Christine (Claudia Michelsen) ist 42, mit dem Mediziner Georg (Ulrich Tukur) verheiratet, hat eine 14jährige Tochter, Sonja (Vanessa Krüger) und einen Geliebten: Martin (Tobias Moretti), Georgs Kollege und mit seiner Frau Linda (Petra Morzé) Freund der Familie. Trotz oder gerade wegen dem situierten Leben und seiner kleinen Pikanterien – auch Gatte Georg geht fremd – fühlt sich Christine leer. Als die Familie die Sommerferien in ihrer Villa auf Ischia verbringen, wo Teenager Sonja die Liebe entdeckt und schließlich auch Martin und Linda eintreffen, werden die abklärten Sticheleien langsam zur echten Krise. Besonders, als Christine Gefallen an dem jungen Aussteiger Tamaz (Jacob Matschenz) findet ...
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| FILMKRITIK
Regisseurin Sabine Derflinger schickt in „42plus“ ihre arrivierten Bürger im herrlichen Feriendomizil auf so vergnügliche wie intelligente Weise durch Irrungen und Wirrungen des Beziehungslebens und Seelenheils. Mag einer die Bilder Ischias und der Traumvilla mit dem Panoramablick übers Meer gelackt schimpfen: „42plus“ will sich partout nicht im tristen Grau trüber Ehedramen suhlen. Stattdessen wirkt der Film wie eine beschwingte, aber auch tiefgründige Dramenkomödie französischer Spielart. Künstlich und lebenssatt zugleich.
Hinter dem Wohlstandsleid und den pointierten Dialogen („Du siehst aus, als würde ich einen Drink gebrauchen“) finden sich jedoch echte und allgemeine Untiefen, die nur vordergründig vom Überdruss lediglich reicher Leute handeln – und die Derflinger typischen österreichischen Biss verleiht.
So kommt es zum spannenden Kontrast zwischen prallvollem Gefühlsleben und verqueren, selbstquälerischen Lebensentwürfen. Richtig schön ist der Film denn auch, wenn er zeigt, wie sich bei aller Weltläufigkeit auch in Gefühlsfragen die Erwachsenen jenseits der Vierzig doch nur wie Teenager abstrampeln und alle Bildung, Erfahrung und Beredsamkeit lediglich dem Kampf gegeneinander und mit sich selbst eine andere, pointierte Qualität verleiht.
Entsprechend schwächelt der Film ein wenig, wenn das nordische, selbstquälerische Temperament doch vom südländischen übermannt wird. Wenn tatsächlich Mutti sich wieder jung fühlen darf, Vati zum weinerlichen Gatten schrumpft und tatsächlich auf den Tisch kommt, was vorher so wunderbar verklausuliert und verquer für Spiegelgefechte, stillen Grimm und Unruhe sorgte.
Denn letztlich bedient sich der Film tatsächlich „klassischer“ Versatzstücke: italienisches Meeresidyll, der freundlich-weise Wirt, der junge wilde Liebhaber, der schmierige Hausfreund etc. Doch Derflinger nutzt dies als Spielmaterial und Kulisse, um damit und darin einen Eiertanz aus den Gegensätzen verklemmter Sehnsucht und emotionaler Abgeklärtheit zu veranstalten, der nie langweilig wird.
Das alles gelingt freilich nur, weil Derflinger zwei wunderbare Hauptdarsteller zur Verfügung stehen: Ulrich Tukur und vor allem Claudia Michelsen spielen die spitzzüngigen, vordergründig so souveränen Eheleute mit der perfekten teutonische Unterkühlung, unter der doch nur stille Verzweiflung und Leere gärt.
Es ist schlicht eine Freude, ihnen zuzuschauen. Und auch wenn Moretti dagegen als glitschiger „Hausfreund“ zu selten Gelegenheit bekommt, mehr als Stichwortgeber zu sein und „42plus“ sich zuletzt doch etwas all zu „rohmerisch“ aus der Sache stielt, bietet dieser Sommerreigen vergnügliche und leichte Unterhaltung, ohne belanglos zu sein. Trotz oder gerade weil er „nur“ eine redsame Beziehungskiste wohlhabender Leute ist.
| FAZIT
Amüsanter, ironischer und nicht zuletzt dank der sehenswerten Darsteller spannender „französischer“ Sommerfilm mit österreichischem Biss.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung