Der Amerikaner Stanley Phillips ist ein glühender Patriot und ein überzeugter Anhänger von Bushs Irakpolitik. Er hält es für überaus richtig und wichtig, dass US-Soldaten im Irak für Ordnung sorgen, um auf diese Weise der Menschheit im Ganzen und dem Land USA im Speziellen einen lobenswerten Dienst zu erweisen. Nichts würde Stanley lieber tun, als selbst in den Irak zu ziehen, um auf diese Weise seinem geliebten Land zu dienen, doch seine Sehschwäche macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Stattdessen geht seine Frau, Sergeant Grace Phillips, in den Irak und lässt Stanley und ihre gemeinsamen jungen Töchter Heidi und Dawn zurück.
Die meiste Zeit über weiß Stanley nicht so recht, wie er mit seinen Kindern umgehen soll. Er findet keinen emotionalen Zugang zu ihnen und allen ist klar, wie sehr Grace ihnen fehlt. Dann erhält Stanley die Nachricht, seine Frau sei im Irak gefallen und für ihn bricht eine Welt zusammen. Er versucht zwar, seinen Töchtern vom Tod der Mutter zu erzählen, doch er bringt es nicht über sich. Stattdessen fasst er den spontanen Entschluss mit ihnen in einen viele Tagesreisen entfernten Vergnügungspark zu fahren, was Heidi und Dawn sich schon lange gewünscht haben. Während der langen Fahrt kommt er seinen Töchter immer näher. Doch nach wie vor kämpft er um die richtigen Worte, ihnen die traurige Nachricht verständlich zu machen.
WERBUNG
| FILMKRITIK
Die ernsthaften Filme, die derzeit aus den USA zu uns in die Kinos kommen, hinterlassen den Eindruck, die Themen Tod und Trauer würden in ihnen immer häufiger in den Mittelpunkt gestellt. Ob sich darin nun im weiteren Sinne enttäuschte Hoffnungen einer fehlgeschlagenen Politik oder vielleicht das Realisieren der Tatsache, dass auch US-Soldaten sterblich sind widerspiegeln, sei jetzt mal dahingestellt. Fest steht, dass immer wieder der Versuch unternommen wird, den abstrakten Begriff "Trauer" auf die Leinwand zu bannen. In "Grace is gone" wird das in erster Linie durch entleerte Bilder erreicht. Entleert in dem Sinne, dass sie auf fast merkwürdige Weise menschenleer sind oder sich die einzelnen Figuren nur am äußersten Bildrand aufhalten und so den Großteil der Fläche frei halten.
Sogar an Orten, an denen man viele Menschen erwarten würde, etwa in einer Mall, kauert die übrig gebliebene Familie Phillips ganz isoliert und vereinsamt in einem Spielhäuschen – den Interpretationen dieses Sinnbilds sind kaum Grenzen gesetzt. Schon dieses Beispiel zeigt, der Film nimmt seine eigene Bildsprache sehr ernst, gleichzeitig jedoch ist sie so gleichbleibend, dass man nicht gerade den Eindruck gewinnt, die Hauptfigur Stanley Phillips würde einen tatsächlichen Wandlungsprozess durchmachen.
Zu Beginn des Films wird Stanleys Handeln noch stark geprägt vom Ab- und Ausreagieren der eigenen Gefühle. Die anschließende Reise quer durch die USA, die den Hauptteil des Films bildet, ist dagegen geprägt von Ausflüchten und plötzlichen Aufbrüchen. Es zieht Stanley von Ort zu Ort, immer in dem Wissen, dass er nichts preisgeben muss, solange das Ziel nicht erreicht wurde. Den Töchtern wird dabei die Realität vorenthalten, dem Zuschauer jede Weiterentwicklung der Handlung. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum Stanleys Trauer den Zuschauern nie wirklich nahe kommt. Man fühlt sich kaum persönlich in dieses Familiendrama involviert, auch wenn es authentisch und nachvollziehbar ist.
Der politische Aspekt der Geschichte wird nur ganz am Rande thematisiert. So erklärt der Kriegsbefürworter Stanley seinen Kindern, würde man nicht mehr daran glauben können, dass der Irakkrieg sinnvoll und notwendig sei, sei man verloren. Das Festhalten am eigenen Patriotismus wird auf diese Weise zur Überlebensstrategie, dem auch Stanleys Bruder – passenderweise ein am gesellschaftlichen Abgrund stehender Kriegsgegner – nichts mehr entgegenzusetzen hat. Das deutlichste Statement findet man wohl im Filmtitel selbst, bedenkt man dessen Mehrdeutigkeit.
Neben der sinnvoll eingesetzten Bildsprache überzeugt der Film auch durch seine Besetzung. Besonders John Cusack und seine Filmtochter Shélan O'Keefe (Heidi) sind dabei hervorzuheben. Letztere liefert angesichts ihres Alters ein recht beeindruckendes Debüt ab. Außerdem gelingt es dem Film sehr gut, den Verlust der Mutter deutlich zu machen. In jedem Moment hat man den Eindruck, ein durch ihr Fehlen unvollständiges Bild, eine unvollständige Handlung zu betrachten. Doch insgesamt erreicht der Film den Zuschauer nur sehr schwer und hinterlässt kaum einen bleibenden Eindruck.
| FAZIT
Der Film glänzt mit einer schönen Bildsprache und bietet eine solide Schauspielleistung, schwächelt aber ein wenig beim Handlungsverlauf.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung