Das Leben im kleinen Städtchen Passaic ist ziemlich öde. Der Videotheksangestellte Mike ist sich sogar sicher, dass nur diejenigen in Passaic bleiben, die es aus purer Hoffnungslosigkeit nicht schaffen, woanders hinzuziehen. Mikes Arbeitgeber Mr. Fletcher sieht das allerdings ganz anders. Er liebt sein Viertel und vor allem seine kleine alte Videothek. Doch leider sinkt das Interesse an VHS-Kassetten in Zeiten der DVD stetig und damit gleichzeitig Mr. Fletchers Einkommen.
Die Stadt möchte sein baufälliges Haus schon lange abreißen, um es in Sozialwohnungen umzuwandeln. Doch Mr. Fletcher gibt sich nicht so leicht geschlagen und macht sich auf Beobachtungstour durch die DVD-Läden der Stadt, um herauszufinden, wie er sein Geschäft modernisieren könnte. Währenddessen soll Mike den Laden schmeißen.
Mike will Mr. Fletcher um nichts in der Welt enttäuschen, hat dabei aber nicht mit den hirnrissigen Ideen seines Freundes Jerry gerechnet. Der ist davon überzeugt, von Mikrowellen aus dem benachbarten Kraftwerk verseucht zu werden und plant einen Sabotageakt. Der läuft natürlich gründlich schief und endet damit, dass Jerry von Kopf bis Fuß magnetisiert wird. Als er in diesem Zustand in die Videothek tritt, löscht er damit den gesamten Bestand an VHS-Bändern.
Für Mike ist das die reine Katastrophe. Noch schlimmer wird die Lage als Mrs. Falewicz – eine Freundin Mr. Fletchers – unbedingt den Film "Ghostbusters" sehen will. Aus lauter Verzweiflung beschließen Mike und Jerry, den Film aus dem Gedächtnis nachzudrehen. Als Mrs. Falewicz' Neffen den Film in die Hände bekommen, sieht es zunächst nach Ärger aus.
Doch erstaunlicherweise sind die furchteinflößenden Jungs begeistert von der neuen Ghostbusters-Version und fordern ein weiteres Remake. Mike und Jerry können es kaum fassen, stürzen sich aber mit Begeisterung in weitere Dreharbeiten. Und es passiert was niemand für möglich gehalten hätte: Die Kunden stehen Schlange und Mr. Fletchers Videothek wird über Nacht zu einem Ort trashiger Kreativität.
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| FILMKRITIK
Bei Michel Gondry kann alles passieren. Wirklich alles! Diese Regel muss man im Hinterkopf haben, wenn man einen Film von ihm sieht. Ein magnetisierter Jack Black? Ein Remake von "2001" für 5 Dollar? Alles machbar, nichts ist unmöglich. Wichtig ist nur, sich auf den eigenen Ideenreichtum zu verlassen und sein eigenes Ding zu drehen – im wahrsten Sinne des Wortes.
Nach der traumverlorenen Liebesgeschichte "Science of Sleep" widmet sich Michel Gondry in "Abgedreht" einer Hommage an das gute alte Videotape, das es so eigentlich kaum noch gibt. Jenseits millionenschwerer Produktionen entdecken seine Helden die Liebe zum Filmdreh neu und beweisen dabei, dass man mit Einfallsreichtum viel weiter kommen kann als mit Geld.
Wer braucht schon realitätsnahe Stunts und teure CGI-Effekte? Für einen fantasiebegabten Zuschauer kann auch eine glitzernde Girlande an einer Angel ein Ionenstrahl sein und genau genommen genügt auch ein Kinderzimmerteppich, um eine schwindelerregende Actionszene zu drehen. Mit gleichermaßen simplen wie genialen Tricktechniken kennt sich Gondry aus, das weiß man spätestens seit "Science of Sleep".
Und so sind auch die Szenen, in denen Jerry und Mike ihre Filme drehen die unterhaltsamsten des Films. Dabei wird man das Gefühl nicht los, dass Jack Black und Mos Def einen Heidenspaß haben, wenn es darum geht, mit Hilfe von Baustellenschrott und Küchenutensilien in die Rollen von "Robocop" bis "König der Löwen" zu schlüpfen.
Im Hintergrund wird dabei die Geschichte eines optimistischen Kleinunternehmers erzählt, der vergeblich versucht, gegen neue Entwicklungen anzusteuern. Massenkompatibles Filmgut hat auch die Bewohner Passaics fest im Griff. In der Videothek stehen in erster Linie Klassiker des Mainstream, die den enormen Vorteil haben, dass man sie so gut kennt, dass sie sich leicht aus dem Gedächtnis heraus in wenigen Minuten nachdrehen lassen.
Gondry lässt seine Figuren aber eine erfreuliche Entwicklung durchmachen. Nachdem sie zunächst eifrig die Vorlagen anderer Regisseure imitiert haben, werden sie plötzlich gezwungen, eigene Ideen zu entwickeln. Und siehe da, es funktioniert! Denn nicht im Remake liegt die Kraft, sondern im Erschaffen von Neuem. Und damit in der Entdeckung der ureigenen Kreativität.
| FAZIT
Eine Hommage auf die gute alte VHS-Kassette und ein rebellisches Aufbegehren gegen den Perfektionswahn millionenschwerer Hollywood-Produktionen.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung