Annie Braddock hat endlich den College-Abschluss und ihre Mutter weiß auch sehr genau, was ihre begabte Tochter damit jetzt anfangen wird: Eine Karriere im Finanzwesen. Deshalb schenkt sie ihr ein schickes Kostüm und wünscht ihr viel Glück beim ersten Bewerbungsgespräch. Das wird allerdings ein Desaster, denn bereits die erste Frage kann Annie nicht beantworten: Wer ist Annie Braddock? Annie hat nicht die leiseste Ahnung, wer sie ist und noch weniger weiß sie, was sie eigentlich will.
Während sie sich im Central Park sitzend diese Fragen durch den Kopf gehen lässt, sieht sie wie ein kleiner Junge fast in einen Unfall verwickelt wird. In letzter Sekunde kann sie ihn retten. Der Junge heißt Grayer und seine offensichtlich überforderte Mutter "Mrs. X" bietet Annie spontan einen Job als Nanny an. Da der Job gut bezahlt wird und ihr ein paar Monate weitere Bedenkzeit einräumt, was ihre Zukunft betrifft, nimmt Annie das Angebot an und zieht zu Familie "X", um den fünfjährigen Grayer zu betreuen.
Das erste was sie dort lernt ist: Menschen der Upper East Side sind wirklich sehr sehr reich und pflegen einen ebenso luxuriösen wie eigensinnigen Lebensstil. Das zweite was sie lernt: Nanny sein ist alles andere als leicht. Bei 24h-Dauerdienst kann sie natürlich vergessen, an ein Privatleben auch nur zu denken. Auch mit dem strengen und teilweise recht absurden Regelwerk, das sich die Eltern von Grayer für ihren Nachwuchs ausgedacht haben, kommt sie nicht besonders gut zurecht.
Ihr hübscher Nachbar, der ihr mehr und mehr den Hof macht, merkt, wie sehr Annie unter der strengen Autorität von Mrs. X leidet und rät ihr, den Job zu kündigen. Da gibt es nur ein Problem. Grayer ist ihr mittlerweile sehr ans Herz gewachsen und mit der Ehe seiner Eltern steht es nicht gerade zum Besten. Mr. X ist ein notorischer Fremdgänger und weder er noch seine Frau interessieren sich in irgendeiner Weise für ihren Sohn Grayer. Der ist Annie mittlerweile aber zu sehr ans Herz gewachsen, als dass sie ihn im Stich lassen könnte.
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| FILMKRITIK
Um die eigene Welt besser zu verstehen, ist es oft hilfreich, in eine andere Welt einzutauchen. Dafür muss man noch nicht einmal weit reisen, manchmal genügt es auch, einfach den Stadtteil zu wechseln. Das jedenfalls macht Annie Braddock als sie sich von der West Side New Yorks aufmacht, den fremden Lebensraum der Upper East Side zu erkunden. Dass nur ein paar Blocks von ihrer gewohnten Umgebung entfernt ein völlig andersartiger Menschenschlag beheimatet ist, macht die Grundkonstellation der Geschichte durchaus interessant.
"Nanny Diaries" ist eine Abwandlung des Kindermädchen-Klassikers "Mary Poppins", ohne allerdings an dieses Vorbild heranreichen zu können. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen ein unglückliches Kind, das von seinen Eltern weder beachtet noch verstanden wird, Eltern, in deren Welt – bestehend aus Geld, Erfolg und Freizeitvergnügungen – kein Platz für Kinder ist und natürlich eine Nanny, die das Leben der Familie durcheinanderwirbelt und dabei aufzeigt, dass ein Kind im Gegensatz zu Geld wirklich glücklich machen kann.
Im Mittelpunkt des Films dagegen steht eindeutig die Person Scarlett Johansson. Sie ist – wieder einmal – einfach bezaubernd und hat darüber hinaus echtes schauspielerisches Talent. Sie füllt die Rolle der Annie Braddock in einer Weise aus, dass sich ihre persönliche sympathische Ausstrahlung direkt auf den Film überträgt. Mit einer anderen Darstellerin hätte der Film also durchaus flach und langweilig sein können. So aber ist er wirklich recht charmant und überwiegend unterhaltsam geworden. Erwähnt werden muss an dieser Stelle auch Laura Linney, die wirklich eine überzeugend-überzogene Mrs. X zum Besten gibt.
Wie sehr Scarlett Johansson die "Nanny Diaries" prägt wird auch klar, wenn man das Drehbuch einer etwas genaueren Betrachtung unterwirft. Tatsächlich gibt es nicht sonderlich viel her, ist einerseits zwar in sich logisch und folgt einer klaren Linie, beinhaltet aber andererseits keine sonderlich kreativen Ideen oder Überraschungen. (Herausgehoben werden sollte allerdings die sehr gelungene Eingangssequenz.) Auch wenn der Film im Endeffekt zu der Sorte gehört, die man schon am nächsten Tag wieder vergessen hat, ist er während man ihn sieht wirklich nett und unterhaltsam.
| FAZIT
Eine sympathische Komödie mit einer wirklich bezaubernden Scarlett Johansson.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung