Der Medizinstudent Marc aus Frankfurt kommt in Kolumbien an. Er möchte am Krankenhaus der für ihre Drogenkriminalität berüchtigten Stadt Cali sein praktisches Jahr absolvieren. In der Notaufnahme wird er mit Opfern von Schießereien konfrontiert und muss zum ersten Mal operieren. Rasch gewinnt er Routine und Ansehen. In seiner Freizeit aber geht Marc zu Fuß in das Armenviertel, aus dem all die Patienten kommen. Marc lässt sich weder von Warnungen der Gastfamilie, noch von denen der anderen Ärzte abhalten.
Er lernt in der Hüttensiedlung die Kioskbetreiberin Wanda kennen, die einige Straßenkinder bei sich aufgenommen hat. An ihrem Stand trifft Marc die Jugendlichen des Viertels, schließt Bekanntschaften und schnupft Kokain. Immer mehr taucht der als Dr. Alemán, der Arzt aus Deutschland, bekannte Marc in das in seinen Augen romantische Leben des Viertels ein, lebt schließlich bei Wanda, bis eines Tages der Killer El Juez zum Gespräch bittet.
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| FILMKRITIK
Der deutsche Film von Regisseur Tom Schreiber ist eine ungemein spannende und authentisch wirkende Studie über einen Romantiker in der Fremde. Der angehende Mediziner Marc ist aus seinem behüteten und vorgeplanten Leben in einer gutsituierten Frankfurter Arztfamilie ausgebrochen, um den gefährlichen Duft von Freiheit und Abenteuer zu schnuppern. Dafür hat er sich ausgerechnet die kolumbianische Kriminellenhochburg Cali ausgesucht, in einer Mischung aus Helfersyndrom und Erlebnishunger.
In Kolumbien wird Marc ins kalte Wasser geworfen und muss einem Patienten eine Kugel herausoperieren. Sein Chef ist zufrieden mit Marcs Leistung, und die Arbeit in der Notaufnahme beginnt ihm Spaß zu machen. Aber Marc will seine Abende nicht bei der langweiligen Gastfamilie verbringen, die vor dem Fernseher einschläft, sondern in das wahre Leben in Cali eintauchen: Er geht, gegen alle guten Ratschläge, zu Fuß in das Armenviertel Siloé, wo er am Kiosk von Wanda Kontakte knüpft.
Der Film bezieht seine enorme Spannung aus dem Wechsel der verschiedenen Milieus: Szenen im Krankenhaus werden gegen Begegnungen in Siloé und die unbeholfenen Gespräche am Frühstückstisch der Gastfamilie geschnitten. Immer bleibt Marc der Fremde, der sich nach Kontakten sehnt und von den teilweise verstörenden Eindrücken fast überwältigt wird. In dieser Einsamkeit beginnt er, Wandas Kiosk mit den vielen Jugendlichen als Ersatzfamilie zu betrachten.
August Diehl versetzt sich mühelos in den Sozialromantiker Marc, der permanent zu glauben scheint, mit seiner pazifistischen Sehnsucht so etwas wie einen Hauch Moderne in das Armenviertel bringen zu können. Im Krankenhaus konfrontiert er seinen Chef mit der Ansicht, lieber die Armen als die Privilegierten behandeln zu wollen. Vor allem aber lehnt er das Milieu seiner Kollegen, die am Pool entspannen oder Tennis spielen, bis zur Verbohrtheit ab.
Ein guter Soundtrack verstärkt das Lokalkolorit der an vielfältigen Eindrücken ohnehin reichen Szenen. Viel mehr als Marc selbst gewinnen die Zuschauer in den einzelnen Begegnungen eine Ahnung von der Gefahr, in der der Träumer schwebt. Beim Koksen und Fußballspiel mit den Straßenjungs wirkt er wie eine lebende Zielscheibe. Die letzte halbe Stunde des Films taucht dann etwas zu tief in die romantischen Abgründe des scheiternden Helden ein und driftet in einen dramatisch überhöhten Albtraum ab – schade und völlig unnötig.
| FAZIT
Realistisch, spannend, abenteuerlich: Ein deutscher Medizinstudent sucht in Kolumbien das wahre Leben und begreift die Spielregeln nicht.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung