Im St. Trinian Mädcheninternat läuft so ziemlich alles anders als an anderen Schulen. Dafür sorgt vor allem die exzentrische Schulleiterin Camilla Fritton, die eine ganz eigene Vorstellung davon hat, was Kinder an einer Schule lernen sollten. Warum nicht Chemie-Kenntnisse dazu verwenden, hochprozentigen Vodka zu destillieren? Damit lässt sich – im Gegensatz zu herkömmlichen Unterrichtsinhalten – wenigstens Geld verdienen.
Ms. Frittons Schülerinnen lieben ihr Internat heiß und innig. Schließlich können sie nur hier so sein wie sie wollen und tun und lassen was sie wollen. Für den Bildungsminister Geoffrey Thwaites sind die unorthodoxen Lehrmethoden allerdings ein Dorn im Auge. Wenn es nach ihm ginge, wäre das St. Trinian längst Vergangenheit. Da kommt es ihm entgegen, dass Ms. Fritton auch in Geldangelegenheiten pure Anarchie walten lässt und das Internat kurz vor dem Bankrott steht.
Nur ganz so einfach wie sich Geoffrey Thwaites das mit der Schließung von St. Trinian vorstellt, ist es natürlich nicht. Immerhin haben auch die Schülerinnen noch ein Wörtchen mitzureden. Innerhalb kürzester Zeit haben sie einen waghalsigen Plan aufgestellt, wie sie ihr Internat doch noch vor dem Ruin retten können. Alles was sie brauchen ist ihre ausufernde Kreativität und ihre geballte kriminelle Energie… .
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| FILMKRITIK
Das Internat St. Trinian, das vom entsetzten Neuzugang Annabelle zunächst als "Hogwarts für die Unterschicht" betitelt wird, offenbart sich einige Filmminuten später als erfrischendes Lebensgefühl, das einen so schnell nicht wieder loslässt. Der Film schlägt mit äußerst britischem Humor vergnüglich in eine Kerbe, die in der Zeit von PISA-Studien und verzweifelten Schulreformen auch hierzulande immer größer geworden ist. Dass das Thema so modern wirkt ist aber nur eine Täuschung, schließlich basiert der Film auf den legendären "St. Trinian's"-Cartoons von Ronald Searle, die bereits in den 50er Jahren zahlreiche Verfilmungen hervorbrachten.
Dabei ist allerdings zu bezweifeln, dass es die einstigen Internatsgören so unverschämt und wild getrieben haben wie die Heldinnen der 2008er-Variante. Rebellisch und der puren Anarchie zugeneigt, beantwortet das Verhalten der Schülerinnen vor allem eine elementare Frage: Was sollten Kinder in einer Schule wirklich lernen? Braucht man in den Zeiten von Google, Ask und Co tatsächlich noch trockenes Tatsachenwissen? Ist es nicht viel wichtiger, zu lernen, wie man in einer genormten Gesellschaft fröhlich den eigenen Platz behaupten kann?
Genau diese Fragen stellt der Film mit echtem britischem Humor: Politisch unkorrekt, respektlos, makaber, absurd und grotesk. Dabei aber nie wirklich platt, sondern überaus kreativ. Kann man mit dieser Art von Humor nichts anfangen, wird man das eine oder andere Filmelement einfach nur lächerlich finden, mag man ihn hingegen, wird man sich bei "Die Girls von St. Trinian" wahrhaft königlich amüsieren. Dabei liegt ein guter Teil der Komik im Sprachwitz, der sich vermutlich nicht ins Deutsche übersetzen lässt. Ob die deutsche Synchronfassung also an das Filmoriginal heranreicht, ist fraglich.
Der Film hat ein hohes Tempo und führt innerhalb kurzer Zeit so viele Figuren ein, dass einem schnell der Kopf schwirren kann. Dabei erreicht nicht jeder Gag sein Ziel und manche werden auch zu sehr ausgewalzt um noch wirklich lustig zu sein. Im Endeffekt überwiegt allerdings die kurzweilige Unterhaltung. Zu dieser tragen auch die Schauspieler ihren Teil bei. So darf sich beispielsweise Rupert Everett in einer überaus komisch-übertriebenen Doppelrolle gleich zweimal in Schale werfen. (Und nein, die exzentrische Schulleiterin Camilla Fritton erinnert nicht zufällig immer wieder an Camilla Parker Bowles.) Doch selbstverständlich sorgen auch Colin Firth, Gemma Arterton (als sexy Anführerin im Louise-Brookes-Stil) und Talulah Riley (in der Rolle der spießigen Tochter, die sich nach und nach zum echten Vamp mausert) für zahlreiche Lacher.
| FAZIT
"Die Girls von St. Trinian" stolpert zwar hin und wieder über das eigene gewaltige Gagkonstrukt, ist im Endeffekt aber eine durchaus kurzweilige Komödie für Fans des britischen Humors.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung