Zwei Männer treffen sich, um über eine Frau zu verhandeln – sie ist die Ehefrau des einen und die Geliebte des anderen. Das delikate Gespräch findet im Haus des erfolgreichen Schriftstellers Andrew Wyke (Michael Caine) statt, dessen Kriminalromane sich millionenfach verkaufen, in zahlreiche Sprachen übersetzt und teilweise verfilmt werden. Wyke ist einer der gefragtesten Autoren Englands und kennt die Queen. Sein Haus ist ein hochmoderner Tempel dieses Erfolgs.
Dort besucht ihn der junge Schauspieler Milo Tindle (Jude Law), der seit einiger Zeit ein Verhältnis mit Wykes Ehefrau hat. Tindle hofft, seinen Gastgeber davon überzeugen zu können, in die Scheidung einzuwilligen. Der Empfang ist entsprechend kühl, zwischen den beiden Männern entwickelt sich schnell ein psychologisches Machtspiel, aber dann willigt Wyke überraschend in Tindles Vorschlag ein – allerdings nur unter einer Bedingung.
Der erfolgreiche Schriftsteller erklärt dem mittellosen Schauspieler, dass seine Frau Luxus gewöhnt sei und ein Leben führe, das eine Menge Geld verschlingt. Wenn Tindle ihr das nicht bieten könne, befürchtet Wyke, würde sie ihn schnell wieder verlassen und zu ihm zurückkommen – er aber wolle sie nicht zurück. Also macht er seinem jungen Nebenbuhler einen verlockenden Vorschlag: Tindle soll in die Villa einbrechen und die wertvollen Juwelen rauben, die sich derzeit im Safe befinden. Er habe sogar bereits einen Hehler in Holland verständigt, der bereit wäre, 800.000 Pfund für den Schmuck zu bezahlen. Und auch Wyke selbst gewinnt bei dem Deal: er erhält eine volle Million von der Versicherung und wird zudem seine Frau für immer los.
Zunächst ist Milo skeptisch, doch schließlich lässt er sich auf den Vorschlag ein. Über ein Headset gibt Andrew Wyke seinem Einbrecher kurze Zeit später genaue Anweisungen, während er ihn mit Hilfe der Überwachungskameras dabei beobachtet, wie er in sein Haus eindringt. Er lotst ihn an der Alarmanlage vorbei, führt ihn durch die Zimmer, die Milo auf der Suche nach dem Safe verwüsten soll, führt ihn wie ein Regisseur seinen Schauspieler – und hat ganz offensichtlich großen Spaß an der Situation.
Und dann ändert er die Spielregeln. Plötzlich hat Wyke eine Waffe, bedroht Tindle, verhöhnt ihn, erklärt ihm, dass er nie auch nur in Erwägung gezogen hatte, seine Ehefrau aufzugeben, und dass er schon gar nicht einem kleinen Schauspieler, mit dem ihn seine Frau betrügt, den wertvollen Schmuck überlassen würde. Milo Tindle wird klar, dass er sich auf ein Spiel eingelassen hat, dass er nie gewinnen konnte. Die Situation spitzt sich zu, ein erster Schuss fällt, ein zweiter, und dann richtet Wyke die Pistole auf Tindle. Der bettelt um sein Leben, doch Andrew Wyke ist entschlossen, das Spiel zu beenden.
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| FILMKRITIK
„1 Mord für 2“ ist ein wirklich außergewöhnlicher Film, schon allein aufgrund seiner Besetzung. Regisseur Kenneth Branagh kommt mit nur zwei Schauspielern aus: zum einen der schlicht geniale Michael Caine, an seiner Seite der vielleicht nicht ganz so gute, aber immer noch sehr gute Jude Law. Zwischen diesen beiden herrscht vom ersten Moment an eine packende, teilweise bedrohliche Spannung. In dieser Atmosphäre, die nichts Gutes verheißt, entwickelt sich ein klassisches Bühnenstück im modernen Gewand, ein gekonntes Kammerspiel auf Celluloid.
Der Film besteht aus drei Akten – von denen leider der erste auch der beste ist. Allerdings verhält es sich mit der Dramaturgie ähnlich wie mit den Schauspielern: Jude Law ist nicht schlecht, nur weil er nicht ganz so gut ist wie Michael Caine, und auch die Inszenierung fällt nach dem sehr hohen Niveau des ersten Drittels ein wenig ab, ohne dass man sie je auch nur ansatzweise als schlecht bezeichnen dürfte.
Doch gerade dieser erste Akt, dieses vorsichtige Abtasten der beiden Männer, die oberflächlich so höflich miteinander umgehen, deren unterschwelliger Hass aufeinander aber dennoch stets zwischen den Zeilen mitschwingt, die bedrohliche Stimmung, die einen immerzu darauf warten lässt, wann die Begegnung zwischen den Kontrahenten eskaliert – das ist großes Kino! Es lohnt sich übrigens, den Film im Original zu sehen, denn „1 Mord für 2“ besticht durch vielsagende, doppeldeutige Dialoge, die einer jeden großen Theaterinszenierung würdig sind.
Gleiches gilt für die Bühne. Es gibt im gesamten Film nur einen Schauplatz – das Haus von Andrew Wyke –, aber das gelungene Produktionsdesign von Tim Harvey trägt enorm zur Stimmung bei. Das Wyke-Anwesen strahlt Macht und Reichtum aus, aber auch Kälte. Es ist die hochtechnisierte Zuflucht eines enorm erfolgreichen Menschen. Und Kenneth Branagh überlässt es seinem kongenialen Schauspieler-Duo, sich in dieser bühnenhaften Umgebung selbst zu inszenieren. Gerade Michael Caine übernimmt im Film quasi die Funktion eines Regisseurs vor der Kamera, wenn er sein Gegenüber immer wieder in einen neuen Raum führt, ihm dort eine genaue Position zuweist und mit seiner kleinen Fernbedienung das Licht entsprechend verändert. Nicht nur der Zuschauer im Kino wird so Zeuge eines gelungenen Schauspiels – auch Andrew Wyke hat offensichtlich das Spiel mit seinem unerwünschten Besucher ganz genau geplant.
„1 Mord für 2“ geht auf das Theaterstück „Sleuth“ von Anthony Shaffer aus dem Jahr 1971 zurück, das bereits 1972 von Joseph L. Mankiewicz unter dem Titel „Mord mit kleinen Fehlern“ (im Original ebenfalls „Sleuth“) erstmals verfilmt wurde – damals spielte Michael Caine den jungen Liebhaber, in der Rolle des exzentrischen Schriftstellers Andrew Wyke war Laurence Olivier zu sehen.
Ganz egal, wie das Theaterstück gedacht war, ganz egal, ob das Original aus dem Jahr 1972 der bessere Film war: „1 Mord für 2“ funktioniert, weil er einfach zeitgemäß und sehr modern ist, weil Michael Caine sich mit seiner Fernbedienung in seinem High-Tech-Haus so wunderbar selbst inszeniert, und weil die messerscharfen Dialoge zwischen ihm und Jude Law große Schauspielkunst offenbaren. Mit „1 Mord für2“ ist Kenneth Branagh die zeitgenössische Adaption zeitloser Themen gelungen: es geht um Eifersucht, um die Machtverhältnisse innerhalb einer Beziehung und nicht zuletzt um Demütigung. Denn, um es mit den Worten Andrew Wykes auszudrücken: „Der kürzeste Weg zum Herzen eines Mannes ist Demütigung. Demütigung schweißt zusammen.“ Und dementsprechend basiert das ambivalente Verhältnis der beiden Hauptfiguren, das sich während Wykes Spiel beziehungsweise während der drei Akte des Films entwickelt, einerseits auf großem Respekt – aber andererseits auch auf gnadenloser Demütigung.
| FAZIT
Gekonnt inszeniertes, modernes Kammerspiel mit einem brillanten Michael Caine.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung