Sonntag | 27. Mai 2012 | 10:26 Uhr
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  • FILM REVIEW | Der Stern des Soldaten
  • Der Stern des Soldaten

    Drama, Kriegsfilm | Deutschland / Frankreich 2006
  • | INHALTSANGABE

  • Afghanistan, 1983: Nikolaj kommt als russischer Soldat frisch ins besetzte Afghanistan, will eigentlich lieber Musik machen, weiß auch gar nicht, wofür hier gekämpft wird – für die Arbeiterrevolution, für ein unterdrücktes Volk, heißt es, und andere Floskeln mehr. Dann wird er von einer afghanischen Widerstandstruppe gefangengenommen, muss mehrere Monate mit ihnen umherziehen. Und wird zu einer Art Wahlafghane, bekommt den Namen Ahmad, lernt zu beten (ohne wirklich muslimisch zu sein). Lernt die Sicht der Afghanen kennen und in den Russen die feindlichen Eindringlinge sehen. Bei den Mudschaheddin trifft er auch den französischen Journalisten Vergos, der den Krieg von innen heraus dokumentiert. Ihm erzählt Nikolaj seine Geschichte.
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      • | FILMKRITIK

      • „Wo waren hier die vielen Kameras, die 18 Jahre später den Einsturz des World Trade Centers bis zum Überdruss filmten?“ Es ist dies eine sehr harte Aussage, die der Film angesichts von tausenden Flüchtlingen vor den sowjetischen Besatzern in Afghanistan 1984 trifft. Erstens vereinfacht sie fahrlässig, lässt allerlei Komplexitäten, die die Weltlage damals wie heute bestimmten, außeracht. Dadurch wirkt sie zweitens ausgesprochen naiv und ohne Einsicht in die Zusammenhänge. Drittens vergleicht sie Äpfel mit Birnen, was alles zusammengenommen viertens wiederum stark auf den Film zurückreflektiert, der damit seine nie verhohlene Subjektivität in den Graubereich von falscher Meinung, falscher Meldung und falscher Propaganda rückt.

        Von Anfang an ist der Film ganz, ganz persönlich, der in seiner Fiktionalisierung nie mit seinem essayistischen Ansatz einer inszenierten Reportage hinter den Berg hält. Schon die Gesprächshaltung des Voice-Over-Sprechers ist kunstvoll zwischen Märchen und dem Erzählen einer wahren, noch immer nicht vergangenen Geschichte angesiedelt, und getrost kann man die Figur des Journalisten Vergos (der übrigens, um die Schraube noch ein Stück weiter zu drehen, von einem tatsächlichen Kriegsreporter gespielt wird) als Alter Ego des Regisseurs sehen. Der war tatsächlich als Kriegsberichterstatter – häufig genug illegal – in Afghanistan gewesen, ein embedded journalist der Mudschaheddin. Der einige filmische Porträts des Kommandanten Massoud gedreht, der auch tatsächlich einen russischen Gefangenen namens Nikolaj kennengelernt hat. Dies also ist der erste Spielfilm von Christophe de Ponfilly – eine inszenierte Dokumentation über Nikolaj, Massoud, das Afghanistan der 1980er und den westlichen Blick von heute auf dieses Land, das man nur als grünflächige Landkarte aus den Nachrichten kennt.

        De Ponfilly ist als in die afghanischen Widerstandstruppen eingebeteter Reporter sicherlich nie objektiv – dennoch gelingt (mit der Einschränkung einer immer wieder aufblitzenden Naivität) ein Doppelporträt der sowjetischen Truppen wie der afghanischen Freiheitskämpfer, anhand von Nikolaj, der in die sowjetische Armee gezwungen wurde, ohne zu wissen, wofür gekämpft wird, der nach seiner Gefangennahme sich an die andere Seite anpasst. Die durchweg sympathisch wegkommt, schon weil sie die der Unterdrückten ist.

        So ist dies ein leidenschaftlicher Film, eine subjektive Erinnerung, ein politischer Kommentar ebenso wie eine Feier der Schönheit eines nur auf den ersten Blick kargen und felsigen Landes – Nikolaj wird ausgerechnet beim Stehlen von Weintrauben gefangengesetzt. Und der Film ist eine Art persönliches Lebensresümmee, eine nachgestellte, weil dadurch prägnanter und kontrollierter erzählbare Zusammenfassung von de Ponfillys Afghanistanreisen. Ein Vermächtnis: Der Regisseur hat sich noch vor der Filmuraufführung auf dem Filmfestival Venedig 2006 das Leben genommen.

        Und „Der Stern des Soldaten“ ist auf gewisse Weise die andere Seite des „Krieges des Charlie Wilson“ – der ja aus der USA-Perspektive den sowjet-afghanischen Krieg beleuchtet und dabei ebenfalls die Wurzeln von 9/11 ausgräbt.
      • | FAZIT

      • Ein Film über die beiden Seiten des sowjetisch-afghanischen Krieges in den 80ern – wobei die Mudschaheddin durchweg sympathischer wegkommen. Eine persönliche Geschichte, die ihre Subjektivität nie verbirgt – aber mitunter zu naiv erscheint.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Harald Mühlbeyer

      • | Userwertung

      Wertung: 1.0/10 (1 vote)

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