Die Welt muss gerettet werden! Die gemeine Verbrecherorganisation KAOS hat Atomwaffen an sämtliche Schurkenstaaten verteilt und droht nun, den irren Machthabern dieser labilen politischen Systeme auch noch die entsprechenden Aktivierungscodes zu liefern, sollten die USA nicht 200 Milliarden Dollar locker machen.
Da man in Washington nicht mit Terroristen verhandelt, muss der streng geheime Geheimdienst CONTROL mal wieder den Karren aus dem Dreck ziehen. Und da CONTROL kürzlich selbst Opfer eines Anschlags wurde, bei dem das Hauptquartier verwüstet, sensible Daten gestohlen und die ebenfalls streng geheimen Geheimidentitäten sämtlicher Außendienstmitarbeiter kompromittiert wurden, schlägt jetzt die Stunde von Maxwell Smart (Steve Carell) alias Agent 86.
Maxwell Smart, Analyst mit Ambitionen. Keiner verfasst ausführlichere Berichte als er. Allerdings ließt auch keiner seine fünfhundertseitigen Abhandlungen über üble Verbrecherorganisationen und böse Buben, zumindest nie so genau, wie er sie im Kopf hat – was den schlauen Maxwell ziemlich stört. Er ist bloß der Mann im Hintergrund, der die Feldeinsätze seiner überheblichen Agentenkollegen akribisch vorbereitet, während die anderen den aufregenden Teil der Arbeit machen dürfen und schließlich die Früchte seiner Arbeit und den ganzen Ruhm ernten. Wie Agent 23 (Dwayne Johnson), der Superstar von CONTROL, groß, stark, gutaussehend, erfolgreich, Freund und Vorbild von Maxwell. Auch Smart wollte schon immer in den Außendienst – nun endlich bekommt er vom „Chef“ (Alan Arkin) die langersehnte Chance.
Sein erster Auftrag ist zugleich sein gefährlichster und wichtigster. Er führt Maxwell an der Seite der erfahrenen Agentin 99 (Anne Hathaway) nach Russland. Ihre Identität ist nach wie vor geheim, weil sie sich kurz vor dem Angriff auf CONTROL einer Gesichtsoperation unterzogen hatte. Gemeinsam macht sich das ungleiche Paar daran, die Verbrecherorganisation in ihre Schranken zu weisen; was Maxwell an Erfahrung fehlt, gleicht er mit seinem unerschütterlichen Enthusiasmus voll und ganz aus. Schließlich muss KAOS aufgehalten und die Welt gerettet werden!
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| FILMKRITIK
„Get Smart“ hat eigentlich alles, was eine gute Action-Komödie braucht: gelungene, unverbrauchte Gags, ein aberwitziges Szenario, einen turbulente Handlung, Spezialeffekte, die sympathische Haltung, alles nicht ganz ernst zu nehmen, besonders sich selbst, und zu guter Letzt eine tolle Besetzung mit einem großartigen Hauptdarsteller. Kein alberner Hampelmann, kein derber Schreihals, sondern eine gelungene Mischung aus Gentleman und Schelm, ziemlich trocken, ein wenig tollpatschig und sehr sympathisch. Steve Carell spielt den peniblen, immer Anzug und Krawatte tragenden Geheimagenten Maxwell Smart derart überzeugend, dass man meinen könnte, er sei vorher Buchhalter oder Beamter gewesen. Er setzt seine minimalistische Mimik gekonnt ein und verleiht Szenen durch sein nuanciertes Spiel den nötigen Witz. Und so stocksteif, wie er immerzu wirkt, überrascht seine zwischendurch aufblitzende Agilität umso mehr. Carell deckt mühelos das ganze Spektrum von subtiler Ironie bis Slapstick ab und zeigt, warum er sich nach seinen Beiträgen als Korrespondent in der anarchischen, Emmy-preisgekrönten „The Daily Show mit Jon Stewart“ sowie nach diversen Filmrollen unter anderem in „Little Miss Sunshine“ oder „Evan Allmächtig“ mittlerweile als einer der gefragtesten Komiker Hollywoods etabliert hat.
Doch auch die Namen, die in den Credits unter dem von Steve Carell stehen, können sich sehen lassen. Der Geheimdienst CONTROL ist mit Alan Arkin, Anne Hathaway und Dwayne „The Rock“ Johnson ansehnlich besetzt – gerade der ehemalige Profi-Wrestler beweist einmal mehr erstaunliches komödiantisches Talent. Auf der Seite von KAOS steht mit Terence Stamp als psychopathischer Beethoven-Kenner Siegfried ebenfalls ein erfahrener Schauspieler vor der Kamera, der immerhin bereits mit Pasolini drehte.
Aber auch für die kleinen Rollen wurden exquisite Darsteller gecastet. Fans der TV-Serie „Heroes“ werden sich über den Auftritt von Masi Oka alias Hiro Nakamura freuen, der ganz seinem früheren Job bei George Lucas Effektschmiede ILM entsprechend einen typischen Computer-Nerd in den Reihen von CONTROL spielt. James Caan schlüpft in die Rolle des amerikanischen Präsidenten, wurde also erfreulicherweise gewagt gegen den Strich besetzt – er spielt ausnahmsweise keinen Bösewicht, sondern die Figur des Films, die vielleicht das meiste gesellschaftskritische Potenzial hat und einen gelungenen satirischen Kommentar zur aktuellen politischen Lage in den USA abgibt. Denn der Präsident ist einer, der bei einem Klassik-Konzert zu seinen Ehren einschläft und erst richtig gefallen an der Vorstellung findet, wenn der Dirigent bei laufender Aufführung auf der Bühne über den Haufen gerannt wird, und der bei wichtigen Entscheidungen lieber erstmal seinen Vize nach der Meinung fragt. Ähnlichkeiten mit real existierenden Präsidenten sind sicherlich beabsichtigt.
Schließlich hat in einer Sequenz noch ein ganz großer Komödiant Hollywoods einen kurzen Auftritt, jemand, der eigentlich ein Garant für gute Filme ist. Wer, soll an dieser Stelle nicht verraten werden, weil die Überraschung doch sehr gelungen ist – jedenfalls spielt ein als Baum getarntes Versteck eine wichtige Rolle, und darin ein ziemlich trauriges Gesicht.
Die Handlung ist ebenso gut wie die Besetzung. Der Film nimmt recht schnell Fahrt auf, zündet dann kontinuierlich gelungene Gags, und zwischendurch gibt es immer wieder waghalsige Action-Sequenzen, während die Agenten 86 und 99 in der aberwitzigen Welt von CONTROL und KAOS unterwegs sind. Schon die Reise zum Einsatzort nach Moskau ist ein großes Vergnügen, und von dort geht es auf konstant hohem Niveau zurück zum turbulenten Finale nach Los Angeles, das ganz im Zeichen von Beethovens „Ode an die Freude“ steht.
„Get Smart“ basiert auf einer von Mel Brooks erdachten TV-Serie aus den 1960ern, die jetzt im modernen Gewand für die große Leinwand adaptiert wurde. Der Hauptdarsteller beschreibt den Film wie folgt: „80 Prozent sind Comedy, 20 Prozent Action, 15 Prozent Herz, 35 Prozent Romanze, 10 Prozent Abenteuer und sicher weniger als ein Prozent Horror. Wenn man das addiert, ergeben sich über 100 Prozent – mehr kann man von einem Film wirklich nicht erwarten.“
Auf jeden Fall ist „Get Smart“ eine unverkrampfte, unterhaltsame Komödie, die trotz einiger absolut zeitgemäßer Action-Sequenzen einen nostalgischen Charme versprüht. Das liegt an den Bösewichten, die nicht irgendwelche ideologischen oder politischen Ziele verfolgen, sondern ganz klassisch eine Menge Geld erpressen, an anachronistischem Technik-Schnickschnack wie Maxwells Schuh-Telefon, und nicht zuletzt an der Hauptfigur – denn Männer wie Maxwell Smart gibt es heute einfach nicht mehr. Steve Carell ist großartig in dieser Rolle, und er allein ist vielleicht schon Grund genug, diesen Film auf keinen Fall zu verpassen.
| FAZIT
Turbulente Action-Komödie voller gelungener Gags und mit einem – Verzeihung! – saukomischen Hauptdarsteller.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung