Elsa, an die 50, hat gerade ihren Doktor in Kunstgeschichte gemacht, als ihr Mann Michele ihr eröffnet, dass er schon monatelang arbeitslos ist. Seine Partner in der gemeinsamen Firma haben ihn ausgebootet. Jetzt geht die schwierige Jobsuche los, doch er will sich auch nicht unter Wert verkaufen. Und an seinen Statussymbolen, vor allem am Schein von Wohlstand, will er auch nicht rütteln. Elsa muss die Neuorganisation für die Zukunft in die Hand nehmen. Dazu gehört auch, dass sie kleine Jobs annimmt, dass der Umzug in eine kleinere, billigere Wohnung von statten geht… Mehr und mehr entfremden sich die Ehepartner voneinander angesichts der schwieriger werdenden Situation.
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| FILMKRITIK
Ein Ehepaar, im sozialen Abstieg begriffen, versucht, wieder auf die Beine zu kommen und kämpft um seine Würde ebenso wie um den Erhalt der Liebe: das Drama hat Regisseur Silvio Soldini („Brot und Tulpen“) leicht und immer wieder witzig inszeniert, nicht als Geschichte eines Sturzes ins Elend, sondern als ein Weg, der zwar materielle Einschränkungen und Verlust von Freundschaften bedeutet, aber den Eheleuten Elsa und Michele auch einen ganz neuen Blick auf sich und den anderen eröffnet.
Michele hat Elsa monatelang seine Arbeitslosigkeit verschwiegen. Und auch nach dem Geständnis will er zunächst dem Anschein nach weiter machen wie zuvor: zu groß ist sein Stolz, zu viel Angst hat er vor Gesichtsverlust, um sich auf die neue Realität des Lebens einzulassen. So ist es die Frau, die die Zukunft in die Hand nehmen muss. Elsa organisiert, sucht sich einen Minijob, packt an, ganz pragmatisch – während Michele dröge bleibt und den Frust an der Tochter auslässt, deren Freund er ganz und gar nicht leiden kann.
Die Rollen sind klar verteilt – aber sie sind differenziert ausgestaltet, ohne Klischee, ohne Verurteilung, ohne Schuldzuweisung. Michele kann einfach nicht aus seiner Haut, er hat durchaus Prinzipien, an denen er festhält – deshalb wurde er auch von seinen Teilhabern aus der gemeinsamen Firma ausgebootet. Er will sich nicht unter Wert verkaufen, er will nicht die Demütigung über sich ergehen lassen, jemanden um Geld zu bitten. Doch er ist zugleich ein Klotz am Bein mit seinem wehmütigen Blick zurück, der das Zurechtfinden in einer weniger angenehmen Zukunft erschwert.
Elsa übernimmt einen Job im Callcenter, arbeitet auch noch abends als Sekretärin, während Michele Vorstellungsgespräche sausen lässt, bei denen er ohnehin unterfordert wäre. Frust staut sich auf auf beiden Seiten, gegenseitiges Unverständnis – denn Elsa entwickelt praktisches Handlungsvermögen, patent stellt sie sich viel schneller auf die neue Situation ein. Indem Soldini die beiden verschiedenen Wege zweier Eheleute beschreibt, die mit unterschiedlicher Geschwindigkeit in der neuen Zukunft ankommen, feiert er die Tatkraft der Frau. Sie ist promovierte Kunsthistorikerin und restauriert ein Deckenfresko in einem alten Genueser Gebäude – auch unter Schmutz und Dreck und Schichten alten Gipses kann sie Schönheit finden.
Ihr Mann wiederum beginnt erst langsam, aus dem Schneckenhaus zu kriechen: er renoviert in seiner Tagesfreizeit Wohnungen von Nachbarn, schließt gar neue Bekanntschaften. Hilft der Tochter und ihrem Freund bei der Buchhaltung im Restaurant. Er, der so unflexibel ist, öffnet sich im Stillen. Und auch wenn er sich von seiner Frau entfernt hat, wenn er sie oft unbeachtet lässt – allmählich erkennt sie auch seine Bewegung, und sie erkennt sie an.
| FAZIT
Ein Drama, mit Leichtigkeit erzählt.
| BEWERTUNG
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