Sonntag | 27. Mai 2012 | 21:09 Uhr
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  • FILM REVIEW | Friedliche Zeiten
  • Friedliche Zeiten

    Drama, Komödie | Deutschland 2007
  • | INHALTSANGABE

  • Deutschland, 1968. Sieben Jahre ist es nun her, dass Familie Strieslow vom Osten in den Westen kam, um dort endlich in Ruhe und Frieden leben zu können. Doch während Vater Dieter ganz und gar in seinem neuen Leben aufgeht, sehnt sich seine Frau Irene zurück in die DDR. Ihre Tage verbringt sie am liebsten hinter verriegelter Tür, ihre Nachbarn kennt sie kaum. Zu ihrer ständigen Angst, russische Panzer könnten in die Stadt rollen, gesellt sich eine rasende Eifersucht, ihr Mann verbringe seine Abende mit anderen Frauen, anstatt mit ihr zuhause auf die drei Kinder aufzupassen.

    Vor allem zwei von denen – die Töchter Wasa und Ute – machen sich dauernd Sorgen um ihre labile Mutter. Seit die ihnen nämlich gesagt hat, sie werde bestimmt jung sterben, versuchen sie alles, genau das zu verhindern. Am liebsten würden sie ihre Mutter glücklich sehen, doch um das zu erreichen, muss ein guter Plan her. Zunächst versuchen Wasa und Ute es mit einem nachbarschaftlichen Kaffeeklatsch, um ihrer Mutter endlich zu ein paar freundschaftlichen Kontakten zu verhelfen. Doch das Unterfangen geht gründlich schief, als ausgerechnet eine der Nachbarinnen Irenes Eifersucht weitere Nahrung gibt.

    Wutentbrannt stellt sie ihren Mann zur Rede und dem bleibt nichts anderes übrig als seinen Seitensprung einzugestehen. Wasa und Ute erkennen, dass es wohl vor allem die Ehe ist, die ihre Mutter so aufregt. Um ihre Nerven zu schonen muss also eine Scheidung her. Aber genau das wollen ihre Eltern scheinbar nicht. Also beschließen die Kinder, dem ganzen ein wenig nachzuhelfen. Allerdings mit unbeabsichtigten Folgen.
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      • | FILMKRITIK

      • In "Friedliche Zeiten" wird eine typische deutsche Kleinfamilie in ihre Bestandteile zerlegt und wieder zusammengesetzt. Aus dem Ost-West-Konflikt wird auf diese Weise schnell ein familiärer Katastrophenfall, den die elfjährige Wasa in einem treffenden Satz zusammenfasst: Lieber geschieden als tot. Es ist in diesem Film nicht das einzige Mal, dass die kindlich-naive Sicht auf die Dinge von größerer Intelligenz geprägt ist als das Verhalten der Eltern. Die haben eigentlich überhaupt nichts gemeinsam und können es trotzdem nicht lassen, sich zu lieben – und sich gegenseitig in Gefühlskrisen zu stürzen.

        Diese Krisen sind dabei ebenso tränenreich wie zäh. In der Ehe und im Film geht es nicht vorwärts und nicht zurück und nach spätestens einer Stunde beginnt man auf die Uhr zu schielen. Das langgezogene Ehedrama spart dabei jeden äußeren Konflikt nahezu aus. Politik und Geschichte finden sich nur zwischen den Zeilen, der Nachhall des zweiten Weltkriegs ist die eigentliche Antriebsfeder der Handlung, ohne allerdings selbst thematisiert zu werden. Es lässt sich jedoch ahnen, dass "Friedliche Zeiten" auch von einer Generation erzählt, die ihre Kindheit in der Angst und Unsicherheit des zweiten Weltkriegs verlebt hat und nun – zwanzig Jahre später – noch immer deutlich davon geprägt ist. Nur ihr Umgang mit den neu angebrochenen friedlichen Zeiten ist ein unterschiedlicher. Während der Vater Frieden und Freiheit in vollen Zügen zu genießen versucht, sitzt der vor Angst gelähmten Mutter das Schreckgespenst des Krieges noch immer im Nacken. Dabei gönnt der Film ihr kaum ein Lächeln, dafür aber viele viele Tränen.

        Die Töchter Wasa und Ute sehen im Ehedrama ihrer Eltern einen Mindestkrieg, den sie wohl oder übel durchstehen müssen, weil ihrer Erfahrung nach jede Generation mindestens einen Krieg erlebt. Damit das Drama aber nicht noch tränenreicher wird, werden die Probleme der Kinder in gewitzten Dialogen kleingeredet. Ihre Schwierigkeiten – die sie aufgrund ihrer Herkunft zusätzlich zu den Eheproblemen der Eltern und der labilen Persönlichkeit der Mutter haben – werden auf diese Weise verharmlost und ins Komödienhafte verschoben. Das gleiche gilt bisweilen auch für die Eltern, wenn deren Reaktionen so sehr überzeichnet werden, dass sie einen Großteil ihrer Glaubwürdigkeit einbüßen.

        Dass der Film trotz zäher Handlung nicht unerträglich wird, liegt vor allen Dingen daran, dass er wirklich schön anzusehen ist. Während die Kamerafilter den Bildern einen Hauch Nostalgie verleihen, haben sich die Ausstatter besonders detailfreudig ausgetobt. "Friedliche Zeiten" wird auf diese Weise zu einer liebevoll arrangierten Zeitreise in die 60er und 70er des letzten Jahrhunderts, bei der alles zu stimmen scheint, angefangen bei den Kleidern, bis hin zu den Frisuren. Ein weiterer Pluspunkt des Films sind die Darsteller, die bis in die Nebenrollen gut besetzt sind. Aber eine schöne Kulisse und gute Schauspieler machen eben doch noch keinen guten Film, wenn die Geschichte selbst so gar nicht fesseln kann.
      • | FAZIT

      • Selbst gute Darsteller und eine detailverliebte Ausstattung in nostalgisch-schöner Atmosphäre können einen so zäh erzählten Film nicht retten.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Anke Hermann

      • | Userwertung

      Wertung: 8.0/10 (1 vote)

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