Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges fallen Nazis und Sowjets gleichermaßen in Polen ein und teilen das Land auf. Die sowjetische Seite nimmt alle polnischen Offiziere gefangen und deportiert sie, um sie schließlich in einer Massenexekution zu ermorden.
Der Film „Katyn“ schildert die historischen Ereignisse gleichermaßen aus Sicht der Offiziere sowie aus der Sicht der Daheimgebliebenen. Kapitän Andrzej (Artur Zmijewski) will die Hoffnung auf eine Befreiung aus der Gefangenschaft nicht aufgeben. Er versichert seiner Frau Anna (Maja Ostaszewska), dass er wieder nach Hause zu seiner Familie kehren wird; zuerst müsse er aber seinen Pflichten als Offizier folgen.
Leutnant Jerzy, ein Freund des Kapitäns, sieht die Situation pessimistischer und befürchtet einen schlimmen Ausgang. Dennoch kann er dem Massaker in Katyn entkommen und kehrt nach Polen zurück. Nachdem Sowjetunion und Nazideutschland miteinander brechen, wird er als Kollaborateur mit den Russen jedoch gemieden und zerbricht an den Ereignissen.
Die Frau eines Generals (Danuta Stenka) verweigert die Zusammenarbeit mit den Deutschen, als sie zu einem Radiointerview gezwungen wird. Schließlich wird ihr ein Film über die Massengräber in Katyn gezeigt, in der die Deutschen das russische Verbrechen für propagandistische Zwecke ausnutzen. Zwei Jahre später muss sie mit ansehen, wie die Sowjets mit dem selben Film die Wahrheit verdrehen und die Wehrmacht des Mordes beschuldigen.
Mit den Lügen über die Erschießungen in Katyn kämpft schließlich Agnieszka (Magdalena Cielecka), die Frau eines Piloten. Sie möchte ihrem Mann ein Grabmal ermöglichen, doch Katyn soll totgeschwiegen werden, um das Verhältnis zwischen Sowjetunion und Polen nicht zu belasten.
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| FILMKRITIK
Gleich zu Anfang von „Katyn“ treffen sich Flüchtlinge auf einer Brücke. Die eine Seite ist auf der Flucht vor den Deutschen, die andere flieht vor den Russen. Von Ost und West wird Polen gleichermaßen überrannt und aufgeteilt, Familien werden zerrissen und viele Leben geopfert. Während die Nazis große Teile der Bildungsschicht in KZs ausrotten, lassen die Sowjets 20.000 polnische Offiziere der Intelligenzija im Wald von Katyn erschießen.
„Katyn“ erzählt jedoch nicht nur die Geschichte des historischen Verbrechens, sondern auch den Umgang mit den Ereignissen in der polnischen Geschichte. Nachdem Nazideutschland und die Sowjetunion ihr Bündnis brechen, fällt Polen komplett unter russischen Einfluss und die Erschießungen werden totgeschwiegen.
Die daheim gebliebenen Frauen und Familien leben lange Zeit im Ungewissen, ob ihre Männer noch leben und werden schließlich von sowjetischer Propaganda über deren Tod informiert. Doch die unübersehbare Wahrheit darf nicht ausgesprochen werden. Gleichermaßen wie Sophokles’ Antigone kämpft die Witwe Agnieszka um ein Grabmal für ihren ermordeten Mann – und endet in den Vernehmungszimmern des Geheimdienstes.
Anna, die Frau des Kapitäns, muss als Offizierswitwe zahllose Repressalien über sich ergehen lassen und kann bis zuletzt den Tod ihres Mannes nicht begreifen. Das Verbot, selbst über die Angehörigen trauern zu dürfen, hinterlässt in der Bevölkerung tiefe Wunden, so dass die vorgestellten Figuren des Films nur symbolisch für Viele stehen können. Der Traum von einem freien Polen ist in weite Ferne gerückt.
Andrzej Wajda präsentiert einen Film mit vielen patriotischen Symbolen, ohne dabei jedoch das Gleichgewicht für eine Dichte und emotional starke Handlung zu verlieren. Die rot-weiße polnische Flagge wird von den Sowjets entzwei gerissen – der rote Teil wird weiter genutzt, während sich die russischen Soldaten den weißen Teil um die Füße binden. Der fragmentarische Score von Krzysztof Penderecki verhilft dem Film zu einer epischen Gewichtung, ohne dabei jedoch zu sehr in den Vordergrund zu treten.
Die passenden, entsättigten Bilder werden von zugehörigem, dokumentarischem schwarz-weiß Material begleitet und schaffen einen authentischen, dokumentarischen Stil. Mit offener Direktheit zeigt Wajda einen großen historischen Film in Hollywood-Manier.
| FAZIT
Historisch wichtiger und atmosphärisch erzählter Film über ein dunkles Kapitel der sowjetischen und polnischen Geschichte.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung