FILM REVIEW | Indiana Jones 4: Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels
Indiana Jones 4: Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels
Action,
Abenteuer
| USA 2008
| INHALTSANGABE
Das neue Abenteuer des berühmtesten Archäologen der Filmgeschichte beginnt da, wo sein erstes endet: in jenem streng geheimen Lager des US-Militärs, in dem in der letzten Sequenz von „Indiana Jones: Jäger des verlorenen Schatzes“ nichts Geringeres als die Bundeslade völlig unstandesgemäß verstaut wird. Niemand scheint sich in den vergangenen 21 Jahren für die heilige Reliquie des israelitischen Volkes interessiert zu haben, sie steht noch immer zwischen hunderten anonymen Holzkisten, und auch die KGB-Agenten, die Indiana Jones (Harrison Ford) gekidnappt haben, wollen etwas anderes.
Ja, Indy steckt mal wieder bis zum Hals in Schwierigkeiten. Genau genommen steckt er im Kofferraum einer Army-Limousine, verschleppt von einer russischen Kommandoeinheit, die kurzerhand eine Militärbasis im südwestamerikanischen Nirgendwo einnimmt und mit der Durchsuchung besagten Lagers beginnt.
Alles hört auf den Befehl von Irina Spalko (Kate Blanchet) – Stalins Lieblings-Parapsychologin. Es ist das Jahr 1957. Oppenheimer hat längst die Wasserstoffbombe erfunden, der Kalte Krieg treibt erste hässliche Blüten, Amerika befindet sich am Höhepunkt der McCarthy-Ära und wittert allerorts Kommunisten – was auch Dr. Henry Jones Jr. noch am eigenen Leib zu spüren bekommen wird.
Zunächst aber sieht er sich gezwungen, der eiskalten, geheimnisvollen Irina Spalko dabei zu helfen, ein bestimmtes Objekt in dem Meer aus Kisten zu suchen: einen High-Tech-Sarg, von dessen Inhalt eine enormes magnetisches Feld ausgeht.
Natürlich wird Indy fündig, und natürlich kann er entkommen – aber ebenso die Russen mit ihrer Beute. Zurück am Marshall College wird er im Rahmen der Red Scare-Hysterie als Kollaborateur angeklagt, verliert seine Anstellung am College und ist im Begriff, Amerika den Rücken zu kehren.
Doch es kommt anders. Kurz vor seiner Abreise nach London spricht ihn der draufgängerische Mutt Williams (Shia LaBeouf) an, der einen gemeinsamen Freund vermisst: der Forscher Professor Oxley (John Hurt) ist auf der Suche nach einer sagenumwobenen Stadt im Amazonas verschollen. Die erste Spur führt nach Peru – der junge Rebell und der alte Haudegen begeben sich auf eine abenteuerliche Reise und suchen alsbald gemeinsam nach dem legendären Königreich des Kristallschädels.
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| FILMKRITIK
Peitsche, Hut und Lederjacke sind zurück! 19 Jahre nach seinem vermeintlich letzten Kreuzzug setzt Steven Spielberg die längst zum Kult gewordene Trilogie fort und bringt den vierten Teil „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ in die Kinos. Endlich.
Das Warten hat sich gelohnt: Eine Besetzung vom Allerfeinsten, exotische, teils unglaublich schöne Schauplätze, imposante Kulissen, authentische Kostüme, ILM-Computereffekte, rasante Action-Sequenzen und zu guter Letzt ein Plot, der wie geschmiert läuft, von großen Abenteuern und Gefühlen handelt und munter moderne Mythen mit alten Legenden mischt. Das Beste aber ist: Harrison Ford ist zwar ein paar Jahre älter geworden, aber immer noch ganz der alte Indiana Jones.
Der neue Film knüpft mit einer geradezu unverschämten Leichtigkeit an die Vorgänger an. Nicht nur, dass die Erzählung die vergangenen Jahre problemlos überbrückt: Indy war inzwischen als Spion in Europa tätig, sein Freund Marcus Brody und auch sein Vater sind gestorben, er selbst ist älter geworden und Amerika steckt mitten in den 50er Jahren. „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ steckt darüber hinaus auch voller Reminiszenzen an die alten Filme. Die deutlichste Verbindung, die vielleicht emotionalste, ist das unvergessliche musikalische Thema, dass John Williams dem Peitsche schwingenden Archäologen verpasst hat. Aber auch, wenn Indiana Jones im neuen Film, noch ehe er einmal klar im Bild zu sehen war, seinen markanten Schatten auf eine Szene wirft, ist das ein Zitat aus dem ersten Teil der Reihe – und dass man Indy daran sofort erkennt, zeigt, welch eine popkulturelle Ikone die Figur mittlerweile geworden ist.
Außerdem spielt wie schon im ersten Teil Karen Allen die ebenso schlagfertige wie liebenswerte Marion Ravenwood. Jedem Fan dürfte das Herz aufgehen, wenn das (hoffentlich) unumstrittene Traumpaar der Serie endlich wieder vereint ist. Doch auch, wer noch keinen Indiana Jones-Film gesehen hat, wird bemerken, dass Harrison Ford und Karen Allen zusammen auf der Leinwand einfach gut sind. Sie spielen nicht nur die gleichen Rollen wie 1981 – sie spielen diese Rollen anscheinend auch noch genau so gerne wie damals.
Überhaupt hat man den Eindruck, Regisseur Steven Spielberg, Executive Producer George Lucas und die Schauspieler um Harrison Ford hatten eine Menge Freude an der Arbeit zum vermutlich letzten Teil der Serie – zumindest mit Harrison Ford in der Hauptrolle. Die Früchte dieser Arbeit sind ein sorgfältig inszeniertes, detailverliebtes Sequel wie auch ein würdiger Abschluss der Kult-Serie. Der Film ist, man kann es gar nicht oft genug sagen, einfach gut geworden. Vielleicht noch besser als „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“. Sean Connery für die Rolle des Henry Jones Sr. zu casten, war zugegebenermaßen eine geniale Idee – aber Kate Blanchet, Shia LaBeouf und John Hurt in den Nebenrollen können sich durchaus auch sehen lassen. Die russische Parapsychologin mit der strengen Frisur und dem Rapier am Gürtel könnte einem Comic entsprungen sein, eine fast schon bizarre Figur; der junge Rebell überrascht, wenn er manchmal mindestens so lässig ist wie Indy selbst; und John Hurt ist eben John Hurt.
„Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ dürfte nicht nur für die Fans funktionieren. Abenteuerliche Reisen zu sagenumwobenen Orten, knifflige Rätsel und fulminante Action, wie etwa ein Fechtkampf auf zwei Militärfahrzeugen, die durch den brasilianischen Regenwald rasen, gute, trockene Pointen, stets am rechten Fleck, dazu die lakonische Art des Helden, ein Mann zwischen einem Lehrer und einem Abenteurer, der im Hörsaal genau so souverän auftritt wie in einem vor Fallen strotzenden Grabmal: da kann doch eigentlich nichts schief gehen. Ist es auch nicht. Der vierte Teil ist ein wirklich guter Indiana Jones – also ein großartiger Film.
| FAZIT
Volle Punktzahl! Vier für einen wirklich guten Film, und ein Extrapunkt für Harrison Ford, der auch mit 65 Jahren ganz der alte Indiana Jones ist.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung