Alex ist ein ziemlich durchschnittlicher Teenager in einer ziemlich durchschnittlichen amerikanischen Stadt. Seine Eltern lassen sich gerade scheiden mit seiner Freundin, einer hübschen, blonden Cheerleaderin, ist er eigentlich nur zusammen, weil sie das so will. Dabei liegt ihm nicht besonders viel an ihr. Wesentlich wichtiger ist ihm da sein Skateboard. Richtig gut ist er auf dem Board nicht, daher übt er lieber für sich allein als mit den anderen Skatern der Stadt. Die haben sich im von ihnen so getauften "Paranoid Park" ein eigenes Skater-Gelände geschaffen. Einem Ort, wo sich auch die Junkies, die Straßenkinder, die "Weggeworfenen" und Ausgestoßenen treffen.
Der "Paranoid Park" übt eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf Alex aus und eines Abends geht er alleine dorthin, um den anderen Skatern zuzusehen. Am nächsten Morgen liegt ein toter Wachmann auf den Gleisen, die neben dem Park verlaufen. Nur wenige Tage später wird Alex' Skateboard aus dem Fluss gefischt, mit DNA-Spuren des Opfers. Unklar ist: Starb der Mann durch einen Unfall oder war es Mord? Alex schweigt. Doch er scheint sehr genau zu wissen, was in jener Nacht geschah.
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| FILMKRITIK
Wo soll man beginnen, wenn es gilt, einen Film zu umreißen, der sich so drastisch von anderen Filmen seines Genres abhebt. Vor allem wenn man sich zunächst die Frage stellen muss, ob sich "Paranoid Park" überhaupt einem Genre zuordnen lässt. Man könnte versuchen, sich an den Film heranzutasten, so wie sich Alex schrittweise an die entscheidenden Stunden der Nacht herantastet, die eine so hypnotische Schockwirkung auf ihn hatten. Es braucht mehrere Anläufe, bis sich das Geschehene seinen Weg in Alex' Bewusstsein gebahnt hat. Gus Van Sant verdeutlicht das, indem er seinen Film aus fragmentarischen Rückblenden zusammensetzt, die sich mit der Gegenwart überlagern, sich wiederholen, sich immer ein Stück weiter dem Kerngeschehen annähern, bis sich dem Zuschauer nach und nach erschließt, wovon der Film eigentlich erzählt. Nicht etwa von Schuld, sondern von persönlicher Erlösung.
"Paranoid Park" ist ein Film für die Augen und für die Ohren. Der Soundtrack ist in diesem Fall nicht bloßes Beiwerk, sondern existiert auf einer ganz eigenständigen Ebene. Elektropop, Rock und natürliche Geräusche werden zu einem Klangteppich verwoben, der sich so lange intensiviert, bis er in sich zusammenknickt wie der Alex unter der Last seiner Schuld. Und was die Bilder des Films angeht, so beweist Kameramann Christopher Doyle – der vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Wong Kar Wai bekannt sein dürfte – einmal mehr, dass er zu den ganz großen seines Fachs gehört. Doyles Kameraarbeit ist sehr poetisch. Dabei prallen die stark ästhetisierten Bilder mit der Realität zusammen von der sie erzählen. Das gilt auch für die grobkörnigen Super-8-Aufnahmen der Skater, die von Rain Kathy Li gefilmt wurden.
Die Kamera verfolgt Alex als sei sie schwerelos. Sie ist immer bei ihm, lauert ihm auf, ohne je wirklich an ihn heranzukommen. Durch effektvollen Einsatz extrem geringer Schärfentiefe konzentriert sich das Bild immer wieder auf einzelne Gesichter, besonders die Erwachsenen werden auf diese Weise in den Hintergrund gedrängt. Sie bleiben auch was die Handlung betrifft, unscharf, sind eigentlich nicht existent. So können auch Eltern und Freunde nicht darüber hinweg täuschen, dass Alex in seiner Welt sehr einsam ist, wobei er sich durch seine schweigende Schuld noch verstärkt in die Isolation drängt. Van Sant nähert sich sehr vorsichtig diesem Lebensgefühl, das auch von Unsicherheit und Indifferenz geprägt ist.
Die Figuren lassen sich treiben, schweben gleichsam durch die Handlung wie in einem Vakuum. Diese Empfindung des Gleitens entspricht der Empfindung des Skatens, zumindest wenn es wie hier in zeitlupenverzögerten Super-8-Aufnahmen, unterlegt von einem sphärischen elektronischen Klangteppich inszeniert wird. Letzten Endes lassen sich aber die Dimensionen des sorgfältig bloßgelegten Universums nur erahnen. Ein wirklicher Zugang wird dem Zuschauer nicht gewährt. Das verhindert – ganz bewusst – die stark ästhetisierte Künstlichkeit des Arrangements. Tatsächlich erweckt Gus Van Sant nie den Eindruck, er wolle die Welt in ihrer Realität zeigen. Vielmehr will er sie fühlbar machen.
| FAZIT
Die eindringliche Inszenierung eines Lebensgefühls und einer Schuld, die einen nicht unberührt lässt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung