnitten und auf einfachste Stereotypen heruntergebrochen. Sinnbilder, durch die sich Rudi an Trudi erinnert, werden stets überstrapaziert. Durch experimentelle Schnitte und Kameraeinstellungen gewinnt der Film leider auch keinen frischen Wind, sondern erhält eher den Charme eines missglückten studentischen Erstlingswerkes.
Es wird nicht einmal versucht zu erklären, wie das ungleiche Paar Rudi und Trudi damals zusammen gekommen ist – warum liebt sie diesen Mann? Dass die Kinder kein Interesse an den Eltern haben wird zudem ungefragt als alltägliche Normalität wahrgenommen und Rudis Odyssee von seinem Dorf über Berlin an die Ostsee und zurück und dann nach Tokio scheint allein der Dramaturgie des Zufalls zu gehorchen.
Was bleibt, ist die bewundernswerte Ungezwungenheit, mit der Regisseurin Doris Dörrie ihren Film inszeniert. So gelingt es ihr außerordentlich gut, Impressionen vom widersprüchlichen Japan einzufangen. Ihre Figuren selbst kommen aber über das Niveau einer Soap nicht heraus. Die grundlegende filmische Herangehensweise in „Kirschblüten“ ist wegweisend, allerdings mit einer erschütternden Naivität umgesetzt.
| FAZIT
Vielfältiger aber unausgegorener Film, der noch vergänglicher als die Titelgebenden Kirschblüten ist.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung