Eine Viererclique im Eliteinternat sucht hedonistisch danach, was ihnen Lust bereitet: Muschis und Mösen. In einer Kokainnacht vergewaltigen sie beinahe eine Frau. Von Leibnitz, der Schwächste der Gruppe, streitet deshalb mit den Alphatieren Dyrbusch und Bogatsch – und die erkaufen sich die weitere Freundschaft mit Demütigungen, die von Leibnitz willig über sich ergehen lässt – was bleibt ihm übrig. Stürmer aber, der Vierte im Bunde, kann das immer weniger ertragen – doch gegen Dyrbusch und Bogatsch scheint auch er nicht anzukommen.
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| FILMKRITIK
Einstündige Filme sind als Abschlussarbeiten an Filmhochschulen zunehmend en vogue, und manche kommen gar ins Kino – „Blindflug“ etwa von Ben von Grafenstein, eine Arbeit aus der Filmakademie Ludwigsburg wie auch „Teenage Angst“. Die Form des 60minüters ermöglicht dichtes Erzählen, das auch Komplexitäten zulässt, wie sie im üblichen Kurzfilm nicht möglich sind. „Teenage Angst“ nun beginnt vielversprechend, kann aber die emotionale Kraft der Vorbilder – nennen wir es ruhig: Schlöndorffs Debütfilm „Der junge Törless“ – nicht erreichen.
Das Leben ist ein Spiel für die Schüler eines noblen Eliteinternats: sie wissen, dass sie sich alles leisten könne, was sie wollen, ohne Konsequenzen, denn für sie, die von Geburt an zu höchsten Gesellschaft gehören, zählt nur Geld und Lust – Muschis und Moneten eben. Vor allem Dyrbusch und Bogatsch sind sich ihres Status bewusst, sie wissen, dass ihnen nichts verwehrt sein kann. Sie tun Dinge nicht aus einem Grund, sondern sie tun sie, weil sie es können. Und nur der Mentor der Schule muss überlistet werden, die einzige Autorität, die sie anerkennen müssen: so werden etwa Urinproben für den Drogentest vorfabriziert.
Als die Viererbande – neben Dyrbusch und Bogatsch noch Stürmer und der etwas schwächliche Adelsspross von Leibnitz – in einer solchen Kokainnacht nahe dran sind, eine junge Frau zu vergewaltigen, kommt es zum Bruch: Leibnitz begehrt auf und muss sich fortan seine Zugehörigkeit zur Clique erkaufen, indem er Folter, Sadismen, Demütigungen bis zum Arschfick hinnehmen muss.
Freilich bleibt der Focus des Films auf Stürmer, dem Mitläufer. Das Drama entwickelt sich zunächst ganz langsam, um dann einen Sprung zu tun, von 0 auch 100 auf der Trauma-Skala: plötzlich ist Stürmer der total Verstörte, vollkommen daneben. Und er weiß nicht, wie er sich zwischen Freundschaft und Moral entscheiden soll. Dieser innere Konflikt wirkt zu konstruiert, weil er ungenügend vorbereitet ist – zumal die Kamera sich bei wirklich krassen Szenen eher zurückzieht, die Mann-Mann-Vergewaltigung nur durch den Türspalt andeutet, schon vorher die Initiation Stürmers in den Club – Casting des Peniszustandes – nur verschämt im Anschnitt zeigt.
Insbesondere aber entwickelt sich die Dramaturgie in der zweiten halben Stunde nicht konsequent genug, um wirklich auf die größte anzunehmende Katastrophe zuzusteuern. Dennoch aber bleibt auch über den Film hinaus die Atmosphäre der Kälte im Gedächtnis, ein Elitedenken, das jede Moral ablehnt, jeden Humanismus als Hindernis auf dem Weg zur Lust sieht. Nur das eigene Fortkommen, die eigene Befriedigung steht im Vordergrund – alle anderen, außer man selbst, speziell die in der sozialen Hierarchie Untergebenen, sind unwichtig, nur Mittel zum Zweck. Eine Parabel wohl auch auf bestimmte Teile einer degenerierten Wirtschafts- und Politikelite, die immer wieder Schlagzeilen macht.
| FAZIT
Schülerterror im Eliteinternat: ein Film, der durchaus emotionales, beklemmendes Potential hat, dieses aber vor allem in seiner zweiten Hälfte nicht voll ausschöpft.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung