FILM REVIEW | Things We lost in the Fire - Eine neue Chance
Things We lost in the Fire - Eine neue Chance
Drama
| Großbritannien / USA 2007
| INHALTSANGABE
Die Tragödie bricht völlig unerwartet in das Leben Audrey Burkes ein. Hatte sie bislang ein glückliches Leben an der Seite ihres liebenden Ehemanns Brian und ihrer beiden Kinder, ist auf einen Schlag alles anders. Eigentlich wollte Brian nur schnell Eis holen gehen und dann ist er plötzlich tot. Er wurde erschossen, nachdem er einer Frau zu Hilfe geeilt war, die von ihrem Mann blutig geprügelt wurde. Zurück bleibt der Schock über die Tat und eine unfassbare Leere, die sich nach und nach vollständig über Audreys Leben breitet.
Zurück bleibt aber auch Jerry Sunborne. Brian war seit seiner Kindheit sein bester Freund, in den letzten Jahren auch sein einziger. Denn Jerry ist heroinabhängig und Brian war der letzte, der noch zu ihm hielt und versuchte, ihm zu helfen. Etwas, das Audrey nie verstehen konnte, da sie in Jerry nie etwas anderes als einen Junkie und einen Dieb gesehen hat. Als sich gerade der letzte Vorwurf als unberechtigt erweist, regt sich in ihr allerdings das schlechte Gewissen und sie beschließt, dem Mann, der für Brian so wichtig war, zu helfen.
Sie bietet Jerry an, für eine Weile in einem leerstehenden Anbau auf ihrem Grundstück zu wohnen. Solange, bis er wirklich clean ist und einen Job gefunden hat. Für die Kinder Harper und Dory wird Jerry schnell zu einem wichtigen Freund. Das geht Audrey bald zu weit. Sie will nicht, dass Jerry den Platz Brians einnimmt und fordert ihn auf zu gehen. Allerdings ohne die Konsequenzen zu bedenken. Für Jerry, aber auch für sich und ihre Familie.
WERBUNG
| FILMKRITIK
Die dänische Regisseurin Susanne Bier hat sich wie auch schon in "Open Hearts" oder "After the Wedding" mit "Things We Lost in the Fire" ein weiteres Mal mit der Frage beschäftigt, was aus Menschen wird, wenn eine plötzlich hereinbrechende Veränderung ihr Leben gänzlich durcheinander bringt. In diesem Fall der Tod eines geliebten Menschen. Der Film erzählt aber weit mehr als nur eine Geschichte von Verlust und Trauer. Denn wie Audrey muss auch der drogensüchtige Jerry einen Weg zurück ins Leben finden, jeden Tag aufs Neue, wie er einmal zu verstehen gibt. Dass sie eine ähnliche Aufgabe zu bewältigen haben, macht sie zu Verbündeten, doch was ihre Beziehung angeht, bleibt Susanne Bier glücklicherweise der Realität verhaftet und fördert keine kitschige Liebesgeschichte zutage.
Der Realität der Gefühle versucht Bier auch durch ihre Inszenierung Ausdruck zu verleihen. So setzt sich die Geschichte in der ersten Hälfte des Films nur stückweise zusammen. Audreys von Schock und Trauer geprägte Gedanken füllen sich immer wieder mit Erinnerungsfetzen, dazwischen liegen Bilder von erschöpfter Ruhe. Je weniger Audrey von ihren Erinnerungen heimgesucht wird, je mehr sie wieder so etwas wie Alltag in ihrem Leben zulässt, desto linearer wird auch der Film, bis die fragmentarischen Rückblenden ganz wegfallen.
Doch nicht nur die dramaturgische Gestaltung, auch die Technik führt bei Bier ein gewisses Eigenleben. Vor allem in der Behandlung der beiden Hauptdarsteller sind die Unterschiede augenfällig. Jerry und Audrey erhalten einen je individuellen Soundtrack, eine eigene Lichtgestaltung und auch die Kamera nähert sich ihnen in ganz unterschiedlicher Weise. In diesen Details glaubt man die Handschrift Susanne Biers zu erkennen, auch wenn sie mit diesem Film erstmals offiziell einen "Hollywood-Film" gedreht hat. Als ein solcher lässt sich "Things We Lost in he Fire" durchaus verstehen.
Im Gesamten betrachtet kommt Susanne Bier mit diesem Film nicht ganz an ihre vorherigen Leistungen heran. Halle Berry wirkt immer wieder wie eine blasse Kopie ihrer Leticia aus "Monster's Ball" und auch die Geschichte selbst ist stellenweise zu schwach geraten. Glücklicherweise gibt es aber noch Benicio Del Toro alias Jerry. Dass Del Toro ein großartiger Schauspieler ist, war – zumindest denen, die ihn kennen und mögen – vorher schon bekannt, aber wie überwältigend er sein kann, beweist er hier. Ohne ihn würde "Things We Lost in the Fire" wohl keinen großen Eindruck hinterlassen. So aber lässt sich sagen, dass es sich schon allein wegen ihm lohnt, sich diesen Film anzuschauen.
| FAZIT
Wer Benicio Del Toro in Bestform erleben möchte, sollte sich Susanne Biers neuesten Film nicht entgehen lassen.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung