Der Filmstudent Jason (Joshua Close) dreht mit seinen Kommilitonen im Wald einen billigen Horror-Film als die Nachricht von Ende der Welt übers Radio eintrifft: Die Toten erwachen wieder zum Leben. Während sich nun die Crew mit ihrem Wohnmobil auf die Reise durchs Land macht, begegnen ihnen allerlei Überlebenskünstlern – und diverse blutrünstige Untote. Das alles wird durch den filmbesessenen Jason dokumentiert, der seine Freundin, der überlebenstüchtigen Debra (Michelle Morgan) damit gehörig auf die Nerven geht.
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| FILMKRITIK
Der Herr der Zombies persönlich, Georg A. Romero, widmet sich ein weiteres Mal dem apokalyptischen Horror-Genre, das er (mit-)begründet hat. Nach „Land of the Dead“ kehrt er nun wieder an den Ausgang zurück und erzählt vom Anfang des Endes. Dabei ist er auch auf den Fakedoku-Zug aufgesprungen, der zuerst mit „Blair Witch Project“ und in letzter Zeit mit „Cloverfield“ und „Rec“ die Geleise des Horror-Genres neu befährt.
Allerdings geht Romero nicht gar so weit: „Diary of the Dead“ präsentiert die Dokumentation „Dead of the Dead“, die Debra als Jasons Nachlass fertig geschnitten und vertont hat. So besteht der Film nicht nur aus Aufnahmen einer Handkamera, sondern aus zweien, zwischen denen hin- und hergeschnitten wird, aus eingefügten Internet-Videos, Handyfilmchen, Fernsehberichten und Kommentaren.
Einige gelungene Momente kommen so zustande, z.B. wenn gleich am Anfang ein TV-Team von einem Noteinsatz berichtet und Zeuge wird, wie die vermeintlichen Leichen plötzlich die Rettungskräfte attackieren. Auch aus Jasons Filmwahn und den üblichen Doku-Mängeln schlägt Romero nettes Kapital und fügt mit den Aufnahmen von allerlei Überwachungskameras abwechslungsreiche Perspektiven ein.
Das alles bleibt letztendlich aber kaum mehr als Spielerei: Die (teilweise) echten Dokumentaraufnahmen von den Verrohungen der Menschheit – samt ihrem Voyeurismus – sind ebenso wenig neu im Zombiefilm wie die einzelnen Stationen, die „Diary of the Dead“ mit toten Angehörigen und Plünderern absolviert. Und sind die wankenden Menschenfresser selbst als brachiale gesellschaftskritische Chiffren immer noch genial, wirken alle Kommentare auf den allumfassenden Mitteilung- und Festhaltewahn doch ein wenig ungelenk und angestaubt – ein bisschen wie die lebenden Toten. Und wie diese weiß Romero nicht wirklich, wohin er mit seinem Thema kritikmäßig will.
Auch wenn abschließend über die Entmenschlichung der Menschheit räsoniert wird, dann ist das nicht zuletzt fadenscheinig, weil der Film das selbst nur zum Vorwand nimmt, um seine Splatterei zu zelebrieren.
Das wiederum macht „Diary of the Dead“ mit allergrößter Wonne und Perfektion – wie überhaupt sich Romero als meisterhafter Genre-Gruseler und -Schocker beweist. Böse oder parodistisch ist der Humor, mitunter auch herrlich albern: z.B. dank des taubstumme Amisch-Bauern, der heranwankende Zombies mit Dynamitstangen in die Luft jagt. Oder wenn Jason in seinem schäbigen Horrordreh den Zombiefilm und die „lahmen“ Untoten ironisch kommentiert bzw. „erklärt“.
Es stört denn auch nur ein bisschen, dass die Darsteller hier einmal mehr beweisen, wie schwer es ist, ordentlich zu schauspielern – es aber weitaus schwerer ist, das gekonnt vor er Kamera nicht zu tun.
„Diary of the Dead“ ist jedenfalls keine Neuerfindung oder Erweiterung des Genres, sondern einfach „nur“ eine durchaus gelungene Variante.
| FAZIT
Ordentlicher Zombiefilm von Altmeister Romero, der nun auch den Fake-Doku-Stil entdeckt hat und mit allerhand Medienbildern spielt, darüber aber „nur“ gute Genre-Unterhaltung bietet.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung