Der zehnjährige Josh strahlt, als er beim Freiluftkonzert seines Schulorchesters dabei sein darf. Und auch Ethan und Grace – seine Eltern – strahlen, schließlich sind sie mächtig stolz auf ihren talentierten Sohn. Die gute Laune hält auch noch an, als sich die Familie wieder auf den Weg nach Hause macht. Dann fügt sich jedoch ein Zufall an den nächsten und in einem einzigen Augenblick ist alles, was vorher noch schön war, schrecklich. Während eines kurzen Zwischenstopps an einer Tankstelle wird Josh von einem vorbeifahrenden Auto erfasst und getötet. Der Fahrer wird nur kurz langsamer und fährt dann weiter. Die Eltern sind fassungslos.
Ebenso geschockt ist allerdings der Fahrer, Dwight Arno. Er war an diesem Abend gerade auf dem Weg, seinen eigenen 10jährigen Sohn Lucas nach einem Baseballspiel zurück zu seiner Ex-Frau zu bringen. Er hatte es eilig, war abgelenkt worden und hatte ein entgegenkommendes Fahrzeug zu spät gesehen und in einem einzigen Augenblick ist auch für ihn alles anders. Das Ausmaß seiner Schuld bricht über ihm zusammen, als er am nächsten Morgen im Radio hört, dass er den Jungen getötet hat.
Es dauert lange, bis die Eltern ihren ersten Schock überwunden haben, doch beide verfolgen eine andere Strategie, was den Umgang mit ihrer Trauer angeht. Während Grace mit allen Kräften versucht, wieder in ihr Leben zurückzufinden, und sich vor allem auch ihrer Verantwortung für ihre Tochter bewusst ist, zieht sich Ethan immer mehr in sich zurück. Er kann nicht verstehen, dass der Unfallfahrer nicht gefunden wird und beschließt, auf eigene Faust nach ihm zu suchen.
Um rechtliche Hilfe zu bekommen, wendet er sich an einen Anwalt, ohne zu wissen, dass er damit dem gesuchten Täter direkt gegenübersteht. Denn ausgerechnet Dwight Arno wird mit dem Fall betraut. Aus diesem Grund erfährt Dwight auch, dass die Polizei bislang noch keinerlei Anhaltspunkte hat, dass er also sicher ist. Trotzdem plagen ihn immer schlimmere Schuldgefühle und mehrfach versucht er, sich selbst zu stellen. Dann erinnert sich Ethan plötzlich an ein Unfalldetail und erkennt in Dwight den gesuchten Fahrer. Und weil er weiß, dass Dwight vor einem Gericht nur eine geringe Strafe für das bekäme, was er getan hat, beschließt er, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und Dwight selbst zu bestrafen.
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| FILMKRITIK
"Reservation Road" erweckt schnell den Eindruck, als hätte sich der Regisseur nicht so recht entscheiden können, ob er nun ein Drama oder einen Thriller drehen solle. Ansätze in beide Richtungen existieren, doch beide Richtungen werden nur inkonsequent eingeschlagen. Zunächst einmal beginnt der Film wie ein Drama und geht der Frage nach, was mit Menschen geschieht, die durch einen tragischen Unfall aus ihrem bisherigen Leben gerissen werden und mit einer schockierenden Situation umgehen müssen. Dabei richtet er seinen Blick besonders auf die beiden Männer Ethan und Dwight und auf ihre Gefühlen von verzweifelter Schuld einerseits und wütender Rachsucht andererseits. Gegen Ende vollführt der Film schließlich eine halbherzige Wendung hin zum Thriller, indem er Dwight und Ethan in eine direkte Auseinandersetzung schickt.
Schon allein dadurch, dass den anderen Familienmitgliedern – Ethans Ehefrau und seiner Tochter Emma – nur wenig Platz in der Geschichte eingeräumt wird, zeigt, dass es hier hauptsächlich um die direkte Konfrontation der beiden Männer gehen soll. Um diese Konfrontation zu erreichen, wird die Geschichte ziemlich plump zurechtgebogen. Denn wie es der Zufall will, wird Dwight nicht nur zu Ethans Anwalt ernannt, nein seine Ex-Frau ist auch noch die Klavierlehrerin der kleinen Tochter. Und als würde das Ganze nicht genügen, wird Dwight auch noch ein Vater-Sohn-Konflikt mit seinem eigenen Jungen untergeschoben.
Der eigentliche Ausgangspunkt, gewissermaßen das Kernstück des Films, wird nur schwach inszeniert. Die Rede ist vom Schock des plötzlichen Todes, der ja immerhin eine überwältigende Wirkung auf die gesamten Filmfiguren besitzen soll. Doch genau diese Wirkung wird nur sehr oberflächlich vermittelt. Die innere Zerrissenheit der beiden Männer spiegelt sich nur schattenhaft auf ihren Gesichtern – was gar nicht unbedingt an den Darstellern liegt, sondern vielmehr an ihrer Charakterzeichnung und dem Aufbau der Geschichte ganz allgemein. Die allmähliche Wandlung, die das Ehepaar durchmacht, wird nur ganz am Rande gestreift und wenig glaubwürdig in einigen wenigen Sequenzen vermittelt. Erschwert wird das Verständnis für die Veränderungen der Charaktere, da der tödliche Unfall ganz am Beginn des Films steht und man kaum Informationen darüber erhält, wie die Figuren vorher waren.
Die parallele Betrachtung von Täter- und Opferperspektive ist durchaus interessant, wobei die Definition von "Täter" und "Opfer" starken Schwankungen unterliegt und sich das Schuldverhältnis allmählich umzukehren scheint. In ihrem jeweiligen Gefühlszustand bleiben die beiden Männer lange gefangen, bevor sie den nächsten Schritt wagen. Bei beiden steht dabei die Erlösung im Mittelpunkt. Während Ethan nach einer Möglichkeit sucht, etwas zu tun, was den eigenen Schmerz für eine Weile aufhält, sehnt sich Dwight danach, sich von seiner Schuld zu befreien – was aber nicht möglich ist, da er die Dinge nicht ungeschehen machen kann. Dwights Leiden wird dabei sehr plakativ in Szene gesetzt, ohne dass es einem wirklich nahe gehen würde. Ebenso wenig überzeugend sind die Seelenqualen Ethans, da er sich nicht nur seiner Familie, sondern auch den Zuschauern gegenüber verschließt. All das hat zur Folge, dass "Reservation Road" im Endeffekt weder ein gelungenes Drama, noch ein gelungener Thriller geworden ist.
| FAZIT
Das Thema Schuld und Sühne wird hier in einer Mischung aus Drama und Thriller verarbeitet, wobei beide Ansätze nur halbherzig verfolgt werden.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung