FBI-Agentin Jennifer Marsh arbeitet in Portland in der Abteilung für Kriminalität im Internet. Ein Hinweis macht sie auf eine neue Webseite aufmerksam. Auf killwithme.com wird eine Katze zu Tode gefoltert. Jennifer Marsh ist alarmiert, denn die Seite lässt sich nicht vom Netz nehmen – nach jedem Versuch erscheint sie bei Eingabe der Adresse wieder, mit einer neuen IP. Dann wird mitten in der Stadt ein Mann entführt und kurz darauf auf der Seite live gefilmt: gefesselt und blutend. Aus einem Infusionstropf bekommt er ein Mittel, das die Blutgerinnung verhindert. Je mehr Menschen die Seite anklicken, desto höher wird die freigesetzte Dosis. Die unten auf der Seite gezählten Klicks schnellen in die Höhe, der Mann verblutet vor laufender Kamera. Sein nächstes Opfer lässt der unbekannte Täter auf seiner Seite langsam in Zement versinken...
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| FILMKRITIK
„Untraceable“ ist ein spannender, intelligent gemachter Thriller, der sich auf das schwierige Gebiet der Cyberkriminalität wagt. Regisseur Gregory Hoblit und seine Darsteller ließen sich von echten Polizeifahndern, die auf das Internet spezialisiert sind, beraten. Mit Begriffen wie Quellsignal und ähnlichem malen die Ermittler im Film ein wahres Horrorszenario aus, welches die unheimlichen Möglichkeiten des Internets aufgreift. Was, wenn jemand eine Art Snuffvideo live für jedermann zugänglich macht – und die Polizei zum Zuschauen verdammt ist?
Das Perfide an der Seite killwithme.com ist, dass sie verschiedene technische Möglichkeiten der Cyberwelt miteinander kombiniert. Livestream-Bilder vom gefolterten Opfer dokumentieren, wie die gezählten Seitenklicks die Tötungsmaschinerie beschleunigen. Der Täter ist nirgends in Sicht, er hat die Mechanik des Infusionstropfs oder der Zementzufuhr mit der Besucherzahl über ein Programm verknüpft. Obwohl die Polizei die Adresse zunächst geheim halten will, dann darum bittet, dass niemand sie anklickt, spricht sich das Mordszenario wie ein Lauffeuer herum und die Besucherzahl wächst bei jeder neuen Folter noch rasanter.
Um die Geschichte nicht ins Anonyme abgleiten zu lassen, wird die Handlung immer wieder mit dem Alltag in Portland geerdet. Die Opfer werden in der Stadt gekidnappt und nach dem Verbrechen im Internet wieder auf der Straße abgeladen: als verunstaltete Leiche in irgendeinem Kofferraum. FBI-Agentin Jennifer Marsh ist alleinerziehende Mutter einer kleinen Tochter, für die sie eine Geburtstagsparty organisiert und die sie nach der Nachtschicht zur Schule begleitet. Zur Familie gehört auch Jennifers Mutter, die sich um die Enkelin kümmert, wenn die Agentin ins Büro muss, und die den kleinen Garten vor dem Haus pflegt.
Portland in Oregon kontrastiert das Internet-Geschehen als zweiter Schauplatz der Handlung sehr wirkungsvoll. Die Berge im Hintergrund, die Spuren des Winters, der Regen, die Skyline mit ihren Brücken sind Bilder aus einer Stadt, deren Größe zwar genügend Verstecke bietet, der aber die Traumkulisse einer glitzernden Metropole fehlt. Diane Lane als Jennifer Marsh ist angenehm frei von Extremen, eine Frau mit Doppelbelastung, die Kompetenz mit Gefühlen wie Unsicherheit und Angst unter einen Hut bringt. Der Täter dringt schließlich über ein Computerspiel der Tochter in ihre Privatsphäre ein.
Der Beweis, den der Täter erbringen will, scheint zu gelingen: Unter dem Schutzmantel der Anonymität sind unzählige Schaulustige neugierig darauf, Menschen brutal sterben zu sehen. Userkommentare in Foren zu den Bildern auf der Seite spiegeln mehr als einmal pure Menschenverachtung. Auch das Motiv des Täters liegt in einer Verletzung der Menschenwürde im Internet. So erscheint die Geschichte mit all dem fiktiven Crime-Szenario doch auch sehr nahe an der Realität und stimmt nachdenklich.
| FAZIT
Raffinierter Thriller über live im Internet gefilmte Morde, der zum Nachdenken über die Gefahren der Web-Öffentlichkeit anregt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung