Action,
Sport
| Australien / Deutschland / USA 2008
| INHALTSANGABE
Schon als kleiner Junge war Speed, Nachname Racer, auf Geschwindigkeit geeicht. Der Tod von Bruder Rex auf der Rennbahn konnte ihn da nur noch anspornen, und so wurde er einer der besten Rennfahrer auf der ganzen Welt. Und einer der wenigen, die noch für einen unabhängigen Rennstall starten, für den seines Vaters, der sinnigerweise Pops heißt. Aber weil Speed so schnell ist, will ihn der skrupellose Firmenboss Royalton für seinen Konzern gewinnen. Als Speed ablehnt, weil die Familie wichtiger ist, eröffnet ihm Royalton, dass die Grand-Prix-Rennen eh abgekartet sind zwischen den großen Teams – und dass er die Macht hat, die kleine Racer-Family zu zerquetschen. Speed will trotzdem antreten, muss für eine Startgenehmigung beim mörderischen Cross-Rallye-Rennen Casa Cristo 5000 gewinnen – wo mit allen Mitteln gekämpft wird, inklusive Reifenschneider, Enterhaken, Schusswaffen. Kann er, der für das Gute steht, gegen das Böse siegen? Wo doch Royalton ein Kopfgeld von einer Million auf ihn angesetzt hat?
WERBUNG
| FILMKRITIK
Ja, die Wachowskis haben einen Familienfilm gedreht: und um das auch ganz deutlich zu machen, kommt in ziemlich genau jeder dritten Szene ein Affe vor. Ach, der ist so drollig anzusehen, und Erinnerungen werden wach an schöne Stunden mit Heinz Erhardt, der in „Ach Egon“ zusammen mit seinen Schimpansen singt: „Sei friedlich (sei friedlich, sei friedlich), und auch mal gemütlich (gemütlich, gemütlich)“. Jetzt ist das so eine Sache mit der Gemächlichkeit, das reißt heute keinen mehr vom Hocker; und deshalb geht „Speed Racer“ in einem Affenzahn ab.
Der Affe jedenfalls, der übrigens Chimchim heißt, was so eine Art eine Mischung (auch von der Rolle her) aus „Unser Charly“ und Jar Jar Binks ist, der sorgt für kleine Verschnaufpausen und für so lustige Momente wie: Grinsen, hüpfen, kratzen, tanzen, wie es halt so Affenart ist. Oh, und er schmeißt mal mit Affenscheiße, um einen Kampf gegen die Bösen zu entscheiden.
Ganz auf Familie ist der Film halt gemacht, das heißt, für die Männer geht es um Autos, für die Frauen gibt’s viel Familiengedöns, für die Jugend Anime-Ästhetik und Action und für die Kinder halt den Affen. Aber den hab ich ja schon erwähnt. Weil aber auch alles ganz schnell sein muss und Speed sowieso das wichtigste ist, man hat ja nur 135 Minuten Zeit, wird alles beschleunigt; und damit man trotzdem alles so richtig kapiert, also auch die Kleinen, wenn der Affe mal nicht im Bild ist, wird alles, was passiert, viele Male erklärt, also beispielsweise, wer die Bösen sind oder so. Da wird dann das, was da passiert (was ja immer ganz doll schnell geht) ganz einfach gehalten, damit man auch nicht durcheinander kommt.
Auch in dieser Hinsicht ist „Speed Racer“ ein Familienfilm: er erklärt, wie eine gute Familie sein muss. Der Papa ist als Oberhaupt ein bisschen streng, aber auch verständnisvoll, die Mutter reicht zu ihren guten Ratschlägen Schnittchen, der ältere Sohn muss zum Mann werden und der kleine Bub darf lustig sein mit seinem Affen.
Eva Herman hätte jedenfalls ihre Freude, und vielleicht geht sie ja auch den Film gucken, sie hat ja jetzt viel Tagesfreizeit, und hier ist ja nicht nur ein Affe dabei, sondern zudem auch Benno Fürmann, der ist mindestens genauso gut, und in Nebenrollen gar Jana Pallaske und Moritz Bleibtreu, weil eigentlich ist „Speed Racer“ ja was Deutsches, in den alten Babelsberg-Studios gedreht – und die sind ja neben den Familienwerten ein Zweites, was die Nazis Gutes geschaffen haben, nicht?
Jedenfalls, wo war ich (in dem Film geht alles so schnell (hab ich das schon angedeutet), dass mein Kopf noch ziemlich, äähm…), ach so: der Affe. Äh, nein: Susan Sarandon! Eine tolle Mutter, Marge-Simpson-Style (nur ohne die Ironie), und John Goodman, der sogar seine Glanzleistung als Fred Feuerstein übertrifft! Und das alles haben die Wachowskis zusammengeführt, die Schauspieler und den Affen und Babelsberg und einen guten Laptop, auf dem all die vielen, vielen Animations-Special-Effects kreiert wurden. Bzw.: Im Gunde ist alles Realfilm-Cartoon, bzw. eben eher Anime, total so auf Japan und so, aber mit amerikanischen Familienwerten auf deutschem Mutterboden, und dabei alles ganz schön bunt hier! Ja, Farben, Farben, Farben, und viele animierte Hintergründe, weil die Auto-Action ja nicht nur einfach so brumm brumm, ich hab dich, sondern affengeil mit Hüpfen und so und exotischem Ambiente und total fies: mit gemeinen Waffen wie Krallen und Haken und Schleudern. Und so. So ne Art Mischung aus Ben Hur und James Bond, aber alles auch mit viel Achter- und Carrerabahn. Und schnell, schnell, schnell, mit’m Affen im Kofferraum!
Handlung gibt’s auch, jaja: man muss dem Affen Zucker geben, und da sind Bösewichter und die gute Familie, die den Verlockungen von Geld und Macht widersteht und die Korruption im Rennzirkus voll gar nicht so gut findet (und da hilft dann Benno Fürmann, der gute Kerl!) Und aber trotz pflichtgemäßem Trauma wegen Brudertod kann Speed Racer (ja, so heißt er! Und der Papa mit Vornamen Pops und die Mama Mom, nur nichts schwierig machen, geht ja alles zu schnell sonst), Speed also kann, um den Satz zu vollenden, das Rennen gewinnen gegen all die verschworene und verdorbene Konkurrenz (ah huch, jetzt hab ichs verraten, sorry), und vielleicht, vielleicht kann das ja die Kleinen, die zugucken, auch mal lehren, dass man nicht einfach nur Maulaffen feilhalten soll, sondern sein Schicksal in die Hand nehmen und Träumen folgen und all den Kram. Also das ist so eine positive Botschaft, die kann man nicht oft genug wiederholen. Vor allem, wenn der ganze sonstige Film so überaus speedy ist und total visuell. Nicht einfach nur Klappe zu, Affe tot, sag ich!
| FAZIT
Der Film löst akute ADS-Attacken (Affmerksamkeitsdefizitsyndrom) aus, und das 135 Minuten lang.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung