Auf der Fahrt zu einer Familienfeier verunglückt Lisa Taylor (Julia Roberts) tödlich – so wird die Familienzusammenkunft unversehens zur Trauerfeier. In der alte Wunden aufbrechen, vor allem der Konflikt zwischen Sohn Michael (Ryan Reynolds) und Vater Charles (Willem Dafoe). In seiner Kindheit litt Michael sehr unter dem cholerischen, herrischen Vater, fand nur in seiner um wenige Jahre älteren Tante Jane einen Verbündeten (die freilich nur einen Sommer lang zu Besuch war). Nun kann Michael nicht verzeihen, hat einen unversöhnlichen autobiographischen Roman geschrieben, der kurz vor der Veröffentlichung steht. Doch im Haus von Tante Jane, in der Gemeinschaft der ganzen Familie, eröffnen sich ganz neue Sichtweisen auf die Familie.
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| FILMKRITIK
Die deutsche Senator-Film hat sich nach Amerika gewagt, um einen Independentfilm zu produzieren, einen Film, der typischerweise die üblichen Themen von Familienkonflikt, Bewältigung der eigenen Vergangenheit, von Generationenkampf und der Notwendigkeit von persönlicher Reife ausspielt. Dies freilich auf in Details durchaus einfallsreiche, über weite Strecken kurzweilige Art – und mit Stars, die ihre Präsenz, ihr Können vollendet einbringen.
Julia Roberts zum Beispiel, die die Mutter spielt – und gleich zu Anfang umkommt. Die aber nicht nur in Rückblenden gegenwärtig ist, in der zweiten, vergangenen Zeitebene des Films, sondern auch in den Herzen und Köpfen der Filmfiguren, die sich trauernd versammeln. Oder Willem Dafoe, der seine ganze Fiesheit in die Rolle des despotischen Vaters legt, der unbedingten Gehorsam einfordert, der drei engbeschriebene Seiten mit Regeln des familiären Zusammenlebens festgelegt hat und gebieterisch auf ihre unbedingte Einhaltung dringt – und der selbst mit dem eigenen Charakter hadert, der aber nicht aus seiner Haut kann.
Das ist der Hauptkonflikt: Vater Charlie und Sohn Michael, der in der Kindheit so oft verletzt wurde vom sadistisch-autoritären Vater; und durch den Unfall der Mutter bei der Anreise zu einer Familienfeier werden auch die Streitpunkte wie die alten Bündnisse mit den anderen der Familie, mit Michaels Schwester, mit der um weniges älteren Tante neu hervorgerufen. Mit all diesen Beziehungsfragen geht der Film klug um, übertreibt kaum, überzeichnet wenig, erklärt auch nicht zuviel. Vielleicht hängt das daran, dass er auf Autobiographischem des Autor/Regisseurs Dennis Lee beruht, der klugerweise dieses Motiv in den Film selbst mit aufgenommen hat, indem er Michael als Schriftsteller kurz vor der Veröffentlichung eines kaum fiktionalisierten Schlüsselromans über seine Kindheit stehen lässt (was wiederum erneut für Konfliktstoff sorgt…)
Freilich: ein paar holpernde Schlaglöcher gibt es; und speziell am Ende, in den letzten 15, 20 Minuten löst sich alles überraschend schnell in relatives Wohlgefallen auf – die Geschichte der Kindheit wird gar überhaupt nicht mehr weitererzählt, versandet irgendwo in einer allgemeinen Versöhnungsseligkeit. Der Verdacht bleibt, dass der Film, der bei der Berlinale mit 120 Minuten angekündigt war und dann nur 100 Minuten lief, in letzter Minute um 20 Minuten gekürzt wurde – vielleicht wurde auch bei der Projektion ein Akt vergessen abzuspielen? Abgesehen von dem konventionellen, viel zu schnell und aus heiterem Himmel einsetzenden Happy End, auch von dem wenig originellen Milieu und Thema des Films der zerrütteten Familie ist doch das Spiel mit den Figuren, mit ihren Wurzeln in der Kindheit, die in der Gegenwart Triebe zeigen, auch mit symbolisch aufgeladenen Gegenständen – Michaels Brille, der Baseballschläger, die Tischdecke, die die Mutter selbst genäht hat, die titelgebenden Glühwürmchen und die Spülhandschuhe – zumindest in den ersten drei Vierteln des Films elegant ausgeführt, mit Sensibilität und überraschendem, oft humorvollen Einfühlungsvermögen in alle Figuren. Kaum zu glauben, dass Dennis Lee hier nicht – wie er ausdrücklich betont –ein Vater-Trauma verarbeitet.
| FAZIT
Ein Film über eine zerrüttete Familie und einen Vater-Sohn-Konflikt, die beim Tod der Mutter vor neue Herausforderungen gestellt werden. Einige Holprigkeiten und ein zu schnell einsetzendes Happy End werden von der liebevollen Inszenierung aufgewogen.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung