Ossi (im Klartext: Oswald) plant frisch aus dem Knast entlassen schon wieder einen neuen Coup: In einer Gießerei werden alte D-Mark-Münzen umgeschmolzen, und die kann man doch klauen und dann in jeder Bank in echtes Euro-Geld umtauschen! Er sucht sich Komplizen: seinen alten Kumpel Karl, der die Münzen in seinem LKW abtransportieren soll, zwei Brüder, ehemalige DDR-Rudermeister, die jetzt in ihrer Würstchenbude versauern, und einen Ex-Stasi-Spitzel zum Auskundschaften. Doch immer mehr Leute gesellen sich dazu, ein Russe (oder Pole?), der schüchterne Elvis-Fan Tommy, der seinen Opa mitbringt, und zwei Frauen, die zufällig denselben Geldtransporter entführen wollten, den auch Ossi und Co. brauchen… Elf Mann machen sich dann ran an den Plan, der natürlich schief geht. Und doch ziemlich viel zum Guten wendet.
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| FILMKRITIK
Regisseur Oliver Mielke war Produzent der „Bullyparade“ und des „Quatsch Comedy Clubs“; und seinem Spielfilmdebüt merkt man ein bisschen diese Herkunft von Comedy und Pro Sieben an. Da spielt Stefan Jürgens mit, Urgestein der modernen TV-Comedy, da ist auch Sasha mit von der Partie, der Mädchenschwarm, der es in dem Film, ironisches Zwinker-Zwinker, als schüchterner Retro-Rock’n’Roll-Fan gar nicht leicht hat bei der Angebeteten. Die Dramaturgie ist fernsehgerecht, die kleinen Handlungen um die verschiedenen Figuren laufen sauber ineinander, so dass man nebenbei Chips essen und in der Werbepause aufs Klo gehen könnte. Und alles ist natürlich angelehnt an Soderberghs erfolgreiche „Ocean“-Filmreihe, heruntergebrochen auf den tristen Ex-DDR-Alltag – und dankenswerterweise nicht als bullyblödelnde Parodie aufgezogen.
Mielke inszeniert vielmehr eine Komödie auf der Basis eines Sozialdramas, das von Losern, Abgehängten, unter die Räder Gekommenen, Arbeitslosen, Arschlöchern, Wendeverlierern und, vielleicht die beste Figur, einem Ex-Stasi-Agenten handelt, die sich zu einer neuen Gemeinschaft zusammenfinden. Ziel: Der Raub ausgerechnet alter D-Mark-Münzen aus einer Gießerei, wo das Altmetall, das einst Währung hieß, zu Pokalen umgearbeitet wird: „Wär doch schön, wenn das versprochene Glück mit der D-Mark doch noch kommen würde.“
Wie das halt so ist: man hat einen Plan, sucht sich die richtigen Leute, aber irgendwie werden die Beteiligten immer mehr, Plan A geht schief, Plan B funktioniert noch besser und wieder kommt ein Schwung mehr Leute dazu. Sasha zum Beispiel, der seinen Opa gleich mitbringt, oder zwei Frauen, eine davon zufällig das love object des sozial unbeholfenen, sehr griesgrämigen und todtraurigen Würstchenbudenbesitzers. Oder ein Russe, vielleicht auch Pole, der kein Deutsch kann, aber zufällig am Treffpunkt der Bande auftaucht. Und aus unerfindlichen Gründen bringt Ossi, der Ostler, der eigentlich Oswald heißt, der das alles ausgedacht hat, auch noch den ehemaligen Chef mit, einen Bayer im östlichen Flachland, der weiß, dass er ein Arschloch ist.
Überhaupt haben die meisten Figuren was Arschiges an sich, Ossi, der frech wie Oskar sein Verliererdasein verdrängt, der Stasispitzel, den keiner mag, der stolz darauf ist, nicht IM, sondern OM gewesen zu sein. Vor allem aber Stefan Jürgens als zotiger LKW-Fahrer, der alles anmacht, dem halbwegs nichts zwischen den Beinen schwingt, und der sich selbst so toll findet, dass er alle anderen fertig macht. Um dann auch am Ende als einziger leer auszugehen.
Das alles ergibt lustige Situationen, komische Konflikte zwischen den Figuren untereinander, zwischen den Figuren und dem Plan, zwischen Plan A und Plan B, zwischen den Ideen und den Gegebenheiten, zwischen den politischen Verheißungen und dem tatsächlichen Niedergang in der Ex-Zone etc. Doch so ganz will die perfekte Balance nicht gelingen, zu sehr stehen manche Sequenzen unter der Überschrift „Witz“, andere unter dem Label „Ernst“, wieder andere heißen „Hoffnung“, „Freundschaft“ und dergleichen. Ohne dass sich das eine organisch aus dem anderen entwickeln würde.
Auf märchenhafte Weise verwandelt Mielke das Negative des sozialen Elends der Figuren über den Krimiplot in das Positive der Gemeinschaft der Verlierer; was aber weder wirkliche Vision ist oder gar eine Art Lösungsmöglichkeit aus persönlicher und allgemeiner Krise, noch den letztendlich nötigen pfeffrigen, überraschenden Biss hat, den eine gute Komödie eben doch braucht. Wie eine gute Bratwurst eben. Oder Wurstkaffee.
| FAZIT
Teils schwungvolle Komödie mit durchaus witzigen Momenten und einem schön ausgearbeitetem Plot, teils Beschreibung sozialer und wirtschaftlicher Krise in der Ex-DDR – wobei es an der organischen Entwicklung der Handlung hapert.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung