Wesley Gibson ist erst 25, doch schon hängt ihm sein tristes Leben zum Hals heraus: Als Buchhalter im Großraumbüro dient er seiner Chefin als Fußabtreter, seine Freundin schläft mit seinem besten Freund, die Chicagoer Hochbahn rattert praktisch durch seine Wohnung. Auf diesen Konsumenten von Beruhigungsmitteln wartet eines Tages im Laden eine schöne, schwer bewaffnete Frau und sagt, er sei der Sohn eines gestern ermordeten Killers. Der Täter ist schon zur Stelle, um Wesley umzubringen, doch die Schöne zwingt Wesley in ihren roten Sportwagen, und los geht die Verfolgungsjagd im Kugelhagel.
Wesley wird von seiner Lebensretterin Fox in eine alte Textilfabrik gebracht. Zwischen den Webstühlen residiert eine geheime Bruderschaft, die seit Jahrhunderten böse Menschen umbringt. Ihre Mitglieder haben besondere Eigenschaften: eine erhöhte Herzfrequenz, die zur Wahrnehmung in Zeitlupe befähigt und dadurch zu schneller Reaktion. Auch Wesley kann das. Die Bruderschaft will, dass er den Mörder seines Vaters umbringt. Dieser Mann namens Cross ist ein abtrünniges Mitglied. Wesley wird einem harten Training unterzogen und reift zum Killer heran.
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| FILMKRITIK
Was für ein Film! Der „Wächter des Tages“-Regisseur Timur Bekmambetov bringt in seinem ersten Hollywood-Spielfilm die an Fantasie nicht arme Comicserie „Wanted“ von Mark Millar und J. G. Jones als rasante Action auf die Leinwand. Er hat ein „Must See“ geschaffen, sein kreatives Potenzial mit den technischen Möglichkeiten zu einer Quintessenz des modernen, die Realität transzendierenden Actionfilms verbunden. Das Staunen im hippen „Wanted“ erübrigt sozusagen den Besuch 20 anderer Genrewerke.
Die Geschichte, die sich anfangs streng an die Comicvorlage hält und dann eigene Wege einschlägt, spielt im Chicago der Gegenwart. In einer burgähnlichen Fabrik aus den Anfängen des vorigen Jahrhunderts residiert ein Geheimbund von Webern. Ihr Anführer Sloan, gespielt von Morgan Freeman, bekommt vom Webstuhl des Schicksals Stoffe geliefert, die in einem Binärcode Namen enthalten. Es sind Namen von Personen, die bald Unheil in der Gesellschaft anrichten würden und deshalb von einem Mitglied der Bruderschaft eliminiert werden müssen. Die rechte Hand von Sloan ist Fox, gespielt von Angelina Jolie. Sie wird Wesleys Mentorin, die ihn mit ein paar Gehilfen trainiert. Wesley hat die außergewöhnlichen Anlagen seines Vaters geerbt, aber er muss noch viel lernen, wie das Schießen um die Kurve.
In der alten Fabrik also schießt Wesley unter Aufsicht des von Common gespielten Gunsmith auf hängende Schweinehälften. Er wird zur Abhärtung vom Repairman zusammengeschlagen, und anschließend in eine Art Wachsbad zur schnellen Wundheilung gelegt. Schon diese in den Steinboden eingelassenen Gruben, die als Wannen dienen, sind auch ohne die zusätzlich herumlaufenden Ratten ein Beispiel für die stimmungsvolle Detailverliebtheit des Regisseurs. Mit eigentümlichem Witz streift er Abgründe, etwa wenn der Bankomat Wesley beschimpft.
Das besondere Augenmerk des Regisseurs auf Bildästhetik wird auch in der modernen Stadtkulisse fündig: Angelina Jolie im weißen Kleidchen hängt sich schießend in voller Fahrt aus dem roten Sportwagen und wird zur stylishen Action-Ikone. Funken sprühen, Glas splittert, Autos fliegen durch die Luft, aber Fox bleibt gelassen. Eindruck machen auch die Szenen auf dem Dach der Chicagoer Hochbahn, aber fast noch besser sind diese kurzen Aufnahmen, in denen sich der Zug in Slow Motion wie eine träge Schlange durch die Häuserschluchten zwängt.
Wesleys Fähigkeit, in Zeitlupe zu sehen, illustrieren entsprechende Aufnahmen von fliegenden Kugeln, die manchmal gezielt mit der Munition des Gegners in der Luft kollidieren. James McAvoy erweist sich als Idealbesetzung für Wesleys Wandlung vom unscheinbaren Loser zum reaktionsschnellen, harten Burschen. Thomas Kretschmann hat als Cross eine wortarme, aber attraktive Außenseiterrolle.
Gegen Ende, wenn man wegen der vielen visuellen Geschenke Sättigung und fast ein schlechtes Gewissen verspürt, serviert „Wanted“ noch einen Höhepunkt. Ein Zug fährt in Osteuropa aus einem weißen Felsen auf eine Brücke, die über eine Schlucht zum nächsten Felsen führt, und entgleist. Spätestens hier zeigt sich, dass der moderne Actionfilm seine Höhenflüge teuer erkauft. Kugeln, die um die Kurve fliegen, Leute, die munter aus Wracks steigen oder sich in Trance den Weg freischießen, solche Coolness geht auf Kosten der Bodenhaftung.
| FAZIT
Timur Bekmambetovs amerikanische Comic-Action ist eine Leistungsschau visueller Kreativität.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung