Die Reporterin Ángela (Manuela Velasco) und ihr Kameramann dokumentieren eine Nacht in einer Feuerwehrwache, was zunächst recht langweilig gerät. Endlich ein Einsatz. In einem Mietshaus hat eine alte Frau geschrieen, die Tür muss aufgebrochen werden. Die Dame ist nicht in bester Verfassung – und attackiert wie ihm Wahn einen Polizisten. Der schwer verletzte Beamte wird in den Eingangsbereich geschleppt, wo sich die restlichen Mieter befinden. Doch das Gebäude kann nicht mehr verlassen werden: Polizei und Gesundheitsbehörden haben das Haus unter Quarantäne gestellt. Zu recht, wie sich bald herausstellt.
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| FILMKRITIK
Nach „Cloverfield“ legen die Regisseure und Drehbuchautoren Jaume Balagueró („Darkness“, „Fragil“) und der ebenfalls Genre-erfahrene Paco Plaza („Romasanta“) einen weiteren pseudodokumentarischen Horror der Marke „Blair Witch Projekt“ vor: „[REC]“ präsentiert das Geschehen rein durch die – teilweise arg geschüttelte – Kamera des TV-Teams, und wir sind damit einmal mehr mittendrin statt nur dabei.
Damit erfinden Plaza und Balagueró das Rad nicht neu, drehen aber umso gehöriger dran. Die üblichen Mätzchen der Authentizitäts-Vergewisserung müssen natürlich auch sein: Ángela, die ihren Text probt, Polizisten, die immer wieder das Filmen verbieten (wollen), das alles ist mittlerweile bekannt. Gegenüber „Cloverfield“ funktioniert das alles aber irgendwie besser: Der Einsatz der Kamera ist motivierter (und gelungener), auch mal Pausen der Ruhe, in denen die Mieter interviewt werden, vermitteln ein plausibles, packendes Zeitgefühl, dass mit dem umgrenzten Raum des alten Mietshauses den passenden Rahmen für den Alptraum liefern.
Freilich kann auch „[REC]“ nicht verhehlen, wie sehr hier einer Dramaturgie gefolgt wird. Schnell wird klar, dass man in einem Zombiefilm steckt (was der Film noch zu verheimlichen sucht), der übliche „Buh!“-Standards verwendet. Auch läuft alles – typisch Balagueró – ganz zuletzt auf einen Verschwörungs- / Geheimniskrämer-Backround hinaus, was etwas unnötig wirkt, dafür aber verdammt finster gerät und einen wirklich gruseligen Monster-Höhepunkt bietet, der so nicht zu erwarten war. Und was alles zusammen eben dank der Doku-Ästhetik doch noch mal und umso mehr das Grausen lehrt.
Man verzeiht dem Film einige überdeutlichen Dialoge, die noch mal rekapitulieren, auch die eine oder andere Schauspielerei, die eben doch eine solche daherkommt – einfach weil der Film nicht mehr sein will als eine wilde Achter- und Geisterbahnfahrt mit einer Prise schwarzen Humors. Auch dass die Kamera „filmt“, wie in ihr zurückgespult wird, um sich eine Stelle noch mal anzuschauen, nimmt man gerne hin, wenn dann wieder sehr geschickt die Kamera sich „löst“, dem Blick durch den Sucher davoneilt und dem Zuschauer mehr Infos (und Schreck) bietet als dem, der die Welt ansonsten durch sie wahrnimmt. Allein damit bietet „[REC]“ ordentlich Potential für Reflexionen über das Wesen des Blicks, der Erzählperspektive und die Ontologie des Sehens, die spätestens seit der Subjektive der Slasher-Filme philosophischen Stoff aus der „Sicht“ des Horror-Film gewinnen.
Schließlich aber zeichnet sich „[REC]“ gegenüber all den gruseligen Fake-Dokus wie „Cloverfield“ und „The Blair Witch Project“ durch eines aus: Dass er in Spanien spielt. Denn gegenüber doofen New Yorker Yuppies und Generation X-Filmstudenten im Wald tendieren die ohnehin mit ihrer herrlichen flinken Sprachen gesegneten Südländer in der Hektik und Panik des Höllengeschehens zu einer zänkisch exaltierten Aufgeregtheit, die dem Film einen besonderen Drive geben. Was wohl leider in der Synchro etwas verloren gehen wird.
| FAZIT
Wunderbar schreckliche und vergnügliche Fake-Doku über ein TV-Team, das bei einem Feuerwehreinsatz in einem spanischen Mietshaus erst abgeriegelt, dann von Zombieattacken heimgesucht wird.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung