Obwohl Ben seit seiner frühsten Kindheit anders war als andere Kinder, besteht sein Vater darauf, ihn auf eine öffentliche Schule zu schicken. Schon früh wurde Ben von Ärzten untersucht, doch die Diagnosen weichen immer wieder voneinander ab. Erst in seinen frühen Teenagerjahren stellt ein Mediziner letztendlich fest, dass Ben unter dem Asperger Syndrom leidet, einer autistischen Erkrankung.
Nachdem die Ehe der Eltern unter dem wachsenden Druck zerbrach, lebt Ben mit seinem kleinen Bruder bei seiner Mutter. Er wäre seinem jungen Geschwisterkind sehr gerne ein Vorbild, doch zu Kommunikation ist Ben kaum fähig. Seine Mutter versucht Routine und Geborgenheit in sein Leben zu bringen, doch in der Schule kann sie ihn nicht beschützen.
Denn Ben erregt die Schadenfreude der Mitschüler. Unfähig sich gegen die ständigen Demütigungen zu wehren, blüht Ben erst nachmittags auf, wenn er sein Lieblings-Online-Spiel Archlord spielen darf. Dort ist er ein Held, kaum jemand hat so viele Punkte gesammelt wie er. Seine Spielgefährtin Scarlite bewundert ihn zutiefst.
Doch nachdem ihn seine Mitschüler auf einem Tisch zur Schau stellen, in dem sie ihm seine Hose herunterziehen und die Handybilder und –videos auch noch ins Internet stellen, eskaliert die Situation. Ben will sich zu seinem Endspiel verabschieden, er weiß sich nicht mehr zu helfen und so schickt er Scarlite einen letzten Gruß. Doch diese reagiert anders, als erwartet, sie beschließt nämlich kurzerhand ihren Onlinefreund zu besuchen.
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| FILMKRITIK
Der Film Ben X ist die filmische Weiterführung des Jugendbuches „Niets was alles wat hij zei“ („Nichts war alles, was er sagte“) und des Bühnenstücks „Niets“ („Nichts“). Schon das Buch vermochte zu überzeugen und landete auf den Bestsellerlisten, und das Theaterstück war bei fast 250 Vorstellungen immer ausverkauft. Ganz offensichtlich trifft Autor und Regisseur Nic Balthazar hier mit seinem Stoff auf den Zeitgeist, und der Erfolg wird vermutlich auch dem Film zuteil werden.
Zwar überzeugt Ben X nicht auf ganzer Linie, denn die filmische Umsetzung stolpert manchmal über kleinere Klischeefallen, dennoch handelt es sich um ein sehr beeindruckendes Werk. Hauptdarsteller Greg Timmermans und Nebendarstellerin Laura Verlinden sind ein charismatisches Duo, und Marijke Pinoy, die Bens Mutter spielt, verleiht dem Film oft das nötige Quäntchen Authentizität.
Leider irritieren die unnötigen Interviewparts, die den Film von Beginn an durchziehen und lenken oft von der Handlung ab. Ben erzählt seine Geschichte im Voice Over, dieser ist subtil und intelligent geschrieben und verhilft tatsächlich zu einem klareren Verständnis. Durch die Interviews wird jedoch klar, dass die eigentliche Handlung des Filmes in der Vergangenheit liegt, die Gesprächspartner reden von den Ereignissen im Rückblick. Dies soll wohl suggerieren, dass es ein unglückliches Ende geben wird, das wäre aber nicht nötig gewesen. Im Grunde genommen, wird der Zuschauer hier unnötig an der Nase herumgeführt. Das hinterlässt im Nachhinein einen schalen Geschmack.
Dennoch, das brutale Mobbing der Mitschüler, die sehr authentische Geschichte und die involvierten Videosequenzen, machen den Film zu einem Abbild unserer Zeit. Hier überzeugt der Film auf ganzer Linie, denn er spricht aktuelle Probleme gezielt und ungeschönigt an.
Abgesehen vom Voice Over nutzt Balthazar ein ausgefeiltes Sounddesign, um in den Kopf des Charakters zu kommen. Doch leider sind diese Effekte schon zu oft benutzt worden, um noch vom Hocker zu hauen. Anders als der überzeugende Einsatz der Videospielsequenzen. Hier bekommt man tatsächlich den Eindruck mehr über Ben zu lernen.
Trotz der kleinen Ungereimtheiten ist Ben X eine Arthouse Perle, der Erfolg in der flämischen Heimat, gibt dem Recht.
| FAZIT
Oft erschütternd real, und trotz kleiner technischer Mankos ein nachdenkliches sozialkritisches Werk.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung