Dan Dunne (Ryan Gosling) ist ein Geschichtslehrer in einer High School inmitten von Brooklyn. Dass er den Lehrplan gerne einmal beiseite lässt und die Schüler, die hauptsächlich afroamerikanischer oder hispanischer Herkunft sind, mit schwierigen Abhandlungen über die Spannung zwischen zwei oppositionellen Kräften bewegt, ist bei der Schulleiterin nicht gerade gerne gesehen. Doch obwohl der intellektuelle Stoff eigentlich zu schwer für seine Schüler ist, kommt Dan bei ihnen gut an.
Nachmittags unterrichtet er das Basketball Team der Schule, in dem auch Drey (Shareeka Epps), eine aufgeweckte 13-Jährige ist. Diese erwischt ihn nach einem verpatzten Spiel auf der Schultoilette beim Crack Rauchen. Doch anstatt ihn bei der Schulleitung zu verpetzen, entsteht eine von Spannungen durchzogene Freundschaft zwischen den beiden.
Dan, der noch auf dem College vor Idealismus strotzte, ist mittlerweile in einer recht düsteren Realität angekommen. Nicht fähig, sich der andauernden Differenz zwischen seinem verkorksten Privatleben und den alltäglichen Dramen des Lebens zu stellen, verbringt er seine Zeit meist zugedröhnt. Einzig allein im Geschichtsunterricht blüht er auf.
Und die Freundschaft zu Drey ist ein weiterer Punkt, der in seinem Leben nicht gerade für Klarheit sorgt. Sein Drogendealer ist ausgerechnet der „Ziehvater“ der Kleinen. Ihr großer Bruder sitzt im Knast und ihre Mutter arbeitet full-time als Polizistin. Drey ist zwar klug, doch ihr Umfeld bietet ihr nur wenige Alternativen. Vor die Wahl gestellt, ob sie lieber Drogenkurier spielt oder sich Dans Junkierealität stellt, schwankt die Kleine. Währendessen begegnen sich Dan und sein Dealer mit uneingeschränktem Argwohn, schließlich erheben bei Anspruch auf die Freundschaft von Drey.
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| FILMKRITIK
Was sich zunächst wie eine weitere Schüler-Lehrer Studie wie Freedom Writers liest, überrascht bald mit seiner innovativen Sicht auf die Charaktere. Die unstete Handkamera agiert zwar ohne Sinn und Plan, gerade zu Beginn kommt die Vermutung von Alkoholmissbrauch hinter der Kamera auf.
Das ist nicht besonders schlau, denn seit Children of Men sollte man wissen, wie man Handkamera als Stilmittel einsetzt um den Inhalt zu unterstützen und nicht den Zuschauer mit Brechreiz auf die Kinotoilette zu schicken. Ab der Mitte des Filmes hat man sich an diese Eigenart gewöhnt und sie fällt nicht mehr allzu sehr ins Auge.
Einhergehend mit dem Kamerastil, verfolgt die Exposition des Filmes ebenfalls ungewöhnliche Pfade. Man bekommt ein wenig den Eindruck, als würde der Film nicht für uns, die Zuschauer, spielen, sondern eine zugedröhnte Kamera stolpert durch eine High School und ist dabei auf „record“ gestellt. Das macht es schwer, den Charakteren näher zu kommen. Ehe man sich versieht, sitzt Dan schon mit der Crack Pfeife in der Toilette und Drey klopft an die Tür.
Doch ab diesem Moment wird es tatsächlich interessant. Sowohl Ryan Gosling, zu Recht für den Oscar nominiert, als auch Shareeka Epps liefern eine beeindruckende Performance ab. Und da sich der Film beständig gegen sämtliche Klischees stemmt, ist es ein Ding der Unmöglichkeit den nächsten Schritt der Charaktere vorherzusehen.
Denn dieser Film ist weder eine Abhandlung über den Kampf gegen Drogen, noch gliedert er sich in die brutalen Realitätsstudien der letzten Jahre ein. Vielmehr wird hier eine ungewöhnliche Freundschaft erzählt, die sowohl an Léon – Der Profi als auch in ihrer Ambivalenz an Hard Candy erinnert.
Ein intelligenter Film, der letztendlich mehr Tiefe und Charakter zeigt, als man es zunächst erwartet hätte. Von Jung-Regisseur Ryan Fleck und seiner Schreibpartnerin Anna Boden wird man sicherlich noch hören.
| FAZIT
Nach dem holprigen Anfang gerät man unverhofft in eine intelligente Geschichte über Freundschaft, Drogen und Schicksal.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung