Der zwölfjährige Martin ist mit seinen Eltern in das Provinznest Bellbach gezogen. Aber schon der erste Kontakt mit Gleichaltrigen geht schief: Martin sieht, wie ein Junge im Laden eine Schachtel Zigaretten klaut, und petzt. Der Junge heißt Oliver, sitzt in Martins neuer Klasse und schimpft ihn fortan nur noch „Blöde Mütze!“ wegen seiner Baseballkappe. Leider ist dieser Oliver mit Silke befreundet, dem netten Mädchen, in das sich Martin verguckt und mit dem er bald das stillgelegte Freibad unsicher macht.
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| FILMKRITIK
Zwölf, dreizehn ist ein seltsames Alter, ein Eintauchen in ein verwunschenes Niemandsland, in dem die Eltern auf einmal bornierten Aggressoren ähneln und die Gleichaltrigen einen vor immer neue Herausforderungen stellen. Vor allem, wenn sie zum anderen Geschlecht gehören. Der zwölfjährige Martin erfährt diese neuen Realitäten gerade, nachdem er mit seinen Eltern nach Bellbach gezogen ist. Das Kaff scheint wie ausgestorben, auf Schritt und Tritt begegnen einem der aggressive Oliver und zum Glück auch die nette Silke. Doch ins „Riverpool“ wollen die beiden den einsamen Martin nicht mitnehmen.
„Blöde Mütze!“ ist das Kinoregiedebüt von Johannes Schmid, der bislang vor allem für das Theater inszenierte. Er adaptierte den gleichnamigen Roman seines Bruders Thomas Schmid. Der Kinderfilm erzählt seine Geschichte angenehm langsam und beschaulich und man kann an mehreren Stellen erleben, wie Szenen, die vor allem Stille ausstrahlen, heutzutage die Aufmerksamkeit steigern können. Die Hektik fliegt einem nämlich nicht gleich um die Ohren und folglich muss, den verinnerlichten Sehgewohnheiten zufolge, die Ruhe auf den kommenden Sturm hinweisen.
Zum Sturm kommt es dann doch nicht, und auch nicht zum Überschwang der Gefühle, von denen der Film ja eigentlich handelt. Vielmehr bleibt „Blöde Mütze!“ eingebettet in den trägen Fluss des Lebens von Bellbach mit seinen netten Sträßchen und hübschen Häuserfassaden. Aber hat dieser Ort auch einen gewachsenen Kern, eine örtliche Kultur, an der sich Martin und seine Freunde orientieren können? Es sieht nicht so aus. Für den Jungen zerfasert der Ort in etwa vier verschiedene Realitäten: das stillgelegte Flussfreibad „Riverpool“ als sommerliche Wildnis, Silke und der orangegetönte Traum der Sonnencremewerbung, Oliver und sein kaputtes Elternhaus, und schließlich die eigenen Eltern, die sich nicht einig in Erziehungsfragen sind.
Weil aber seine Eltern liebevoll sind, schafft es Martin, seinen eigenen Weg zu finden: Er saust bald ohne Helm auf dem Rad durch Bellbach, er hilft Oliver und handelt sich einen Verweis ein. Die Geschichte hat etwas Zeitloses, das manchmal anachronistisch wirkt. Silke, gespielt von Lea Eisleb, ist burschikos, fast immer patent und gut gelaunt, aber dabei irgendwie auch entrückt. In Martins Tagträumen ist das Mädchen, das stets in Orange gekleidet ist, eine jüngere Version der Dame aus der Sonnencremewerbung. Tatsächlich gab es früher mal diese auffällige Häufung von Gelb und Orange bei Produktverpackungen – nicht nur für Sonnencreme, sondern auch für Zigaretten.
Johann Hillmann spielt Martin als aufgewecktes Bürschchen, das sich von seinen vielen Skrupeln nicht auffressen lassen will. Konrad Baumann als Oliver ist auf den ersten Blick zwar der geschädigte Junge aus schlechtem Elternhaus, überrascht jedoch immer wieder mal mit weichen Zwischentönen, mit einem Aufblitzen von Freude und Spaß am Schauspiel, das neugierig macht.
| FAZIT
Bedächtiger, ernsthafter Kinderfilm über einen Jungen, der in ein Provinznest kommt und in die Pubertät.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung