1981, während des Unabhängigkeitskrieges Eritreas gegen Äthiopien: Die achtjährige Awet wächst in einer Klosterschule auf, bis sie von der ihr bisher unbekannten Schwester in ein Dorf zu ihrer Familie abgeholt wird. Von dort schleust sie der Vater, ein prahlerischer Freiheitskämpfer, in ein Camp der Rebellen weiter, wo sie zu einer „Tochter Eritreas“ erzogen werden soll. Das bedeutet auch: Dienst an der Waffe. Weil sie ihre Lehrerin/Ausbilderin Ma’aza bewundert, übernimmt Awet schnell deren Fanatismus – und muss dann erleben, wie sich ihre Rebellengruppe im Kampf mit einer anderen Rebellengruppe – also nicht im Kampf um Eritreas Unabhängigkeit – aufreibt. Ständig auf der Flucht erlebt sie Angriffe, Verletzungen und Tod. Und merkt, dass Ma’aza nicht immer richtig liegt mit ihren kriegerischen Ansichten...
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| FILMKRITIK
Schon vor seiner Berlinale-Premiere gab es Querelen um diesen Film: Der zugrundeliegende Bestseller von Senait G. Mehari wurde als tatsächlich geschehene Autobiographie verkauft, sein Wahrheitsgehalt darf aber zurecht bezweifelt werden – ob die heutige Popsängerin wirklich, wie sie in ihrem Buch behauptet, Kindersoldatin war, ist (auch gerichtlich) nicht so recht geklärt.
Zudem wird ohnehin bestritten, dass im langjährigen Unabhängigkeitskampf Eritreas gegen Äthiopien wirklich Kindersoldaten eingesetzt wurden; was freilich auch von der Definition abhängt: Kämpfende bzw. in Kriegshandlungen eingebundene Jugendliche unter 18 Jahren gab es sicherlich. Zwangsrekrutierte und gehirngewaschene kleine Teufel wie in anderen afrikanischen Kriegen (im Kino zuletzt in „Blood Diamonds“ beschrieben) dagegen wohl eher nicht. Eine Menge Kontroverse also…
Der Film selber und für sich betrachtet ist freilich kaum aufregend. Er ist, wie es heißt, von Meharis Geschichte inspiriert und hat davon ausgehend frei fiktionalisiert (was ihn freilich nicht daran hindert, den Titel des Bestsellers zu übernehmen), und erzählt nun eine vorhersagbare Geschichte, die vor einfachen, banalen Bildern und Symbolen nicht zurückschreckt. Der Krieg wird ganz aus der Sicht der vielleicht achtjährigen Awet erzählt, und weil sie nicht viel begreift, sind auch die Bilder nicht allzu grausam – außer ein paar Leichenfunden, die eindrücklich auf Awet wirken.
Anstatt direktes Grauen zu beschrieben, wählt der Film die emotionale Schiene und das Erzählen über Awets Reaktionen. Dass diese Strategie nicht recht aufgeht, liegt weniger an den Darstellern – der Regisseur hat unter eritreischen Flüchtlingen Laiendarsteller gesucht und bringt über sie eine ordentliche Portion Authentizität in seine Inszenierung. Sie stolpert eher über die grob konzipierten Charaktere neben Awet. Ihr Vater ist ein klischeehafter angeberischer Säufer, der sie herrisch einem Rebellencamp übergibt, weil er sich nicht mehr selbst mit ihr abgeben will; Awets plötzlicher Sinneswandel, dort Krieg und Waffen und vor allem die Ausbilderin Ma’aza (Typ: charismatisch und fanatisch) toll zu finden (wie sie trägt sie die Haare alsbald gekräuselt), wirkt aufgesetzt. Ma’azas Gegenfigur Mikeele ist als Gutmensch für den rationalen Standpunkt verantwortlich, und die Schwester, mit der Awet ins Camp kommt, ist über weite Teile aus dem Film verschwunden. Viel Typus also, wenig Charakter; und eine Dramaturgie, die so vorhersehbar wie eine ARD-Degeto-Mittwochabendschmonzette ist.
Schließlich hauen ein paar der Kriegskinder ab, ohne dass es einen richtigen Höhepunkt des Films gegeben hätte; und so verläuft Awets Geschichte buchstäblich im sudanesischen Wüstensand.
| FAZIT
Die Glaubwürdigkeit der angeblich authentischen Buchvorlage zum Film ist umstritten – der Film selbst ist keinerlei Aufregung wert, zu einfach sind seine Charaktere gestrickt, zu lasch zerfließt die Dramaturgie im Wüstensand.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung