Mr. Shi (Henry O) besucht seine Tochter Yilan (Feihon Yu) in den USA. Der verwitwete Chinese ist fasziniert von dem Land in dem seine Tochter lebt und möchte es kennen lernen. Allerdings muss Mr. Shi feststellen, dass seine Tochter unglücklich zu sein scheint. Nach der Trennung von ihrem Mann, möchte ihr der Vater Beistand leisten. Yilan ist von dieser Idee wenig begeistert und hält ihn auf emotionaler Distanz. Sie gibt vor, etwas mit Freunden zu unternehmen, geht dann aber allein ins Kino und lässt Mr. Shi einsam in ihrem Apartment sitzen.
Mr. Shi verbringt die Tage damit, Yilans Wohnung zu „verschönern“, kommunistischer Aufbaumusik zu lauschen oder für Yilan ein üppiges Abendbrot zu bereiten. Yilan ist allerdings wenig begeistert, als ihr riesige Portionen vorgesetzt werden und dann auch noch Vorschriften zu ihrem Schlafverhalten gemacht werden.
Während der langen freien Tage beginnt Mr. Shi Land und Leute zu erkunden und trifft schließlich eine gleichaltrige Dame aus dem Iran, mit der er sich auch ohne viele englische Worte verständigen kann. Um so erschütternder ist es für Mr. Shi schließlich zu erfahren, dass die Frau in ein Altersheim gegeben wird. Vieles an Amerika kann Mr. Shi nur schwer verstehen und so kommt es schließlich zum offenen Konflikt mit seiner Tochter, bei dem ein lang gehütetes Familiengeheimnis gelüftet wird.
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| FILMKRITIK
In „Mr. Shi und der Gesang der Zikaden“ treffen zwei Lebenswelten aufeinander: Die kommunistischen Ideale das vom Leben gezeichneten Raketenwissenschaftlers Mr. Shi und das moderne, amerikanische Leben seiner Tochter, der Bibliothekarin Yilan. Mr. Shi versucht das Leben seiner geschiedenen Tochter auf die rechte Bahn zu lenken, doch Yilan muss feststellen, dass sie auf chinesisch nicht über ihre Gefühle reden kann. Erst nach der Beharrlichkeit des Vaters beginnt Yilan das Eis zu brechen und den Vater-Tochter-Konflikt offen auszusprechen.
Der Film ist auch die Geschichte eines Fremden, der mit unschuldigen Augen auf eine ihm unbekannte Welt blickt. Mr. Shi hat in den USA Begegnungen mit verschiedenen Menschen: Einer arbeitsscheuen Studentin, einem konservativen Ex-CIA-Mann, einem neurotischen Atiquitätenhändler, zwei Mormonen sowie einer alten iranischen Frau, mit der er bald Freundschaft schließt. Mr. Shis Begegnungen mit den Amerikanern bleiben meist Spiegelungen klassischer Stereotypen. Allein durch die Verkörperung Mr. Shis durch Henry O gewinnt die Welt des Films an Sympathie, wobei Feihon Yu als Yilan einen darstellerisch gelungenen Gegenpart bietet.
„Mr. Shi und der Gesang der Zikaden“ lebt von vielen kleinen Gesten. Als Mr. Shi das Buch Mormon vorgestellt wird, vergleicht er dessen Philosophie mit der von Marx und Engels („große Chinesen“) und eignet sich sprachliche Unarten wie „kum“ für „come“ an. Der Film zeigt aber auch, dass Weniger nicht immer unbedingt Mehr ist. Trotz der herausragenden schauspielerischen Leistungen bleiben die schönsten Momente des Films immer noch flach, es fehlt dem Werk an Tiefe.
Die Story um Mr. Shi basiert auf einer Kurzgeschichte von Yiyun Li, die aufgrund ihrer Kürze dem Film zum Verhängnis wird. Regisseur Wanye Wang gelingt es nicht, Leerstellen zu füllen. Durch die kurze Dauer des Films von 83 Minuten langweilt dieser zwar nicht, fordert den Zuschauer allerdings auch nicht zum Mitdenken auf. „Mr. Shi und der Gesang der Zikaden“ ist ein kleiner Film, für ein kleines Publikum gemacht. Trotz schöner Ideen verliert er sich jedoch bald in Mittelmäßigkeiten und kann kaum langanhaltend überzeugen, ist dafür aber auch keine große Enttäuschung.
| FAZIT
Mittelmäßige und leider oft flache Geschichte über den Konflikt zweier Generationen und Kulturen mit wenigen Highlights.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung