Philippe Halsman war ein berühmter Fotograf in New York, der viele Titelseiten für das Magazin Life gestaltete. Er nahm in den fünfziger Jahren Prominente wie Marilyn Monroe und Marlon Brando auf und schuf die Jump-Serie mit Fotografien von bekannten Persönlichkeiten, die für die Kamera einen Luftsprung vollführen. Der Spielfilm rekonstruiert anhand von Gerichtsprotokollen und Veröffentlichungen den Prozess am Innsbrucker Geschworenengericht, bei dem Halsman Ende der zwanziger Jahre wegen Vatermords verurteilt wurde.
Der Schauprozess galt als der erste antisemitisch motivierte im bereits nationalsozialistisch gefärbten Österreich. Philippe Halsman wurde für schuldig befunden, seinen Vater Morduch während einer gemeinsamen Bergwanderung am 10. September 1928 umgebracht zu haben. Der nur auf Indizien beruhende Fall konnte in Wirklichkeit nie geklärt werden. Halsman wurde 1930 begnadigt und ging erst nach Paris, dann nach New York.
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| FILMKRITIK
Der Spielfilm von Regisseur und Drehbuchautor Joshua Sinclair will Licht in das Dunkel eines antisemitischen Schauprozesses bringen, der Philippe Halsmans Leben überschattete. Eingebettet wird das auf Gerichtsprotokollen, Artikeln und Aussagen von Zeitzeugen basierende Drama in eine Rahmenhandlung, die in New York mit Aufnahmen zur Jump-Serie beginnt. Eine Journalistin will die Geschichte hören, wie Philippes Vater ums Leben kam, und die Schwester des Fotografen, Liuba Halsman, beginnt zu erzählen.
Dann geht die Handlung zurück ins Jahr 1928 nach Österreich. Die jüdische Familie Halsman leidet unter dem herrschsüchtigen Vater Morduch, der seinen Sohn als Schwächling verachtet. Dennoch brechen Vater und Sohn zu einer mehrtägigen Bergwanderung in Tirol auf, wobei der Sohn auch den Rucksack des herzkranken Vaters tragen muss. Es kommt zu heftigen Streitigkeiten. Dann stürzt der erschöpfte Vater, der zu stolz war, um seine Pillen zu nehmen, einen Abgrund hinunter in einen Bach. Philippe holt Hilfe, kann sich aber an die Abfolge des traumatischen Geschehens später nur unvollständig erinnern.
Schwester Liuba und Mutter Ita Halsman engagieren den renommierten Rechtsanwalt Richard Pressburger, der Philippe beim Prozess in Innsbruck verteidigen soll. Während draußen in den Straßen bereits gestiefelte Männer mit Hakenkreuzbinden marschieren, schlägt dem jüdischen Angeklagten und seiner Familie im Gerichtssaal unverhohlene Feindseligkeit entgegen. Pressburger versucht zunehmend verzweifelt, gegen die Voreingenommenheit der Geschworenen anzukämpfen. Der demütigende Prozess, bei dem sogar der Kopf des toten Vaters in den Gerichtssaal zur Begutachtung gebracht wird, lässt jedoch über den Ausgang kaum einen Zweifel.
In Rückblenden erinnert sich der junge Philippe zunehmend an weitere Einzelheiten, wie an die Gegenwart eines weiteren Mannes am Unfallort. Auch Pressburger ist der Ansicht, dass die tödliche Wunde, die dem alten Halsman am Kopf beigebracht wurde, von einem unbekannten Dieb stammte, der das Opfer ausraubte, als Philippe auf der Suche nach Helfern wegrannte. Der bedrückende Antisemitismus, der den Halsmans und ihrem Anwalt in Österreich entgegenschlug, wird in vielen zeittypischen Details eingefangen. Zunehmend verlagert sich der Prozess vom individuellen Fall hin zum Ausdruck kollektiver Feindseligkeit. Das ist für Philippe Halsmans Verteidigung umso tragischer, als der junge Mann tatsächlich unter Schuldgefühlen dem verhassten Vater gegenüber leidet.
Während der Bergwanderung haben Ben Silverstone als Philippe Halsman und Heinz Hoenig als sein Vater noch Gelegenheit zu einem spannenden Psychoduell. Die emotionale Bandbreite von Silverstones Schauspiel aber ist im anschließenden Prozessgeschehen kaum mehr gefragt. Der Film konzentriert sich zu sehr auf das schreiende Unrecht der Verhandlung und vernachlässigt die Charaktere. Auch Patrick Swayze als Verteidiger Pressburger bleibt nur schwach konturiert außerhalb seines beruflichen Engagements. So werden leider ein paar dramaturgische Möglichkeiten verschenkt und eine ernste Geschichte mit oft zu groben Pinselstrichen ausgemalt.
| FAZIT
Bemühtes, manchmal recht grob skizziertes Drama über den antisemitischen Schauprozess von 1928 in Österreich gegen den späteren Starfotografen Philippe Halsman.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung