Sonntag | 27. Mai 2012 | 10:47 Uhr
Sie befinden sich hier: KINO | Startseite > Reviewübersicht > Reviewdetails
  • FILM REVIEW | Sleepy Hollow
  • Sleepy Hollow

    Horror | USA 1999
  • | INHALTSANGABE

  • Im Jahr 1799 war die Menschheit gegenüber den modernen Wissenschaften noch nicht sonderlich aufgeschlossen. Die Leute glaubten noch an die Bibel, an Gott und an den Teufel. An Mythen und Märchen, an Geister und Dämonen. An der Schwelle zum Jahrhundertwechsel schieden sich vor allem in den großen Städten die Geister zwischen Wissenschaft und Tradition. Auf dem Land hingegen gab es das Fortschrittsdenken so gut wie gar nicht, die Menschen hier waren sehr leicht zu beeinflussen.

    So auch in dem kleinen Ort "Sleepy Hollow", der in der Nähe New Yorks in den Wäldern liegt. Ein unheimlicher Mörder geht hier um. Ein Reiter auf einem schwarzen Pferd, der seinen Opfern mit einer unglaublichen Perfektion die Köpfe abschlägt. Als Ichabod Crane (Johnny Depp) die Geschichte vom untoten hessischen Söldner (Christopher Walken) hört, der während des Bürgerkriegs wahre Schlachtfeste anrichtete und schließlich von den Nordstaatlern umgebracht und in den Wäldern verscharrt wurde, glaubt er davon natürlich kein Wort. Auch dann nicht, wenn ihm solch bedeutende Menschen wie der ehrwürdige Reverend Steenwyck (Jeffrey Jones), der alternde Notar Hardenbrook (Michael Gough), der ängstliche Bürgermeister Philipse (Richard Griffith) und der unscheinbare Adelige Baltus Van Tassel (Michael Gambon), der dank seines Reichtums das Dorf regiert, die Geschichte glaubhaft versichern.

    Ichabod Crane ist ein Mensch der Wissenschaft. Der Polizist aus New York hatte sich bei seinen Vorgesetzten unbeliebt gemacht, weil er glaubte, dass die Autopsie eines Mordopfers und die Untersuchung eines Tatorts vielleicht doch recht wichtig sein könnten. Seine Methoden wurden jedoch belächelt und als die Bewohner von Sleepy Hollow nach Hilfe riefen sah der Bürgermeister von New York (Christopher Lee) die perfekte Chance gekommen, Ichabod endlich los zu werden.

    Nun, Constable Crane ist in Sleepy Hollow angekommen. Er glaubt nicht an den Geisterreiter, er denkt, dass ein Wahnsinniger hinter den Morden steht, auf jeden Fall muss es eine rationale Erklärung für die Vorfälle geben. Dies denkt Ichabod jedenfalls so lange, bis er dem Geisterreiter wirklich gegenüber steht. Zu diesem Zeitpunkt sind schon weitere Köpfe gerollt.

    Angsterfüllt hockt Crane in seinem Bett und weiß nicht, ob er flüchten soll. Seine gesamte Gedankenwelt, sein Glaube, oder besser gesagt sein Nichtglaube wird durch dieses Ereignis auf eine harte Probe gestellt. Doch Ichabod Crane flieht nicht, denn er hat sich in Van Tassels schöne Tochter Katrina (Christina Ricci) verliebt. Die erwiedert zwar seine Gefühle, ist jedoch mit dem Schnösel Brom Van Brunt (Casper Van Dien) verlobt.

    Ichabod wittert, dass hinter den Morden ein System steckt. Irgendwer benutzt den ruhelosen Geist des hessischen Söldners für seine Zwecke. Und so gerät Crane auf die Spur des Familienskandals der Van Tassels. Doch wer versucht hier Rache zu üben und sich das Vermögen der Familien Van Tassel und ihrer nahen Verwandten, den Van Garrets, unter den Nagel zu reißen? Ist es Baltus Van Tassel selber, seine warmherzige zweite Ehefrau (Miriam Richardson) oder gar Katrina? Alle, die Ichabod bei der Lösung des Rätsels behilflich sein könnten sterben auf grausame Weise - kopflos. Ichabod muss sich beeilen, denn er hat das ungute Gefühl, dass seine geliebte Katrina die nächste sein könnte...
    WERBUNG
      • | FILMKRITIK

      • Regiezauberer Tim Burton hatte es in den letzten Jahren nicht einfach. Filme wie "Ed Wood" oder "Mars Attacks" waren künstlerisch zwar Erfolge, finanziell gesehen jedoch eher Flops. Das ehemalige Wunderkind war mittlerweile zum Kassengift avanciert, seine groß geplante Neuverfilmung von "Superman" mit Nicolas Cage wurde kurz vor Drehbeginn vom Studio gekippt, für Burton ein Tiefschlag.

        Warner Brothers hatte Angst gehabt, dass Burton, nachdem er bereits den "Batman"-Mythos der Nachkriegszeit in seinen beiden kultigen Fantasy-Abenteuern wieder zu dem gemacht hatte, was er ursprünglich gewesen war - nämlich verdammt unkommerziell - einen weiteren Superhelden durch seine Interpretation zerstören würde. Auf der Suche nach einem neuen Stoff geriet Burton an den "Hellraiser IV"-Regisseur Kevin Yagher, der gerade dabei war, eine Neuverfilmung der klassischen Geschichte um "Sleepy Hollow" von Washington Irving vorzubereiten.

        Burton, vom Stoff an sich schon angetan, schien perfekt um Yaghers Ideen zu verwirklichen. Dieser wollte eine düstere Interpretation der Story um den kopflosen Reiter, mehr Horrorfilm als Fabel. So orientiert sich der fertige Film auch weniger an der Orginalgeschichte. Er ist viel eher eine Hommage an den Roman um den habgierigen Schulmeister Crane, der im verschlafenen Städtchen Sleepy Hollow hinter der Dorfschönheit her ist, aber in Wirklichkeit nur an ihr Vermögen ran will. In Irvings Roman wurde Crane von dem Jüngling Brom, der wirklich in die schöne Katrina verliebt war, vertrieben. Brom nutzte dort Cranes Angst vor der Legende des kopflosen Reiter aus, um ihn aus Sleepy Hollow zu vertreiben.

        "Die Legende der schläfrigen Schlucht", wie der Roman im deutschen heißt, wurde unzählige Male verfilmt. Bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert war er eine große Herausforderung für die damaligen Stummfilmregisseure. Die bekanntesten Verfilmungen sind wohl der dreißigminütige Disney-Zeichentrickfilm von 1958, sowie die TV-Fassung mit Jeff Goldblum als Crane von 1980.

        In Burtons Fassung ist Ichabod Crane nun der Gute. Doch das ist eher nebensächlich, denn Burtons Hauptaugenmerk liegt auf seinen Charakteren - und natürlich auf seiner unnachahmlichen Optik. So wirkt sein kleines "Sleepy Hollow" und die umliegende Gegend wie einem Alptraum entsprungen: unwirklich, düster, bizzar, trostlos, böse. Obwohl alle Figuren des Romans noch vorhanden sind, so hat hier jeder eine neuartige Funktion.

        Wenn Crane vor Angst sein Bett nicht mehr verlassen will, wenn Brom versucht, ihn als verkleideter kopfloser Reiter zu erschrecken, wenn Katrina mit verbunden Augen Spiele spielt, dann sind die Charaktere diejenigen Irvings. Jedoch wird hier der durchtriebene Crane zu einem eher traurigen Helden und der gutherzige Brom zum tumben Schönling für den nur der Tod übrig bleibt. Burtons Fassung von Irvings "Sleepy Hollow" wird zum Horrorthriller, zu einem Spiel mit Mythen und Märchen, mit Aberglaube wie mit Dorfklischees.

        Der aufgeklärte Stadtmensch Crane gerät an die Hinterwäldler - und muss erkennen, dass es doch das von ihm ignorierte Böse gibt. Tim Burton ist Fan des Übernatürlichen. Wenn man sein Gesamtwerk betrachtet kann man davon ausgehen, dass er selber an das Übernatürliche glaubt und von diesem fasziniert ist.

        Sleepy Hollow" ist vielleicht Burtons reifste Arbeit. Zwar noch verspielt, richtet sich der Film eher an ein erwachsenes Publikum, was er jedoch hauptsächlich seinen saftigen Splatter-Sequencen verdankt. Bereits in "Mars Attacks" überraschte Burton mit blutigen Effekten in den haarsträubensten Situationen. In "Sleepy Hollow" werden die abgeschlagenen Köpfe in Großaufnahme jedoch schnell Alltag und gehören bald zum Film wie der kopflose Reiter selbst.

        Unterstützt wird der fantasievolle Horrorfilm, der gerade klar macht, dass das Horrorgenre eigentlich direkt den Grimmschen Märchen entsprungen ist, durch seine grandiosen Darsteller. Johnny Depp, der nach "Edward mit den Scherenhänden" und "Ed Wood" langsam zu Burtons Hausdarsteller wird, wie auch die bezaubernde Christina Ricci können ihre Rollen glaubhaft mit Leben füllen. Depp ist die ideale Besetzung für Ichabod Crane, jedenfalls so lange man von Burtons Figureninterpretation ausgeht. Christina Ricci wirkt wie die lebendige Unschuld, die ihre Figur ja auch darstellen soll.

        Das zwischen den beiden Stars ein Altersunterschied von mehr als 15 Jahren liegt, merkt man nicht. Depp wirkt jugendlich wie eh und jeh, Ricci konnte bereits in "Opposite of Sex" beweisen, dass sie endlich erwachsen geworden ist. Der Funke springt über. Ebenfalls brilliant ist Christopher Walken, obwohl er kaum zu sehen ist. Jedoch wirkt er als hessischer Söldner bedrohlicher als jedes Filmmonster..
      • | FAZIT

      • Ein interessantes Spiel mit Genremustern, Trickeffekten, Ausstattung und Optik, dass man sich ruhig mehrfach anschauen kann
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Sebastian Schmidt

      • | Userwertung

      Wertung: 7.2/10 (10 votes)

      • | Cinefacts bei Facebook
      Facebook Logo
        • | WEITERE INFOS
            •   AKTIONEN