Sonntag | 27. Mai 2012 | 21:20 Uhr
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  • FILM REVIEW | The Rocker
  • The Rocker

    Komödie | USA 2008
  • | INHALTSANGABE

  • Er hat bei Konzerten den besten Platz in der Halle, genau zwischen Gitarrist und Bassist: Robert Fishman (Rainn Wilson), kurz „Fish“, ist Drummer der Metal-Band Vesuvius. 1986 steht die Combo aus Cleveland kurz vor ihrem großen Durchbruch. Es ist die Zeit des Hairspray-Metal, abfällig gerne auch als Poser-Metal bezeichnet, jener Musikrichtung also, die harte und schnelle Gitarrenriffs mit charttauglich-melodiösen Passagen, viel Make-up und noch mehr Haarspray kombiniert.

    Vesuvius haben es endlich geschafft. Der erste Plattenvertrag winkt, eine erste Tour steht an: Konzerte in allen großen Städten der Staaten, Groupies, Partys… allerdings nicht für Fish. Denn der Boss der Plattenfirma besteht darauf, seinem nichtsnutzigen Verwandten den Job als Schlagzeuger zu geben. Die Band überlegt nur kurz und entscheidet sich dann für den Ruhm und gegen die Freundschaft. Fish wird kurzerhand aus der Band geworfen.

    20 Jahre später: Robert Fishman arbeitet als kleiner Angestellter in einem Call-Center. Von seinem Traum, ein Rockstar zu werden, sind nur noch die langen Haare übrig, und auch die sind dünner geworden. Vesuvius dagegen haben den Zenit ihrer Laufbahn erreicht. Überall Werbung für das neue Album der Band, überall euphorische Fans, uns als dann auch noch ein Arbeitskollege von Fish ihm unbedingt die neuen Songs vorspielen muss, rastet er aus.

    Also verliert er seinen Job. Doch damit nicht genug: Am selben Abend wirft ihn auch noch seine Freundin aus der gemeinsamen Wohnung. Fish muss bei seiner Schwester auf dem Dachboden einziehen, die natürlich alles andere als begeistert darüber ist.

    Während der am Tiefpunkt seiner traurigen Existenz Angelangte noch mit dem Schicksal hadert und von einem Leben träumt, wie es hätte sein können, voller Sex, Drugs and Heavy Metal, tritt seine XXL-Version von einem Neffen an ihn heran. Matt (Josh Gad) ist ein dickes Kind, viel zu brav und viel zu schüchtern, das personifizierte Gegenteil von Rock`n`Roll – aber er spielt Keyboard in einer Band. Kurz vor dem ersten Auftritt auf dem Abschlussball wurde ihr Schlagzeuger von der Schule geworfen, der Gig droht zu platzen. Deshalb bittet Matt seinen Onkel, für den Drummer einzuspringen.

    Fish ist entsetzt. Niemals! Immerhin war er einmal der Drummer von Vesuvius, und jetzt soll er in einer Teenie-Band auf einem High School-Ball spielen. Nein!
    Oder vielleicht doch? Immerhin wäre das die Chance, wieder Schlagzeug zu spielen, wieder Musik zu machen, vielleicht irgendwann wieder ein richtiges Konzert zu geben.

    Zunächst hat die ungewöhnliche Formation namens A.D.D. mit den üblichen Startschwierigkeiten zu kämpfen – bis ein unfreiwilliger Auftritt bei You Tube die Karriere der mehr oder weniger jungen Musiker enorm ankurbelt…
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      • | FILMKRITIK

      • Autsch! Manchmal tut „The Rocker“ ein bisschen weh, wenn die Hauptfigur mal wieder an seine körperlichen Grenzen oder an die des guten Geschmacks stößt. Doch dieser Typ ist absolut schmerzfrei. Etwa bei seinem unfreiwilligen Internetauftritt: Da sieht Rainn Wilson als Robert Fishman alles andere als gut aus, macht sich minutenlang hemmungslos zum Narren – aber ist dabei unglaublich witzig. Auch ist Fish weder schlau noch charismatisch, sondern er verhält sich manchmal so peinlich, dass der Zuschauer sich für ihn mitschämt – und trotzdem wird er zum Helden seiner Geschichte.

        Denn Robert Fishman hat einen Traum: Die Band! So gesehen ist „The Rocker“ ein Film ganz im Geist der „Blues Brothers“, wenn auch bei weitem nicht so stilvoll. Aber es geht um einen, der nichts will außer Musik zu machen. Fish ist ein liebenswerter Freak, irgendwo in den 1980ern und auf Heavy Metal hängen geblieben, der jetzt mit 20 Jahren Verspätung die Chance bekommt, seinen Traum doch noch auszuleben. Gegen alle Widrigkeiten, gegen den Zeitgeist, gegen Statussymbole und Karrieredenken. Fish ist Schlagzeuger, durch und durch, auch wenn er eigentlich zu alt für diesen Lebenswandel geworden ist.

        Allerdings muss man sich als Zuschauer erstmal an ihn gewöhnen, denn wie gesagt, dieser Typ ist absolut schmerzfrei und manchmal ganz schön derb. So schwört er zum Beispiel darauf, seine Gigs mit einer handvoll frisch Erbrochenem in der Hosentasche zu spielen – soll ja Glück bringen. Und sein T-Shirt, selbstverständlich ärmellos, ist nach einem Auftritt derart durchgeschwitzt, dass es feuchte Flecken auf der Garderobe seiner Bandkollegen hinterlässt, wenn er sie umarmt.

        Ansonsten halten sich die Witze, die auf Körperausscheidungen basieren, zum Glück in Grenzen, und die einzige Gürtellinie, unter die der Humor des Films geht, ist die von Fish. Der opfert bereitwillig sein körperliches Wohlbefinden für den Traum vom Rockstar-Dasein. Er verausgabt sich auf der Bühne, und nach den Auftritten wird hart gefeiert – und selbstverständlich rockstarmäßig das Hotelzimmer verwüstet. Allerdings sollte man dabei tunlichst darauf achten, dass a) der Fernseher, den man aus dem Fenster zu werfen gedenkt, nicht mehr angesteckt ist, und b), viel wichtiger, das Stromkabel nicht genau zwischen den eigenen Beinen hindurch verläuft.

        Weit weniger chaotisch verhält sich der Rest der Band. Die redensartlichen „jungen Wilden“ sucht man in „The Rocker“ vergebens, Fishs minderjährige Musiker-Kollegen sind ausgesprochen vernünftig. Hier bedient sich der Film verschiedener Klischees der Jugendkultur: Der Gitarrist und Leadsänger Curtis (Teddy Geiger) ist ein latent depressiver, sensibler Poet, die Bassistin Amelia (Emma Stone) eine missmutige New Wave-Anhängerin und der Keyboarder wie gesagt Fishs übergewichtiger Nerd-Neffe. Allerdings wird das auch im Film thematisiert, und die eindeutig gezeichneten Figuren tragen dazu bei, den Generationenkonflikt zwischen Fish und seinen gut 20 Jahre jüngeren Bandmitgliedern zu verdeutlichen.

        Ach ja, die einzige erwachsene Hauptrolle – denn Fish kann nun wirklich nicht als Erwachsener bezeichnet werden – spielt ausgerechnet Christina Applegate alias Kelly Bundy. Sie verkörpert Curtis Mutter Kim, die anfangs entsetzt ist vom neuen Drummer der Band, sich aber dann von Fishs Enthusiasmus anstecken lässt.

        Wie ihr mag es auch dem Zuschauer ergehen: Zunächst ist man entsetzt von der derben und peinlichen Hauptfigur, aber irgendwann gewöhnt man sich an sie, beginnt sie zu verstehen und sogar zu mögen. Irgendwann wirkt Fish authentisch, wie anachronistisch er auch immer sein mag.

        Außerdem hat „The Rocker“ jene magischen Momente, die schon Filme wie „The Doors“ außergewöhnlich gemacht haben. Momente, in denen wir Zeuge werden, wie Musik entsteht. Wo die Gitarre schüchtern ein Riff anstimmt, Bass und Schlagzeug den Takt übernehmen, das Keyboard eine Melodie entwickelt und schließlich der Sänger einsteigt und den frischen Song komplettiert.

        Zugegeben, die Musik von A.D.D. ist mehr als alles andere Geschmackssache und dürfte gerade den Hardrock-Fans aus Fishs Generation etwas gegen den Strich gehen, da sie doch allzu glatt bleibt, guter Pop immerhin.

        Aber vielleicht ist das ja gerade der Punkt: Die Kids von heute machen keinen Heavy Metal mehr, die Zeiten haben sich geändert, aber dennoch tut Fish alles dafür, seinen Traum zu leben, mögen die Umstände auch noch so widrig sein.

        Das macht ihn zu einem sehr sympathischen Protagonisten – auf jeden Fall ist er einer, an den man sich erinnern wird. Und so bekommt „The Rocker“ bei all dem derben Klamauk und den unflätigen Anwandlungen eine ernste Botschaft: nämlich dass man sich selbst treu sein und aus seinem Leben das machen sollte, wozu man sich berufen fühlt.
      • | FAZIT

      • Auf den ersten Blick bloß derber Klamauk. Doch hinter all dem Chaos, den kruden Gags und den peinlichen Situationen hält „The Rocker“ tatsächlich eine ernsthafte Botschaft bereit – und präsentiert eine Hauptfigur, die einem in Erinnerung bleiben dürfte.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Alexander Praxl

      • | Userwertung

      Wertung: 7.0/10 (1 vote)

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