Die Londoner Brüder Ian und Terry Blaine träumen vom sozialen Aufstieg aus der Arbeiterschicht. Terry wollte ursprünglich einen Sportartikelladen aufmachen, arbeitet nun aber als Automechaniker und gibt für Alkohol, Wetten und Pokerspiel mehr Geld aus, als er besitzt. Ian muss den Eltern im Restaurant helfen, eifert insgeheim aber dem reichen Onkel Howard nach und möchte in kalifornische Hotels investieren. Zunächst kaufen sich die Brüder eine gebrauchte Segelyacht, die sie Cassandras Traum nennen, dann gewinnt Terry beim Pokerspiel eine hohe Summe und Ian lernt die junge Schauspielerin Angela kennen, und mit ihr das Künstlermilieu.
Doch dann wendet sich das Blatt: Terry verliert beim Pokerspiel und steht mit 90.000 Pfund Schulden da. Und Ian muss Angela etwas bieten, will er sie nicht verlieren. Gut, dass Onkel Howard, der im Ausland Schönheitskliniken besitzt, gerade zu Besuch kommt. Ian und Terry bitten ihn um Geld. Aber Onkel Howard will eine Gegenleistung, und zwar den Mord an einem Geschäftspartner, der ihn ins Gefängnis zu bringen droht. Terry hat ernsthafte Skrupel, doch Ian überzeugt ihn, mitzumachen.
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| FILMKRITIK
„Cassandras Traum“, der dritte der Filme, die Regisseur und Drehbuchautor Woody Allen in London gedreht hat, verzichtet weitgehend auf Komik. Dafür ist ein spannender Krimi entstanden, in dem es wieder um Gier, Aufstiegsstreben, Schuld und Sühne geht. Im Mittelpunkt des dramatischen Geschehens stehen zwei ungleiche Brüder aus Londons Arbeitermilieu. Colin Farrell und Ewan McGregor fesseln mit ihrem Charakterspiel. Farrell als der ungepflegte Terry gerät unter unerträglichen psychischen Druck, während McGregor als der smarte Ian zunehmend Glanz in die Augen kriegt.
Die Brüder sind es gewöhnt, dass die Eltern ständig von Onkel Howard reden. Die Mutter erwähnt dabei immer wieder, wie weit er es, im Gegensatz zum Vater, im Leben gebracht hat. Ian, der dem Vater mit dem Restaurant hilft, hat auch schon einen Geschäftsmann kontaktiert, über den er in kalifornische Hotels investieren könnte – um es Onkel Howard gleich zu tun. Mehr noch als in „Match Point“ zeigt Woody Allen in „Cassandras Traum“ konträre soziale Milieus. Terrys Freundin Kate trägt zu kurze Röcke, die Tapete in der Wohnung der beiden hat zu große Blumen, die Mutter raucht zu viel. Ian liebt die Ausflüge in die feinere Welt, die die Segelyacht, unerlaubt geliehene Sportwagen aus der Werkstatt, in der Terry arbeitet, und schließlich Schauspielerin Angela repräsentieren.
Woody Allen sagt über seinen Kameramann, den oscarprämierten Hollywoodveteran Vilmos Zsigmond, er lasse jeden Film eines Regisseurs gut aussehen. Die bei aller Spannung bedächtig, sorgfältig aufgeblätterten Szenen in den verschiedenen Ambientes, zu denen auch die beliebten Hunderennen gehören, sind voller symbolischer Nuancen: Für die Atmosphäre auf einem Künstlerempfang, zu dem Ian seine Angela begleitet, genügt ein Bild eines Blumengartens, in dem ein weißer Schmetterling aufflattert. Während des verhängnisvollen Gesprächs mit Onkel Howard im Park setzt starker Regen ein, und die Männer stellen sich unter einen Baum mit herabhängenden Zweigen, um den die Kamera konspirativ kreist.
Die beiden Mordversuche sind mit bangem, angespannten Warten für Terry und Ian verbunden, während es langsam dunkel wird. Die Musik von Philip Glass setzt dann manchmal bedrohlich ein, begleitet die Handlung aber sparsam und gezielt. Es gibt auch Szenen, aus denen Allens ironischer Witz hervorlugt, etwa das tölpelhafte Geschehen in der Wohnung des Mannes, den die Brüder mit der Waffe in der Hand erwarten. Oder die verblüffend skrupellose Sprache von Onkel Howard, wenn er seinen Neffen erklärt, was zu tun ist.
Es gibt eigentlich nichts, was an diesem Crimedrama besonders hervorsticht, nichts Stylisches, Aufgemotztes. Die Geschichte ist auch nicht hektisch erzählt. Sie ist einfach nur spannend, ohne dass sich auf den ersten Blick erschließt, wie Woody Allen das bewerkstelligt. Man muss sich vielleicht vor Augen führen, dass er Filme wie diesen, mit dem andere Regisseure ihre Karriere krönen würden, einmal pro Jahr dreht. Und sich dazu meistens, wie hier auch, das Drehbuch selbst ausdenkt. Er kann es einfach.
| FAZIT
Der dritte Film aus Woody Allens Londoner Jahren ist ein spannendes, gut gespieltes Krimidrama über zwei Brüder, die für ihren sozialen Aufstieg einen Mord begehen.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung