Der 61-jährige Slimane lebt seit Jahrzehnten in einem südfranzösischen Hafenstädtchen. Dort arbeitet er auf einer Werft, der es zunehmend schlechter geht. Slimane wird schließlich mit einer kleinen Abfindung entlassen. Der geschiedene Mann hat einen guten Kontakt zu seinen erwachsenen Söhnen und Töchtern, und auch zur Tochter seiner Freundin, einer Hotelbesitzerin.
Doch er fühlt sich nutzlos und leidet darunter, dass er seiner Familie nichts hinterlassen kann. Er wagt es, seinen Traum zu verwirklichen und auf einem ausrangierten Kahn ein Restaurant für Couscous mit Fisch einzurichten. Auch der Spießrutenlauf bei Bank und Behörden entmutigt ihn nicht. Die ganze Familie hilft trotz zahlreicher Differenzen mit. Eine Einladung zum Essen auf das Schiff soll die Entscheidungsträger der Stadt von dem Projekt überzeugen.
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| FILMKRITIK
„Couscous mit Fisch“ von Regisseur Abdellatif Kechiche hat im vergangenen Jahr in Venedig den Spezialpreis der Jury erhalten und räumte auch bei den französischen Césars 2008 ab. Der in Tunis geborene, in Nizza aufgewachsene Kechiche erzählt eine lebendige Geschichte aus dem schwierigen Alltag der Immigranten arabischer Herkunft in Südfrankreich. Besser bekannt unter dem Originaltitel „La Graine et le Mulet“ – das Couscous-Korn und die Meerbarbe -, ist der Film ein sehr sinnliches, realitätsnahes Ensemblespiel mit vielen Laiendarstellern, in dem der Zusammenhalt der Großfamilie im Vordergrund steht.
Der von lebenslanger, schlecht bezahlter Werftarbeit gezeichnete Slimane sollte ursprünglich von Kechiches Vater, dem der Film gewidmet ist, gespielt werden. Doch weil der Vater starb, übernahm sein Freund und Werftarbeiter-Kollege, Habib Boufares, diese Rolle. Der stille, gedrückte Mann wirkt wie ein Ruhepol inmmitten seiner turbulenten Familie. Mit stoischer Geduld hört er sich die lautstarken Konflikte seiner Kinder an und ist es gewöhnt, im Hintergrund zu bleiben. Eine seiner größten Freuden besteht darin, dass Rym, die junge Tochter der Hotelbesitzerin, zum Abendessen die Fische zubereitet, die er mitgebracht hat.
In der südfranzösischen Hafenstadt leiden alle unter Zukunftssorgen und drohender Arbeitslosigkeit. Kechiche zeigt dies in Form von improvisiert wirkenden Gesprächen in den verschiedenen Familien der Kinder Slimanes. Überhaupt besteht ein Großteil des Filmes aus solchen lebhaften Ensembleszenen wie z.B. während eines großen Couscous-Essens bei Slimanes Ex-Frau. Dabei filmt Kechiche die Gesichter seiner Darsteller in Nahaufnahmen und man gewinnt zunehmend den Eindruck, in deren Kreis aufgenommen zu sein.
Die sinnlichen Freuden rund um das gute Festessen, die temperamentvollen Dialoge, das Zusammengehörigkeitsgefühl der Familie trotz heftiger Streitereien, das alles steht dem Außenseitertum in der französischen Gesellschaft gegenüber. Als der entlassene Slimane mit Rym zur Bank und zum Rathaus geht, um einen Kredit und die Genehmigung für sein Restaurant zu beantragen, wird der Mann mit subtilen Ausgrenzungen hinauskomplimentiert.
Doch Slimane hat gerade die lebensfrohen Traditionen, die das Couscous-Gericht mit Gemüse und Fisch symbolisiert, als eine Marktlücke in der Stadt entdeckt und hofft, damit seiner Familie eine bessere Integration zu ermöglichen. Das wird nirgends direkt ausgesprochen, doch diese Hoffnung auf Dazugehörigkeit durchzieht den ganzen Film. Die Großfamilie und ihre Freunde, vor allem aber Rym, die Slimane wie einen Vater liebt, helfen, um die Einladung für die Honoratioren der Stadt zu einem Erfolg zu machen. Doch unerwartete Komplikationen führen zu einem spannend inszenierten Wettlauf gegen die Zeit.
| FAZIT
Abdellatif Kechiche lässt in seiner sinnlichen, temperamentvollen Geschichte mit vielen Alltagsszenen am Familienleben arabischer Immigranten in Frankreich teilhaben.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung