Der Milliardär Bruce Wayne (Christian Bale) jagt als maskierter und mit Hightech ausgerüsteter Batman nachts in Gotham City das Verbrechen. Korruption und organisierte Kriminalität herrschen zwar weiterhin, doch die Gangster werden langsam nervös – zumal ihnen neben Batman auch der neue engagierte Staatsanwalt Harvey Dent (Aaron Eckhart) zu Leibe rückt. Als Batman und Dent sich gemeinsam mit dem Polizeioffizier Gordon (Gary Oldman) verbünden und fast die ganze Mafia und ihr Vermögen dingfest machen, wird der wahnsinnige Joker (Heath Ledger) auf Batman angesetzt. Und tatsächlich terrorisiert der ominöse Irre mit seiner Bande nicht nur die Stadt, sondern verstrickt den Dunklen Ritter samt seinen Gefährten in ein diabolisches Spiel, das bis an ihre seelischen und moralischen Grenzen geht.
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| FILMKRITIK
Nachdem Regisseur Christopher Nolan mit „Batman Begins“ dem Fledermaus-Superhelden den angemessenen Ernst und die Tiefe verliehen hat, macht er mit „The Dark Knight“ endgültig Schluss mit dessen farbenfroher Comic-Welt.
Die Noir-Metropole des vorherigen Films ist nun eine realistische, helle Großstadt geworden – doch gerade als solche wirkt sie als eine eiskalte Kulisse, in der Nolan eine derart pessimistische Action-Oper ohne jede Romantik inszeniert, dass es fast schon zuviel des Guten – bzw. Bösen – ist. „The Dark Knight“ geht soweit, dass man auf Maskerade und Technik-Firelfanz fast hätte verzichten können.
Aber nur fast.
Wie bei den Filmen Tim Burtons und Joel Schumachers ist Batman wieder der hochgerüstete Maskenmann, der eher an einen RoboCop erinnert als an das bedrohliche Phantom, das aus dem Dunkel heraus die Gauner in Angst und Schrecken versetzt. Auch wirkt Batmans Ausflug nach Hongkong, wo er den Finanzmann der Mafia aus einem Hochhaus kidnappt oder die Science-Fiction-Erfindungen, wie jene, die ihn zuletzt quasi „allsehend“ machen, schlicht überzogen. Oder wie ein Durchatmen.
Im Zentrum steht nämlich die finstere und komplexe Höllenfahrt zu den Fundamenten von Ordnung und Macht, Terror und Chaos bzw. die Grenzen der eigenen Moral und Verantwortung. Ein Ausflug, der den Superheldenrahmen zu sprengen droht.
Allen voran steht da natürlich der Joker. Der nach dem Dreh verstorbene Heath Ledger spielt ihn grandios – doch ebenso gilt, dass er schlicht eine teuflische Rolle ausfüllt, in der auch manch anderer brilliert hätte. Nolan und Co. bringen mit dieser Figur nämlich nicht nur Batmans Erzgegner auf die Leinwand, sondern einen der erschreckendsten Schurken der Filmgeschichte. Was auch daran liegt, dass sie ihm ebenfalls das Comichafte austreiben oder aber ins Entsetzlichste umdeuten.
Die Clownsvisage ist geschminkt, die Lippen zerschnitten: Ledgers Joker hat nichts Surreales mehr, sondern ist der schiere, brutale und diesseitige Wahnsinn; alles Verspielte, Burleske wird bei ihm zur zynischen brutalen Grausamkeit.
Ob er einen Bleistift grausig „verschwinden“ lässt oder es Gangstern überlässt, sich gegenseitig mit einem zerbrochenen Billardstock zu massakrieren: „The Dark Knight“ gerät hier tief in die Abgründe der Gewalt und erinnert an unbarmherzigste Gangsterfilme. Da macht es auch nichts, dass der Film kaum etwas zeigt – oft wirkt es eher, als sei der Film von vornherein „geschnitten“.
Entsprechend macht dieser Joker mit seinen Späßchen, seiner irren Exaltiertheit nachgerade Angst. Er ist eine urtümliche Kraft, der der Film sogar die typische Backround-Story verwehrt: Wie er zu seinem zerschnittenen Mundwinkeln und entsprechend dem gruseligen, schmatzenden Dauergrinsen gekommen ist, davon liefert er selbst zwei (beliebige) Versionen. Erklärung für ihn gibt es also keine, und an den blanken Terror von Tobe Hoopers „Kettensägenmassaker“ erinnert nicht nur das akustisches Joker-Motiv, der Ton der schrill-schräg gestrichenen Geigensaite.
Gerade aber an diesem nihilistischen Überkiller, dem personifizierten Chaos, an diesem seinem ganz eigenen „John Doe“ (man denke an David Finchers „Sieben“) scheitert Batman – und auf eisige, packende Art auch der Film.
Jeden Tag, in der maskierte Verbrecherschreck seine wahre Identität nicht enthüllt, soll ein Mensch getötet werden. Dann droht einem Krankenhaus die Sprengung; ebenfalls steht eine Erpressung dahinter. Zwei Fähren voller Menschen und Bomben werden zu „Versuchskaninchen“ in einem sadistischen, sozialen Experiment.
Dass jedoch die Menschen schließlich im Grunde gut sind, sprich: der Rettung und des Kampfes wert, und dass sich Batman als Gegenentwurf zum Joker doch nicht auf dessen Niveau herabziehen lässt, das kann der Film nur wieder mit der Seichtigkeit des Comics behaupten. Glauben tut man es ihm jedoch nicht mehr.
Batman / Wayne (und mit „ihnen“: Christian Bale) bleibt denn auch merkwürdig blass und randständig. Die zweite wahre Hauptfigur des Films ist vielmehr der tragische, strahlende und doch getriebene Staatsanwalts Harvey Dent (mit gewohntem Verve und mehr: Aaron Eckhart), der den Film noch weiter in jene freudlose Tiefe stürzt, aus der er nicht mehr herausfindet.
Als gute, helle Version Batmans verkörpert Dent die Hoffnung der Stadt. Dazu ist er Konkurrent um Bruce Waynes große Liebe Rachel (diesmal gespielt von Maggie Gyllenhaal). Alles geht durch den übermächtigen zerstörerischen Mephisto Joker zu Bruch. Dent als „Two-Face“, ein weiterer Regelschurke der Batman-Bildergeschichten, findet hier leider ein bisschen wenig Raum, um sich zu voll entfalten. Sei’s drum.
Man kann nun „The Dark Knight“ allerhand vorwerfen, wenn es einem auch der Triumphzug dieses Riesenerfolgs schwer macht:
Dass der Film allzu viel erzählen will: zuviel an Handlungen, Verwicklungen und Seelenqualen. Dass die Bosheiten, Grausamkeiten und tragödischen Schläge übermäßig aufeinander getürmt werden bis es ächzt und kracht, statt sie ordentlich auszuspielen und emotionale und handlungslogische Lücken zu schließen.
Das ließe sich auch nicht durchs Superhelden-Genre und seine Plakativität entschuldigen; zu sehr bemüht sich Nolan um Ernst und „Wirklichkeit“ – und bekommt beides auch in fast erschreckender Dimension! In gewisser Weise enthüllen die Schwächen damit die Qualität von „The Dark Knight“ und umgekehrt.
Mit gutem Recht lässt sich darüber hinaus Ideologiekritik üben, ebenfalls wieder am bzw. über den Terroristen Joker. Der setzt der Stadt Gotham so sehr zu, dass die Nationalgarde einschreiten muss – und schließlich nur das Verhauen von Gefangenen angebracht ist und die totale Überwachung „hilft“.
Es wird dabei natürlich über Recht und Unrecht, von Moral und Regeln, über den Mensch als Menschen Wolf debattiert. Doch bei all seinen gewitzten Dialogen ist „The Dark Knight“ dahingehen auch arg und oft unnötig geschwätzig, nicht nur verbal: Viele Menschen müssen leichthin wiewohl perfide über die Klinge springen oder bedroht werden, und zuletzt wird einem kleinen Jungen vor den Augen von Mutter und Vater der Pistolenlauf an die Schläfe gepresst, um zu „zeigen“, wie gequält hier der gefallene Held mit dem Finger am Abzug ist.
Aber Nolans „Dark Knight“ ist in alldem ungeheuer konsequent, verteufelt ernsthaft und illusionslos und drückt sich somit nicht um sein düsteres Ende. Das Gute und die Hoffnung sind zuletzt nur für den Preis der Lüge zu haben. Als Sympathiefiguren oder zumindest Unbeschädigte bleibt am Ende keiner mehr übrig, nicht mal mehr „Dirty Harry“-Batman als „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“.
So mag die Action atemberaubend sein (auch weil vieles ohne Computer zustande kam), auch hart, außerdem die Schauspieler famos und das Tempo extrem. Als Spektakel ist „The Dark Knight“ jedoch schlicht zu schade. Man stelle sich vor. Comic ist tot.
| FAZIT
Überwältigendes, finsteres und komplexes Abenteuer um den Fledermaus-Helden, das sich schließlich selbst bzw. der eigene Comic-Welt zu groß und fundamental gerät.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung