Ein Highway irgendwo im Nirgendwo. Ein idealer Ort, um die Geschehnisse nicht bei Nacht, sondern am helllichten Tag stattfinden zu lassen: Fünf Menschen werden auf bestialische Weise umgebracht – auf offener Straße, im grellen Sonnenschein. Die Überlebenden dieser Gräueltat sind die drogensüchtige Bobbi (Pell James), der Cop Jack Bennet (Kent Harper) und die neunjährige Stephanie (Ryan Simpkins). Aufgabe der FBI-Agenten Sam Hallaway (gut wie eh und je: Bill Pullman) und Elizabeth Anderson (grandios, weil ungewöhnlich: Julia Ormond) ist es nun, die Wahrheit aus den jeweiligen Augenzeugenberichten zu filtern, um sie zu dem richtigen Puzzle zusammenzusetzen.
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| FILMKRITIK
Mit dem Thriller „Unter Kontrolle“ kehrt Jennifer Lynch nach mehr als zehn Jahren Leinwandabstinenz zurück in den Regiestuhl. Für die, die ihr Regiedebut „Boxing Helena“ verpasst haben: Ja, sie ist die Tochter von David Lynch und ja, auch wenn der Stil ihres Vaters manischer und punkiger ist, so lassen sich doch gewisse Parallelen erkennen – nicht zuletzt durch die Tatsache, dass Bill Pullman (z.B. Lost Highway) eine der Hauptrollen übernommen hat. Und vielleicht lässt sich so erklären, dass sie sich als Frau eines solchen Themas angenommen hat.
„Unter Kontrolle“ erinnert eindeutig an „Rashomon“ von Kultregisseur Akira Kurosawa. Auch in Lynchs Film erzählt jeder Augenzeuge seine eigene subjektiv eingefärbte Geschichte, lässt hier ein bisschen was weg, dichtet da ein bisschen was dazu – flunkert also ein wenig und der ein oder andere verkauft sogar an manchen Stellen handfeste Lügen. Jeder Überlebende berichtet eben von seinem individuellen Standpunkt aus, die persönlichen Erfahrungen und Eindrücke unterscheiden sich und mancher hat tatsächlich auch etwas zu verbergen.
Kameratechnisch werden die verschiedenen Perspektiven auf unterschiedliche Weise aufgelöst, um auch auf dieser Ebene die Differenzen deutlich zu machen und hervorzuheben. So sind die Bilder, die zur Aussage des Cops gehören, gestochen scharf und die Kamera steht meist in niedrigen Positionen, um ihn wie einen Superhelden erscheinen zu lassen. Die Rückblende aus Bobbis Sicht hingegen besticht durch verrückte Kamerabewegungen und grobkörnigeres Bildmaterial, um einen Eindruck davon vermitteln zu können, dass eine zugedröhnte Frau die Welt um sich herum anders wahrnimmt, als jemand, der nüchtern ist. Und Stephanies Sicht ist in erster Linie die eines kleinen Mädchens, was die Kamera ebenfalls versucht zu verdeutlichen. Was allen Konzepten jedoch gemein ist, sind die Lichtverhältnisse. In jeder Version ist spürbar, wie heiß und somit auch bedrückend es an diesem Ort, einem Highway in der Wüste, sein muss.
Der Film gehört zu denjenigen, die radikale Gewaltszenen zeigen, ohne dass sie besonders hervorgehoben werden, was sie allerdings nicht weniger drastisch oder schockierend wirken lässt – ganz im Gegenteil. Sie enthalten nur keine spezielle Botschaft – was man solchen Filmen sicherlich auch zum Vorwurf machen kann. Aber in speziell diesem Fall geht es darum, zu demonstrieren, dass ein gewisses Gewaltpotential in jedem von uns stecken kann und es manchmal nicht viel bedarf, damit es explodiert. Bei Lynch genügt schon Langeweile, die zur falschen Entscheidung führt und somit den bekannten Stein ins Rollen bringt.
| FAZIT
Atmosphärisch dichter Thriller – ungewöhnlicherweise durch eine weibliche Hand inszeniert –, bei dem niemand weiß, wer zu was fähig ist.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung