David Kepesh ist Professor und Frauenheld. Ständig wechselt er seine Liebschaften, rekrutiert aus den Kreisen seiner hübschen Studentinnen; zudem unterhält er eine langjährige Fickbeziehung mit Carolyn. Doch Kepesh spürt, dass er älter wird. Dann verliebt er sich auch noch aus tiefstem Herzen in die junge, schöne Consuela. Paradiesische Zeiten – wäre da nicht seine Furcht vor dem Ende der Liebe, immerhin besteht ein Altersunterschied von 30 Jahren. Er zieht sich zurück, fügt ihr und sich selbst den Schmerz der Trennung zu, leidet still vor sich hin. Bis sie sich Jahre später wieder bei ihm meldet...
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| FILMKRITIK
Der ganze Film spiegelt sich in den Auge von Ben Kingsley, der so klein und so wirkungsvoll spielt. Mal keck, mal charmant, verführerisch, wissend, gewitzt, selbstironisch, gelehrt, arrogant, eitel, alt, jung, resigniert, voll Selbstmitleid, voll Liebe, voll Trauer: das ist David Kepesh, Mittelpunkt und wortgewandter Erzähler des Films, ein alternder Professor, der mit Vorliebe mit jungen Dingern rummacht. Ein Macho, ein Genussmensch, ein selbstverliebter Geck – den eine Frau inszeniert. Isabel Coixet hat sich bisher eher mit Krankheit und physischen Leiden befasst, in „Mein Leben ohne mich“ oder „Das geheime Leben der Worte“ – nun geht es um das moralische Leiden eines Mannes, der sich im Alter verschwinden sieht und der Angst hat, dass sein zweiter Frühling mit der schönen Consuela (Penelope Cruz) verblüht.
Die Figuren des Films bilden dabei Standpunkte, ethische Auffassungen in Fragen von Beziehung, Liebe, Ehe, bilden ein moralisches Panorama in Fragen von Verantwortung und Nähe, Freiheit und Unabhängigkeit. George O'Hearn (Dennis Hopper), Kepeshs Freund, Pulitzerpreisträger und notorischer Schürzenjäger, lebt frei seine Lust – und ist verheiratet. Kepesh, der seinen Trieben den Deckmantel der Intellektualität, der Kultur, der Kunst überwirft, ist Schöngeist, Zyniker, Hedonist; weil vor seinem Büro an der Uni ein Schild mit der Hotline für sexuelle Belästigung aushängt, fängt er mit Studentinnen nichts an, erst wenn sie ihren Abschluss haben – immerhin war er so konsequent, sich scheiden zu lassen.
In Consuela, der jungen Studentin, verliebt er sich heftig wie nie – sie ist rein, katholisch, begierig zu lernen und zu reifen. Während Kepeshs langjährige Immermalwiedersexbeziehung, die ältere Carolyn, selbst eifersüchtig ist auf die Jugend, besitzergreifend, was Kepesh angeht – obwohl sie nie mehr verbunden hat als entspannende Ficks. Und Kepeshs Sohn (Peter Sarsgaard), der erfolgreiche Arzt, mit dem sich Kepesh seit seiner Scheidung nicht versöhnen kann, ist nur scheinbar glücklich verheiratet, sein monogames Weltbild zerbricht, als er sich anderweitig verliebt…
Aus all diesem formt Coixet kein Traktat. Still, einfühlsam inszeniert sie ein Drama, das von der Selbstverliebtheit Kepeshs zu seiner Ergebenheit führt, über die Stationen des Glücks, der Angst, der Selbstverletzung – ein wunderbarer Schauspielerfilm, ein Film der intimen Orte und der tiefliegenden Gefühle. Ein Film, der die Verschränkung des Lebens als Kunstwerk mit der Kunst zu leben beschreibt, ein Film schließlich des Todes – doch auch hier gerät der Film nicht auf die billige Soapopera-Schiene, sondern schließt Consuela und Kepesh noch einmal, am Ende, kurz, lässt auch Consuelas Blickwinkel, ihre Ängste erkennen. Wo sich Kepesh um den Verlust seiner nicht nur körperlichen, auch geistigen Jugend sorgt, da befürchtet Consuela den Verlust ihrer Schönheit. Die Triebe, der Wunsch zu ficken, transzendieren zum Bedürfnis nach Nähe, nach Verständnis. Auch wenn es dafür dann zu spät ist.
| FAZIT
Ein emotionaler, tiefsinniger Beziehungsfilm nach Philipp Roths „The Dying Animal“, einfühlsam inszeniert und mit meisterhaften Darstellerleistungen.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung