Vier Freunde sollt ihr sein... Kei und seine drei Partner sind Taschendiebe in Hongkong, und sie sind mit großer Freude und fröhlicher Beschwingtheit bei der Sache. Bis ihnen die schöne Chun Lei in die Quere kommt, die alle vier einzeln betört und dabei immer von grimmigen Leibwächtern beobachtet wird... Die schlagen Kei und Co. Kräftig zusammen, diese wiederum versuchen, an die geheimnisvolle Chun Lei ranzukommen. Die ihnen schließlich eröffnet, dass sie eine Gefangene von Mr. Fu ist, der reich geworden ist durch – Taschendiebstahl. Und ihren Pass im Tresor eingeschlossen hat. Es kommt zum Duell zwischen den Banden von Kei und Mr. Fu.
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| FILMKRITIK
Johnny To, der Filme ausspuckt wie ein Drache Feuer, hat diesmal keinen Actionthriller gedreht, es kommen keine Pistolen vor, und Rasanz und Thrill sind einer musikalischen Leichtigkeit gewichen. To ist ein Meister der cinematischen Mittel, der hier eine Gaunerkomödie vorlegt und als beinahe synästhetisches Erlebnis choreographiert. Der Anfang etwa, als Kei in seiner Wohnung seinen Anzug näht und ein Spatz durchs Fenster geflogen kommt: das ist mit seiner begleitenden Ohrwurm-Musik ein beschwingtes Ballett, charmant, elegant, witzig, tänzerisch. Damit ist der Ton, den der Film durchhält, gesetzt, und man würde sich nicht wundern, wenn einer der Protagonisten plötzlich sänge: „Dancing cheek to cheek“ beispielsweise…
Ein Gaunerquartett steht im Mittelpunkt, vier fröhliche Gesellen, die zu viert auf dem Fahrrad fahren und mit Leichtigkeit Taschendiebereien durchführen – der titelgebende Spatz ist Hongkong-Slang für Taschendieb… Eine geheimnisvolle Frau flattert in ihr Leben, umgarnt sie einzeln, sie hat einen Plan: sie wird nämlich von Mr. Fu in einem goldenen Käfig gefangengehalten, immer nur kurz kann sie ihren Leibwächtern entkommen und frei durch ihr Leben flattern, dann muss sie zurück, obwohl sie doch längst schon flügge ist. Mr. Fu will ihre Liebe erzwingen, hat ihren Pass im Tresor eingeschlossen. Sie will die Vier verführen, ihre Papiere zu stehlen, die tapsen in ihre Falle, verfallen ihr und werden, ein kleiner, unerwünschter Nebeneffekt, von Chun Leis Bewachern zusammengeschlagen.
Mit Raffinesse geht die Frau vor, mit Raffinesse winden sich die vier Ganoven aus der Zwickmühle, mit Raffinesse inszeniert To die Kabinettstückchen seiner Figuren, die die reine Freude am Kino enthalten. Vier in Gipsbein und mit Kopfverband verfolgen die Frau durch die Straßen der Stadt, in einem engen Aufzug zusammen mit einem Aquarium (!) bis hinauf aufs schwindelerregende Dach; als alte Matrone, dann als Krankenschwester verkleidet nähern sie sich an Mr. Fu an. Der Witz der Figuren, der Witz des Filmes ergänzen sich, und umso mehr zeigt sich leider, dass der zugrundeliegende Plot, die Figurenmotivationen eher dünn sind, zu konstruiert, zu kompliziert und doch zu simpel, um die meisterhaften Sequenzen fest genug miteinander zu verbinden. Der Plan der Frau erschließt sich nicht im Anschauen, und erst im Nachhinein, im Nachdenken über den Film, wird alles etwas klarer…
Doch das Finale entschädigt für alles. Die vier Hauptprotagonisten und Mr. Fu mit seinen Männern nachts im Regen an Ampelkreuzungen, ein Duell um Chun Leis Pass: Blicke unter Regenschirmen (wie unter den Hüten eines Italowestern), Bewegungen wie im Tanz, Zeitlupe, schneller Zugriff, blitzende Rasiermesser auf den Zungen als Waffen – eine reine, wunderschöne Choreographie der Bewegungen, spannend und ganz relaxed zugleich. Und man meint, die Spatzen von den Dächern pfeifen zu hören: „Singin in the Rain“… Tun sie’s? Natürlich nicht. Aber in mir hat’s so geklungen…
| FAZIT
Johnny To, Meister des Hongkong-Films, hat in seiner Gaunerkomödie die elegante Beschwingtheit des alten Hollywood wiederentdeckt – doch ganz und gar nicht altmodisch, vielmehr voll Witz und Tempo inszeniert er diesen Tanz ums Spatzennest.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung