Pierre arbeitete als Tänzer im Pariser Moulin Rouge, aber nun braucht er dringend eine Herztransplantation. Seine Schwester Elise, eine Sozialarbeiterin und alleinerziehende Mutter, schaut nun täglich bei Pierre vorbei, der sich in seiner Wohnung langweilt. Weil er oft auf seinem kleinen Balkon steht, beginnt er sich für eine hübsche junge Frau im Haus gegenüber zu interessieren. Der Film verfolgt auch ihren Weg und den einiger anderer Charaktere, vom Universitätsprofessor bis zum Gemüsehändler. Die Wege der meisten Personen kreuzen sich irgendwann, vereinen sich aber in der Regel nicht.
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| FILMKRITIK
Regisseur und Drehbuchautor Cédric Klapisch hat sich mit einem Spielfilm über seine Heimatstadt selbst einen Herzenswunsch erfüllt. In einem bunten Bilderreigen aus montierten Parallelszenen wirft er einen leicht verklärten Blick in das Leben verschiedener Bewohner und begleitet sie auf ihren alltäglichen Wegen. Dabei ergibt sich eine Fülle von sehr authentisch anmutenden Begegnungen, die einen lebendigen Einblick in das Labyrinth der Großstadt bieten.
Die Geschichten verdichten sich jedoch nicht zu einer Gesamtatmosphäre. Soziale Brennpunkte und kritische Töne bleiben ausgespart und die Bilder laufen ohne finalen Kulminationspunkt scheinbar beliebig weiter, wie in einer auf Automatikbetrieb eingestellten Diashow. Die Titelbehauptung „So ist Paris“ könnte die Relativierung „auch“ vertragen. Der Eiffelturm, so viel ist gewiss, steht noch, und Klapisch betont die romantische Tradition der Stadt, spielen doch sinnliche Begierden eine ebenso große Rolle wie schmucke Häuserfassaden.
Das Beste an dem Bilderreigen sind die Schauspieler, denen es allen gelingt, ihre Figuren glaubhaft und interessant wirken zu lassen, ja sogar, ihnen bei aller Knappheit der Darstellung Emotionen zu verleihen. Auch diesen Film schmückt Juliette Binoche mit ihrer charmanten Warmherzigkeit. Sie hat als Sozialarbeiterin Elise auch die größte und vielseitigste Rolle – als Berufstätige, als Schwester und später auch als Frau, die nach der Liebe Ausschau hält. Auch der von Romain Duris gespielte herzkranke Pierre hat mit seinen einsamen Blicken vom Balkon und seiner unterkühlten Nachdenklichkeit Substanz.
Der männliche Sympathieträger allerdings ist der Geschichtsprofessor Roland Verneuil, der nach dem Tod seines Vaters in eine Midlife-Krise gerät. Er bombardiert eine junge Studentin – die Frau, die Pierre vom Balkon aus beobachtet – mit schwülstigen anonymen SMS. Fabrice Luchini spielt den alternden Genießertypen mit emotionaler Lebendigkeit und verleiht ihm spannende Auftritte, vor den Kameras einer Fernsehsendung ebenso wie beim Psychoanalytiker.
Klapisch begleitet auch die Gemüsehändler, bei denen zum Beispiel Elise einkauft, durch ihren Alltag. Für eine nächtliche Erkundung der Großmarkthalle mit ein paar angetrunkenen feinen Ladies haben die Männer schon mal Zeit. Für die gestresste Elise ist ein humorvoller Kommentar des Händlers beim morgendlichen Einkauf schon ein Ausdruck von Kiezheimeligkeit. Auch die Struktur der Montage folgt der Idee einer organischen Verbindung in der Anonymität. Elise wirft bei Pierre Küchenabfälle in den Müll, danach sieht die Kamera dem Müllmann auf der Straße zu. Ein bisschen mehr Verdichtung und Straffung hätten dem Film gut getan.
| FAZIT
Cédric Klapischs Montage kleiner Geschichten aus seiner Heimatstadt plätschert angenehm und leicht verklärt dahin.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung