Poppy ist fröhlich. Fröhlich, fröhlich, fröhlichpopöhlich. Auch als ihr Fahrrad geklaut wird. Auch als sie sich den Rücken verrenkt. Auch als ein unheimlicher Fahrlehrer ihr nachsteigt: immer hat sie ein Lachen im Gesicht und einen flotten Spruch auf den Lippen. Poppy wohnt mit ihrer besten Freundin Zoe zusammen, ist Lehrerin und kommt bestens mit dem Leben und den Menschen zurecht. Sie kann mit einem verstockt-aggressiven Schüler ebensogut umgehen wie mit einem verstört brummelnden Penner; und den verklemmten, zornigen, paranoiden und latent gefährlichen Fahrlehrer Scott nimmt sie als sportliche Herausforderung. Fröhlich bleibt sie dennoch. Immer immer fröhlich.
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| FILMKRITIK
Es soll Leute geben, die ins Kino gehen, um gute Laune zu haben. Um nach dem Film so richtig beschwingt zu sein, froh und munter und ganz und gar fröhlich. Für diese Menschen ist „Happy-Go-Lucky“ wie geschaffen, der beschwingt, froh und munter und ganz und gar fröhlich von der 30jährigen Lehrerin Poppy erzählt, die ihr Leben beschwingt, froh und munter und ganz und gar fröhlich angeht.
Natürlich ist Poppy erstmal niemand, den man im wirklichen Leben um sich haben möchte. Bunt wie ein Paradiesvogel flattert sie durch die Welt, immer lachend, immer optimistisch, immer mit einem kommentierenden Spruch auf den Lippen, der mal aufmunternd, mal ironisch, auch mal liebevoll sarkastisch ist (ja, der Film beweist: man kann liebevoll sarkastisch sein!). Eine anstrengende, überdrehte Person, die nur ähnlich gestrickte, ähnlich fröhliche Menschen um sich haben können, mit denen sie Dialoge hin- und herwerfen kann: Ihre Freundin Zoe zum Beispiel, mit der sie zusammen wohnt, oder Tim, den sie kennen- und lieben lernt.
Oberflächlich und wenig tiefschürfend scheint sie zunächst, und wer fröhlich ist, wird im Film normalerweise in den folgenden anderthalb Stunden schwersten Prüfungen unterzogen, die Reise zu Tiefgang, Ernsthaftigkeit, Reife führt über den ganz steinigen Weg. Nichts davon in Mike Leighs Film. Poppy lebt ihr Leben, und ihr Leben ist die neugierig gute Laune zu allem, dem sie begegnet. Und in den Begegnungen, die der Film herbeiführt, in banalen Alltagsereignissen: da zeigt sich, dass sie in ihrer Unbeschwertheit ganz und gar nicht leichtgewichtig ist – mit all denen, die so viel Zorn in sich haben, die eine Menge Ärger in sich hineingefressen haben, kann sie perfekt umgehen, mit leisem Verständnis und mit kleinen Hinweisen auf einen anderen, vielleicht besseren Weg.
Wo es in der normalen Filmdramaturgie zu Konflikten der Hauptperson mit anderen kommen muss, stellt Leigh hier Poppys Lebenseinstellung in Gegensatz zu strikten, verklemmten, spießigen, zornigen, pessimistischen, tief im Inneren verzweifelten Gestalten, ohne dass damit freilich ihre Person selbst je in Reibung kommt – eher eine Konfrontation verschiedener Haltungen. Dass dieses Konzept funktioniert, das liegt an Leighs Methode, der monatelang mit seinen Darstellern improvisiert, bis die Figuren, die sie spielen, deckungsgleich mit ihnen wird, der mit ihnen die Charaktere entwickelt, um dann daraus einen runden Film zu schaffen, getragen von perfekt besetzten, wunderbar spielenden Darstellern. Leigh stellt Lebensentwürfe gegenüber und plädiert stets dafür, auf die sonnige Seite des Lebens zu sehen.
Wunderbare Szenen ergibt das, die einen wunderbar lachen lassen: Eine Flamencostunde, in der die Lehrerin von ihrer tief empfundenen Leidenschaft übermannt wird; der Besuch beim Chiropraktiker, der Poppys Wirbel wieder einrenken soll, und sie weint vor Schmerz und lacht zugleich über die Situation, über ihren verschobenen Rücken, über die Welt an sich; die Rededuelle mit ihrer Mitbewohnerin; die Begegnung mit der schwangeren Schwester, die für Rente und ein Häuschen ist und dagegen, nach 22 Uhr noch Playstation zu spielen; vor allem aber in ihrer Begegnung mit Fahrlehrer Scott, der sexuell verklemmt ist, die Welt vom Teufel besessen sieht und von Poppy wunderbar gefoppt wird, bis es zu einer fast streitbaren Auseinandersetzung kommt…
So lustig, so unbeschwert, so beschwingt und froh und munter und ganz und gar fröhlich ist der Film: man möchte Poppy nie mehr missen.
| FAZIT
Mike Leigh schafft es mit seiner Charakterstudie, einen unbeschwerten, aber nie leichtgewichtigen oder gar leichtsinnigen Film zu schaffen: Poppy ist der reine Sonnenschein, der jeden Schatten durchdringt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung