Sonntag | 27. Mai 2012 | 13:42 Uhr
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  • FILM REVIEW | Absurdistan
  • Absurdistan

    Komödie | Deutschland 2007
  • | INHALTSANGABE

  • Der kleine Temelko hat die Frau fürs Leben in der Tat schon früh gefunden. Bereits bei seiner Geburt. Schließlich spricht die Tatsache, dass Aya und er im selben Augenblick das Licht der Welt erblickt haben, dafür, dass sie füreinander bestimmt sind. Und so ist es eigentlich auch kein Wunder, dass sie im Alter von vier Jahren bereits verlobt und im Alter von acht Jahren vermählt sind.

    Doch was die Hochzeitsnacht angeht, die zögert sich noch ein wenig hinaus. Denn was die Erwachsenen an Sex so toll finden, können weder Aya noch Temelko verstehen. Das ändert sich für Temelko allerdings im Alter von vierzehn Jahren. Leider ziert sich Aya, denn zunächst heißt es, die sternenkundige Großmutter aufzusuchen, um herauszufinden, wann die beste Nacht für das erste Mal ist.

    Als Ayas Großmutter dann bestimmt, dass dieses Datum noch ganze vier Jahre in der Zukunft liegt, ist Temelko nicht gerade begeistert. Doch seine Liebe zu Aya kennt keine Grenzen und schon gar kein zu großes Opfer und so begibt er sich in den kommenden vier Jahren in die Stadt, um etwas Anständiges zu lernen und für das Dorf auf diese Weise nützlich zu werden.

    Und das scheint bald auch dringend notwendig zu sein, denn während Temelkos Abwesenheit bricht die Wasserversorgung des Dorfes zusammen, weil das einst mühsam verlegte Wasserrohr marode geworden ist. Eigentlich wären die Männer des Dorfes dafür zuständig, den Schaden zu reparieren, doch die drücken sich vor der Arbeit, so dass allen nichts anderes übrig bleibt, als kreativ und dreckig mit dem Wassermangel umzugehen.

    Leider ist gerade für Aya und Temelko Wasser für ihre erste Nacht besonders wichtig, da ihnen geweissagt wurde, sie müssten vorher baden. Die Lage eskaliert als es nicht nur Aya, sondern auch den restlichen Frauen des Dorfes zu viel wird und sie die Männer vor vollendete Tatsachen stellen: Kein Sex mehr, bis wieder Wasser ins Dorf fließt! Die Männer geben ihr bestes, das Patriarchat zu retten, haben dabei aber nicht mit der geballten Kampfkraft der Frauen gerechnet...
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      • | FILMKRITIK

      • Kaum zu glauben aber tatsächlich wahr: Das Drehbuch für diesen Film entstand nach einer wahren Geschichte, die sich 2001 in dem kleinen türkischen Dorf Sirt zugetragen hat. Regisseur Veit Helmer ließ sich von der Geschichte inspirieren (wobei auch die "Lysistrata" des Aristophanes eine Rolle gespielt haben mag) und suchte sich sein eigenes kleines Dorf, um sie dort zu erzählen. Er fand es in Aserbaidschan, hoch in den Bergen des Kaukasus.

        Crew und Cast stammen aus 16 Ländern, da stellt man sich ein multinationales Babel vor. Die Filmfiguren sind allerdings weitgehend stumm. Und so ist die Tatsache, dass die Schauspieler aus den verschiedensten Ländern stammen für den Dreh nicht hinderlich, sondern im Gegenteil geradezu befreiend. Immerhin kann sich der Regisseur auf diese Weise aus einem weitaus größeren Pool interessanter und markanter Gesichter und Typen bedienen, was man aufgrund der Ansammlung skurriler Gestalten auch in "Absurdistan" sehen kann.

        Der Film beginnt mit einer Voice-Over-Stimme, die auch im Verlauf der Handlung immer wieder kommentierend eingreift, hin und wieder auch unnötigerweise. Erzählt wird zunächst die Geschichte des Dorfes und wie es entstand. Bereits hier ist die Rede vom sehr einzigartigen Gemüt der Dorfbewohner, das sich vor allem in gemütlich-faulen Männern und kreativen fleißigen Frauen niederschlägt.

        Da sich die Männer im für sie äußerst bequemen Patriarchat sehr fein eingerichtet haben, trifft es sie besonders hart, als die Frauen eines Tages nicht mehr mitspielen. Das sorgt selbstverständlich für jede Menge komische Situationen, bei denen vor allem Temelkos Erfindergeist für Aufruhr sorgt. Romantisch wird es dabei auch und zwar wenn es um die sehnsüchtige Liebe der beiden Helden geht.

        Der Film erinnert deutlich an die Werke Emir Kusturicas. Das liegt wohl zum einen an der Mitarbeit Gordan Mihics am Drehbuch des Films. (Mihic war u.a. auch bei Kusturicas "Schwarze Katze, weißer Kater" am Drehbuch beteiligt.) Darüber hinaus sind es aber auch die skurrilen Situationen und Personen und die den Film begleitende Musik, die "Absurdistan" an Kusturica heranrücken.

        Im Gegensatz zu "Tuvalu" ist die Kameraästhetik hier wesentlich weniger individuell und Veit Helmer weitaus stärker dem klassischen Erzählkino verpflichtet. Zwar hebt sich "Absurdistan" immer noch deutlich von gewöhnlichen Komödien ab, wirkt aber im Ganzen betrachtet etwas inkonsequent in der Durchführung. Nichtsdestotrotz ist es ein unterhaltsamer Film über einen ungewöhnlichen – und ungewöhnlich effektiven – Aufstand der Frauen.
      • | FAZIT

      • Ein unterhaltsamer Film, der sich deutlich von gewöhnlichen Komödien abhebt und dennoch ein wenig schwächelnd daherkommt.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Anke Hermann

      • | Userwertung

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