FILM REVIEW | Ich habe den englischen König bedient
Ich habe den englischen König bedient
Drama
| Slovakei / Tschechoslowakei 2006
| INHALTSANGABE
Jan Díte wird nach 15 Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen. Weil er 15 Millionen besaß, sperrten ihn die tschechischen Kommunisten nach dem Krieg ein. Der alte Mann wird Straßenarbeiter und wohnt in einem Dorf, aus dem die deutsche Bevölkerung vertrieben wurde. Er hält Rückschau auf sein bewegtes Leben, seine Karriere als Kellner, die in den zwanziger Jahren begann und ihn in die schönsten Hotels des Landes führen sollte.
Der kleine Mann schwärmte in Gegenwart genussfreudiger Gäste stets von Reichtum und Anerkennung. Kurz vor dem Einmarsch der Deutschen verliebte er sich in die Sudetendeutsche Liza, die eine glühende Verehrerin der Nazis war. Er heiratete sie und verdingte sich in einem der „Lebensborn“-Heime, in dem er mit Befremden zusah, wie die neue Herrenrasse gezüchtet werden sollte.
Doch aus der Anstalt der Nazis wurde ein Sanatorium für Kriegsinvaliden und Liza starb. Sie hinterließ Jan einen Haufen wertvoller Briefmarken, die sie aus Wohnungen deportierter Juden hatte mitgehen lassen. Jan konnte endlich sein eigenes Hotel kaufen, doch bald folgte die Enteignung.
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| FILMKRITIK
Der tschechische Film „Ich habe den englischen König bedient“ von Regisseur Jirí Menzel ist eine kongeniale Verfilmung des gleichnamigen Romans von Bohumil Hrabal. Der ehrgeizige kleine Kellner Jan Díte stolpert wie ein „Forrest Gump“ durch die tschechische Geschichte der Jahre 1925 bis 1960. In den feinen Hotels bestaunt er zunächst den Glanz noch nicht so ferner K.u.K.-Zeiten und macht sich die Genussfreuden der Reichen zu eigen. Dann schlittert er in die Kreise der Nazideutschen, schließlich wird er Millionär und am Ende bleiben ihm nur Erinnerungen.
Hrabals Buch wird als Schelmenroman bezeichnet. In humorvoller Sprache führt der Kellner als Ich-Erzähler durch die Geschichte, setzt der verschwenderischen Lebenslust in den feinen Hotels der zwanziger und frühen dreißiger Jahre ein schönes Denkmal und begleitet später durchaus kritisch sowohl den Nazifanatismus der deutschen Bevölkerung wie auch deren Vertreibung nach dem Krieg. Auch die kommunistischen Herrscher kommen nicht ohne ironische Seitenhiebe davon. Jirí Menzel hat es in seinem Film wunderbar verstanden, den schelmischen Stil der Geschichte wiederzugeben und die Sprachgewalt des Autors in opulente Bilder zu fassen.
Der Kellner, der Millionär werden wollte, ist ein Zaungast und Bewunderer des Geschehens. Dementsprechend hat die Hauptfigur des Films viele Stummszenen im ausgelassenen Treiben der Hotelgäste, gibt es nur Musikuntermalung zur verspielten Inszenierung im Stil der Anfänge bewegter Bilder. Ivan Barnev spielt den jungen Kellner Jan als Pfiffikus, der wie zufällig am richtigen Ort steht, wenn es Trinkgeld gibt. Weil er es ist, der dem abessinischen Kaiser den Wein einschenkt, bekommt er von ihm einen Orden. Damit übertrumpft er sein Vorbild, den Oberkellner, der einmal den englischen König bedienen durfte.
Menzel verwendet öfters das Stilmittel der harten Schnitte und der Überblendungen, die einen Zeitsprung mit entlarvenden Ähnlichkeiten karikieren. In grünem Wasser plantschen zunächst die nackten Blondinen aus der „Lebensborn“-Einrichtung, dann die männlichen Kriegsinvaliden. Julia Jentsch mit ihren geflochtenen Zöpfen und im Trachtenlook spielt ein schwärmerisches Mädchen, das sich verirrt hat. Nicht einmal Jan kann sie noch erreichen, richten sich ihre glühenden Blicke und Worte doch auf edlere Ziele.
Der episch-nostalgische Stil des Romans wird auch im Film gebührend gefeiert. Bei aller Fülle des Geschehens bleibt der Ton stets leicht und auf die Sinnenfreuden konzentriert. Einzig die Rahmenhandlung mit dem alten Kellner im verlassenen Dorf und den beiden Verbannten, die er dort kennen lernt, fügt sich nicht so recht zum Stil der Erinnerungen und taucht im Buch auch erst am Schluss der Geschichte auf.
| FAZIT
Nostalgisch-schwelgerische Romanverfilmung über einen pfiffigen tschechischen Kellner vor dem Hintergrund geschichtlicher Wirren.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung